Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da! oder Wer entdeckt die erste Kastanie?

Das Thema Natur ist ein Dauerbrenner im Kinderbuch. Passend zum Herbst sind Pappbilderbücher, Erstlesebücher und Sachbücher erschienen, die sich künstlerisch ganz unterschiedlich mit den Jahreszeiten, Pflanzen und dem Naturschutz auseinandersetzen. Antje Ehmann hat sich für den Borromäusverein umgeschaut und interessante Titel für Sie zusammengestellt. Die erwähnten Bücher mit medienprofile-Rezensionen finden Sie am Ende der Seite und sind verlinkt.

„Der Herbst ist meine liebste Jahreszeit. Ich mag es, wenn es langsam kühler wird und die Blätter sich bunt färben“, so Katrin Wiehle. Ihre erfolgreiche Pappbilderbuchreihe punktet mit Naturfarben und 100 Prozent Naturmaterial. Nach den sechs kleinformatigen "Mein kleiner Garten", "Mein kleiner Foto: Seaq68/pixabay Teich" und andere folgte mit "Mein großer Bauernhof" ein stilistisch und in der Farbkomposition überzeugender großformatiger Band. „Gemeinsam mit meiner Lektorin habe ich überlegt, welches Thema noch gut in dieses Format passen könnte“, erinnert sich die in Georgia/USA lebende Illustratorin. "Alle vier Jahreszeiten" ist das Ergebnis dieser Überlegungen, das sich sehen lassen kann. Jeder Jahreszeit ist eine Doppelseite mit einem Wimmelbild und zwei Seiten mit einzelnen Aspekten gewidmet. „Da waren mir im Herbst das Kartoffelfeuer, Pfützenspringen und das Drachensteigen wichtig. All das, was ich als Kind sehr gerne mochte“, so Wiehle. Die Graugans fliegt gen Süden, der Laubhaufen wird immer höher und ein Kürbis ist auch zu entdecken. Ein Bildwörterbuch für Kinder ab zwei Jahren, das wirklich Freude macht.

 

Ganz und gar nicht erfreut ist Eichhörnchen Pino als der Tag kommt, an dem seine Freundin Lela mit den anderen Schwalben in den Süden startet. Foto: KleeKarl/pixabay Die beiden Tiere haben sich so aneinander gewöhnt, dass der Abschied mehr als schwer fällt. Flieg, Lela, flieg! Für immer beste Freunde ist eine berührende Geschichte, die Günther Jakobs geschrieben und mit Acrylfarbe und Buntstift gezeichnet hat. „Dass Natur auch natürlich aussieht, ist manchmal schwer zu realisieren. Wichtig ist, dass man Bäume und Landschaft genau betrachtet und nicht immer die Formen und Figuren zeichnet, die man sowieso schon kann“, so der Illustrator. Zu sehen sind interessante Perspektiven, originelle Bildausschnitte und eine abwechslungsreiche Seitengestaltung. „Eines war mir immer klar: Ein Charakter musste ein Eichhörnchen sein. Die mag ich einfach sehr“, ergänzt Jakobs noch.

 

Ein Tier, das man eher nicht im Wald erwartet, spielt in "Rita und Kroko suchen Kastanien" eine Rolle. Kroko ist - wie die Abkürzung unschwer vermuten lässt - ein Krokodil, das gemeinsam mit dem Mädchen Rita bei Herbstwind die Taschen randvoll mit Kastanien stopft. Und da man sich im Wald auch gerne mal verläuft, geht der Ausflug nicht ohne Zwischenfälle vonstatten. Siri Melchior präsentiert Acrylillustrationen, die sehr charmant und in Herbstfarben daherkommen.

Yvonne Wagner hat nun in "Herbst mit Bilderbüchern entdecken - 40 Kita-Projektideen für drinnen und draußen" (Beltz 2017) als eines von insgesamt fünf Bilderbüchern auch Rita und Kroko mit dabei. „Ich habe mir zu diesem Bilderbuch natürlich auch viele Projekte mit Kastanien ausgedacht. Dabei war es mir besonders wichtig, dass es viele einfach umsetzbare Ideen sind, die sich gut abwandeln lassen“, so die Autorin. Das ist ihr zweifellos gelungen. Die Projekthefte von Beltz Nikolo sind eine großartige Fundgrube für alle, die mit Kindern zu tun haben. „Außerdem achte ich immer auf Nachhaltigkeit und das Schonen von Ressourcen. Sinnvoll ist es, mit dem zu basteln, was in der Kita sowieso vorhanden ist oder was die Natur - im Herbst Kastanien - gerade bietet.

