Fotos Jonas Heimberg

Aufgebrochen und angekommen

Rückblick auf die Fernkurstagung

Jonas Heimberg

Leben bedeutet Bewegung. Aufbrechen, ausbrechen, zerbrechen, sind zentrale menschliche Erfahrungen, die uns in Lebens- und Lesewelten immer wieder begegnen. Naheliegend sich intensiver mit dem Thema „Bindungen – Brüche“ in einer literarischen Tagung auseinanderzusetzten.

34 Literaturinteressierte aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich reisten aus diesem Grunde vom 7. bis 9. April 2017 zur diesjährigen Fernkurstagung nach Würzburg. In Vorträgen und Workshops begaben sich die Teilnehmer/innen auf die Reise durch Bindungen und Brüche in der Gegenwartsliteratur sowie Autorenbiographien.


Der Freitagabend startete mit einer einführenden Auseinandersetzung auf inhaltlicher und formaler Ebene sowie mit der Reflexion der eigenen Leseridentität. Es wurde schnell deutlich, dass  Zeit, Kultur, Sprache, Religion sowie Normen und Werte viele Bruchlinien beinhalten können, andererseits  auch Heimat und Wohlbefinden definieren.

Der Samstag stand ganz Das Tagungsteam: v.r.n.l. Martina Lainer, Dr. Iabel Fraas und Jonas Heimberg im Zeichen konkreter Autoren und Texte. Martina Lainer eröffnete den Vormittag mit „Figuren in ver-rückten Welten in Werken der österreichischen Autorin Anna Mitgutsch“. Anschließend fesselte Dr. Isabel Fraas die Zuhörer mit Geschichtsbrüchen im Rahmen einer literarisch-dokumentarischen Spurensuche in Natascha Wodins Buch „Sie kam aus Mariupol“ (2017), welches kürzlich erst mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. „Getrennte Identitäten - die israelisch-palästinensischen Liebe als Politikum“ in Dorit Rabinyans „Wir sehen uns am Meer“ (2016) bestimmte den zweiten Teil des Nachmittagsprogramms.

Als krönender Tagesabschluss las die Schriftstellerin Lena Gorelik aus ihrem Roman „Null bis unendlich“ und erläuterte im Autorengespräch mit Jonas Heimberg nicht nur Hintergründe zum Buch, sondern gab auch persönliche Einblicke in das Schreiben und ihr damit verknüpftes Leben. Im Interview wurde deutlich, dass Biographien literarischer Figuren häufig parallel zur Lebensrealität verlaufen. So beschrieb Lena Gorelik als Schöpferin ihrer Buchfiguren, dass sie während des Schreibens oft nicht vorhersagen könne, wie viele Schicksalsschläge die Figur im Roman erleiden wird, dies sei im wirklichen Leben schließlich auch nicht absehbar.


Bei strahlendem Sonnenschein und mit historischer Kulisse des Exerzitienhauses Himmelspforten war man abschließend am Sonntagvormittag dem Geheimnis von Literatur auf der Spur und erhielt von Martina Lainer Ansätze für Gesprächskreise.

Mit neuen Perspektiven, zahlreichen Anregungen und Buchempfehlungen im Gepäck läutete das abschließende gemeinsame Mittagessen Garten des Exerzitienhaus Himmelspforten, Würzburg und die örtliche Bindung an das eigene zu Hause das Ende der Tagung ein.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön und einen lieben Gruß an die Literarischen Kurse nach Wien, welche mit ihrem aktuellen Fernkurs „Ver-rückte Biographien – Mit vier Büchern durch die Welt“ und der Kooperation mit dem Borromäusverein e.V. die Fernkurstagung mitgetragen haben.

Jonas Heimberg Kontaktdaten
Bildungsreferent des Borromäusverein e.V. in Bonn
Leiter der Tagung in Würzburg
April 2017

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