Kunst im Buch oder da ist Musik drin

Ob Mozart, Tanz oder Picasso

„Kunst mit Torte“ - so der Titel des Bilderbuches von Thé Tjong-Khing - wurde letzten Herbst vom Künstler persönlich auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert. Mit „Hieronymus - Ein Abenteuer in der Welt des Hieronymus Bosch“ steht er auf der diesjährigen Nominierungsliste des Deutschen Jugendliteraturpreis. Welche herausragenden Bilderbücher gibt es noch, die Kindern Kunst und Musik vermitteln? - Antje Ehmann hat sich für den Borromäusverein umgeschaut und interessante Titel für Sie zusammengestellt:

Ganz kleine Kinder lockt Frédéric Stehr mit seinem quicklebendigen Pappbilderbuch „Tscheng Bam Bumm“. Nur ein Blick auf das Cover und schon wird klar, wieviel Spaß es den drei Vogelkindern macht, laut zu sein! „Was macht ihr da - Musik! Warte, ich bin gleich wieder da“ - dieser Dialog wiederholt sich wie ein eingängiger Refrain. Nach und nach versammeln sich fünf Tierkinder mit immer mehr Dingen, mit denen man Musik machen kann: Ein Topf, eine Schüssel, ein Sieb und dann mit Küchenutensilien rhythmisch draufgeklopft. „Die farbig gestaltete Typografie spielt eine wichtige Rolle. Ich wollte, dass die Kinder die Musik sehen, immer mehr Worte wie Tschong, Bam, Tscheng, Bumm, Kalang bis zum Moment der Ruhe“, so der französische Illustrator. Das ist ihm gelungen und auch die lustige, freche Pointe überzeugt.

 


Spaß und Freude an der Musik vermittelt auch Magali Le Huche mit „Auf Mozarts Spuren“. Das Besondere an diesem Bilderbuch sind die pfiffigen Illustrationen und die Musikbeispiele - einfach auf Knopfdruck zu hören.

Hund Pippo lebt in Paris und gemeinsam mit seinem Freund Mitzie teilt er eine Leidenschaft: die Begeisterung für Mozart und seine Musik. Erstaunlich, an diesem Tag scheint Paris voller Töne zu sein - ob in der Kirche, im Park, in der Metrostation oder vor dem Café - überall erklingt Musik!

Zusätzliche Informationen über den berühmten Komponisten, der nur 35 Jahre alt wurde, und zu seinen Musikstücken bekommen Kinder auch.

In Frankreich ist Hund Pippo Musikstar einer Reihe von Bilderbüchern. Auch auf Deutsch übersetzt liegt das Bilderbuch „Orchester der Tiere“ vor.

 


Eine Oper von Bedřich Smetana steht im Zentrum von Rudolf Herfurtners neuem Bilderbuch „Die verkaufte Braut“. Musikbilderbücher sind ein wichtiger und erfolgreicher Programmschwerpunkt des Ueberreuter Verlages.

Der vielseitige Münchner Autor hat schon einige musikalische Meisterwerke für Kinder erzählt. „Sie sind Teil unseres kulturellen Erbes und wir müssen davon erzählen, wenn wir sie nicht vergessen wollen“, so Herfurtner. „Meine Vorstellung bei diesen Büchern ist immer ein Opa, der von seinem Enkel gefragt wird „Opa, wie war es gestern in der Oper?“ und der dann sein Enkelkind auf den Schoß nimmt. Gemeinsam legen sie die CD auf und hören sich die Musik an“, so der Autor weiter.

Für die komische Oper von Smetana wählt er den Zugang für Kinder über den Bären bzw. den verspotteten Wenzel, der in dem Bärenkostüm steckt. „Ich dachte mir, diese traurige Figur ist den Kindern näher als das Liebespaar“, ergänzt Herfurtner. „Außerdem gibt es Melodien und Tänze, die zu Herzen gehen und leicht mitzusingen sind.“

 


Tanzen ist auch die Leidenschaft, die das Mädchen Frieda heimlich hegt. „Frieda tanzt“ von der isländischen Illustratorin Birgitta Sif ist ein außergewöhnlich gelungenes Bilderbuch rund um das Thema Tanz.

Zunächst traut sie sich nur zu tanzen, wenn keiner zuschaut. Doch nach und nach wird sie immer selbstbewusster. „Da wusste sie endlich, dass Tanzen ihr Leben war.“ Ab diesem Moment der Selbsterkenntnis gibt es kein zurück. Das Tanzfieber hat sie gepackt. Auf der letzten, wie immer charmant und mit Farbgespür illustrierten Doppelseite, tanzen fast alle im Park.