 

Den Aspekt, die Umwelt zu schonen beziehungsweise Kinder dafür zu sensibilisieren, was Naturschutz bedeutet, greift auch Kathrin Köller auf. „Es ist nicht ihre Schuld, dass Wälder abgeholzt werden, Tiere vom Aussterben bedroht sind und das Meer zur Müllkippe geworden ist“, so die Berliner Autorin. In der Reihe Leseforscher A "Natur! Durch Flüsse, Wüsten, Regenwälder" (Ueberreuter 2016) geht die faszinierende Reise durch die ganze Welt. „Papa sagt, ich soll mehr rausgehen. Nicht immer nur drinnen forschen“, sagt Filu, der Forscherfuchs. Und genau das müssen Kinder natürlich auch tun, wenn sie die Natur entdecken wollen. „Ich möchte Kindern spielerisch Kenntnisse über die Natur vermitteln und sie so für die Natur begeistern. Sie sollen von sich aus Lust haben, sich für den Erhalt dieser Welt einzusetzen“, fasst Köller zusammen.

Peter Wohlleben, der mit seinen Sachbüchern über den Wald Bestseller geschrieben hat, entdeckt nun auch Kinder als Zielgruppe für sein Wissen und seine Kenntnisse. „Ich wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden, denn mich hat die Natur immer fasziniert“, so der Förster. "Hörst Foto: Hans/pixabay du wie die Bäume sprechen? Eine kleine Entdeckungsreise durch den Wald" ist ein ansprechend geschriebenes und locker gestaltetes Sachbuch für Kinder ab 10 Jahren. Dabei wird auch der Mitmach-Aspekt großgeschrieben. Es gibt zahlreiche Quizfragen, Waldinfos und Ideen zum Ausprobieren wie etwa einen Salat aus jungen Buchenblättern zubereiten, mit einer Lupe eine Handvoll Walderde anschauen oder den dicksten Baum in der eigenen Stadt entdecken. Im gleichnamigen Hörbuch gibt es einen akustischen Eindruck dieser Naturlandschaft. Regie führte Franz Gustavus. „Vielleicht schafft es dieses Buch sogar, die ganze Familie mitzureißen, zu begeistern, um einfach mehr Zeit draußen im Wald zu verbringen“, so Wohlleben noch.

 

Und bei diesen Ausflügen findet man dann auch all jene Naturmaterialien, mit denen die schwedische Künstlerin Kristina Digman aparte und entzückende Figuren zaubert. "Floras Atelier. Die kleine Naturwerkstatt für zauberhafte Naturkunstwerke", das Ende November bei Bohem Press in deutscher Übersetzung erscheint, holt selbst den größten Bastelmuffel hinter dem Ofen hervor. In Schweden sind bereits mehrere Bände mit der kleinen Flora erschienen. Hierzulande kann man sich ebenfalls auf eine Fortsetzung der Serie freuen. „Ich habe schon immer eigene 'kleine Welten' gemalt und geschaffen. Aber die Idee, aus Blättern, Samen, Steinen und anderen Fundstücken Vögel, Fische und vieles andere zu machen, beschäftigt mich erst die letzten drei, vier Jahre. Ich war es einfach leid, künstlerisch nur aus mir heraus tätig zu sein. Doch kreativ, spielerisch und ohne Druck aus den Naturmaterialien etwas zu machen - darauf hatte ich große Lust!" sagt Digman. Am Herbst mag sie die milde Sonne, Pilze sammeln, Pflaumenkuchen und die leichte Melancholie, dass der Sommer endet.

 

Finn und Frieda dagegen würden sich freuen, wenn der Sommer niemals zu Ende ginge. Deshalb schmieden sie etliche Pläne, was sie tun können, um das wahr zu machen. "Finn und Frieda halten den Herbst auf" (Tulipan 2017) von Martin Klein ist auf vier Bände angelegt. Schon das Cover von Kerstin Meyer ist vielversprechend und in der Tat, beide Figuren zeigen erneut, was in ihnen steckt. Der versierte Erzähler brilliert und legt eine Eins-a-Geschichte vor. „Ich habe als Kind mehrfach davon geträumt, wie schön es wäre, wenn der Sommer länger bliebe. Als junger Mann bin ich dann jahrelang nach Süden gefahren, um diese Verlängerung zu bekommen“, erzählt der Berliner Autor.

Und was machen die beiden Kinder im Buch? Erstens: „Wir beachten den Herbst einfach nicht!“ und zweitens: „Wo er sich zeigt, machen wir ihn rückgängig!", das heißt barfuß warm laufen, Sonnentanz aufführen und bereits verfärbte Blätter wieder grün anmalen! Martin Klein hat unter anderem auch eine Ausbildung als Landschaftsgärtner gemacht. „Der Gärtner und Ökologe, der ich im Herzen immer noch bin, hat auf die Reihe Einfluss gehabt. Ich erlebe schon seit Längerem schmerzhaft, wie sich viele Kinder immer mehr von ihrer realen, natürlichen Umgebung entfremden. Das betrifft auch die Wahrnehmung der Jahreszeiten“, schließt Klein.

Nehmen Sie diese Bücher doch zum Anlass, um gemeinsam mit den Kindern die Wunder der Natur zu entdecken.

Antje Ehmann
November 2017
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