„Es geht mir darum, klar zu machen, dass man immer mit ganzem Herzen dabei sein soll - egal ob man tanzt, singt oder malt“, so Birgitta Sif. „Ich tanze ganz oft mit meinen beiden kleinen Töchtern. Wir machen die Musik an und tanzen einfach los. Das macht Spaß!“, erzählt die Illustratorin weiter.

 


Kinder zu ermutigen, künstlerisch aktiv zu werden - das schafft auch das Bilderbuch von Emma Lewis „Ein Museum nur für mich“. Nach der Lektüre hat man entweder Lust, gemeinsam mit der ganzen Familie ins nächstgelegene Museum zu gehen oder dem Kind wird klar, dass es schon eine ganze Menge an kleinen Kunstwerken im Kinderzimmer gesammelt hat.

„Die Idee zu diesem Sachbilderbuch hatte ich, weil ich alle Arten von Museen und Museumsbesuche generell liebe. Zusätzlich interessiere ich mich für die Themen Sammeln und Identität“, so Lewis. Sie zitiert Pablo Picasso zu Beginn der Museumstour, der gesagt hat: „Gebt mir ein Museum, und ich werde es füllen.“

Vom Museum für Archäologie geht es ins Museum für Naturkunde und dann weiter in ein Kunstmuseum. So lernen Kinder beim Vorlesen jede Menge über Museen und staunen zugleich darüber, wie dieses Buch gestaltet ist.

„Ich arbeite in Mischtechnik: Collage, ausgeschnittene Papiere, Drucke, Farbstifte, Pastelkreide und koloriere auch digital.“ Eine faszinierende, originelle und stilsichere Art der Gestaltung, die mit dem „Bologna Ragazzi Award“ belohnt wurde.

 


Auch Benita Roth überrascht mit einer ungewöhnlichen Mischung und bringt in „Sibylla und der Tulpenraub“ eine neue Bildsprache ins Spiel. Die Frankfurterin Maria Sibylla Merian, deren Todestag sich am 13. Januar diesen Jahres zum 300. Mal gejährt hat, war Künstlerin und Naturforscherin. Ihre Reisen gingen bis nach Surinam, Südamerika und ihre Schmetterlingszeichnungen sind brillant.

„Ich habe mit farbiger Tusche und Feder gezeichnet um an ihre feine Kupferstichtechnik anzuknüpfen“, erzählt die Illustratorin, die vor allem Bühnen- und Kostümbilder entwirft. Ihr Debüt eignet sich auch hervorragend für den Kunstunterricht und bringt schon Kindern ab 5 Jahren diese herausragende Persönlichkeit nahe.

„Für den Teil der Geschichte, in der sich ihre künstlerische Welt entfaltet, habe ich Insekten und Pflanzen aus Papier plastisch gebaut, bemalt, fotografiert und dann eingefügt. Als Bühnenbildnerin hat mir diese „dritte Dimension“ besonders viel Spaß gemacht“, ergänzt Roth.

 


Um Diebstahl geht es auch in Thé Tjong-Khings „Kunst mit Torte“. Nach den anderen Torten-Büchern - das erste „Die Torte ist weg!“ ist vor 10 Jahren beim Moritz Verlag erschienen - nun wieder ein textloses Torten-Buch, das auf phänomenale Weise weltberühmte Kunstwerke in einem Bilderbuch präsentiert.

Ein Kunsträuber wird verfolgt und die Betrachter tauchen auf jeder Doppelseite in eine andere Landschaft ein. Vincent van Gogh, Georges Braque, Wassily Kandinsky - der niederländische Illustrator ahmt deren Kunststile nach und schafft so wechselnde Kulissen für die spannende Verfolgungsjagd.

Im Bilderbuch ist Kunstfälschung ja nicht verboten. Was für ein Glück für alle kindlichen und erwachsenen Betrachter. Auf dem Vorsatzpapier kann man hilfreiche Tipps bekommen, falls man den einen oder anderen Stil doch nicht zuordnen kann. Besser kann man sich Kunstvermittlung für Kinder nicht denken!

Antje Ehmann
August 2017
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Die vorgestellten Titel

Kunst mit Torte

Rezension

Kunst mit Torte

Frau Hund möchte ein Bild malen. Dazu studiert sie so viele Kunstbücher, dass sie darüber (...)