Superheldenkräfte wecken

LUCHS Preis für "Super-Bruno"

Antje Ehmann

Zwei Norweger bekamen den begehrten Jahres-LUCHS am 22. März 2017 im Ringcafé in Leipzig. Antje Ehmann, Fachjournalistin für Kinderliteratur, war für den Borromäusverein vor Ort und schildert ihre Eindrücke:

Seit mittlerweile fünf Jahren wird der Jahres-LUCHS in Leipzig von der ZEIT und von Radio Bremen verliehen und zum zweiten Mal findet die schöne Veranstaltung vor rund 200 Gästen im Ring-Café am Roßplatz in der Leipziger Innenstadt statt. Ein gelungener Auftaktabend zur Leipziger Buchmesse und ein angemessenes, großzügiges Ambiente, das sich sehen lassen kann.

Allesamt sehen lassen können sich auch die LUCHS- Bücher. Im Januar etwa bekam Chen Jianghong den Preis für "Ich werde Berge versetzen" (Moritz Verlag), "ein faszinierendes Bilderbuch über die Kraft des Willens", im April Jan de Leeuw "Eisvogelsommer" in der Übersetzung von Rolf Erdorf (Gerstenberg), "vier Generationen und viele Verluste: eine Geschichte mit großer Wucht" und im Oktober "Hier kommt keiner durch!" von I.M. Martins und B.P. Carvalho (Klett Kinderbuch), "eine politische Parabel auf willkürliche Grenzen und eine Hommage ans Buch".

12 starke, herausragende Titel, die Monat für Monat ausgewählt und mit dem LUCHS-Preis bedacht werden. Auch "Gips oder Wie ich an einem einzigen Tag die Welt reparierte" (Carlsen) von Anna Woltz war im Monat November mit dabei - der diesjährige Preisträger des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises 2017! Lesen Sie dazu auch die Arbeitshilfe in BiblioTheke 3.17 (erscheint im Juli).


"Kinderliteratur vermag viel: sie macht die Welt größer, die Leser/innen emphatischer und schult die Argumentationskraft der nachfolgenden Generation", meint Juryvorsitzende Katrin Hörnlein, die durch den abwechslungsreichen Abend führt. Das sei wichtig, damit Kinder stark werden und in der Lage sind, unsere Demokratie zu wahren.

Die Wahl der Jury (Brigitte Håkon Øvreås und Øyvind Torseter Jakobeit, Übersetzerin/Maria Linsmann, Kunsthistorikerin/Christoph Rieger Leiter der  ilb - Sektion Internationales Literaturfestival Berlin und Anja Robert, Redakteurin bei Radio Bremen - Juryvorsitz Katrin Hörnlein, verantwortlich für das Ressort Junge Leser und die Kinder- und Jugendliteratur bei der ZEIT) aus den 12 Monatssiegern fiel 2017 auf ein Kinderbuch:

"Super-Bruno" von Håkon Øvreås und Øyvind Torseter,

in der Übersetzung von Angelika Kutsch (Hanser Verlag). "Von Superheldenkräften, die in jedem Kind stecken: Autor Hakon Ovreas hat mit "Super-Bruno" eine anarchische und zugleich magisch-verträumte Geschichte geschaffen, die Angelika Kutsch gekonnt ins Deutsche übersetzt hat. Illustrator Øyvind Torseter begleitet und kommentiert Brunos Abenteuer mit seinen kraftvollen und pointierten Bildern. Ein Kunstwerk in Wort und Bild. So muss ein Kinderbuch sein!" ist in der Jurybegründung zu lesen.


Kurzweilig geht es dann um "Super-Bruno", der alle Aufmerksamkeit verdient. Nadia Budde lenkte in ihrer klugen Laudatio den Blick geschickt auf Aspekte, die man vielleicht übersehen könnte. Sie philosophiert unter anderem über die Farbe Braun, bemerkt, dass bei der Figurenzeichnung weder Schatten noch Hautfarbe zu sehen sind und ist beeindruckt davon, dass alle Schwächen, Stärken und Widersprüche haben - Erwachsene wie Kinder.

In der Diskussionsrunde mit Katrin Hörnlein und den beiden Schöpfern des Kinderbuches erfährt man vom Erstaunen des Illustrators, dass eine lokale, norwegische Geschichte nun so weite Kreise zieht. Für den Autor ist es sein erstes Kinderbuch. Aber nachdem er einen Jungen als Hauptfigur hatte, war klar, dass es kein Erwachsenenbuch werden kann. Hocherfreut zeigt er sich über all die positiven Reaktionen, die er seither bekommen hat. Auf Lesereisen ermutigt er die Kinder immer, ihre eigenen Superhelden zu erfinden. Sein schöpferisches Geheimnis liegt vermutlich darin, dass er ruhig ist und ruhig lebt. In diesem Zustand  kann er Geschichten empfangen. Das ist seine Superkraft!

Für den Illustrator war der Großvater am schwierigsten zu zeichnen. Es hat mehrere Anläufe gebraucht, bis sich diese Figur für ihn richtig angefühlt hat. Seine Zeichenkunst kann man dann glücklicherweise noch live bestaunen. Während Hartmut El Kurdi temperamentvoll aus dem Preisbuch vorliest, entstehen druckreife Skizzen. Torseter arbeitet mit links - nur ein paar gekonnte Striche und schon sieht man den Farbeimer oder das Mädchen Laura mit seiner roten Frisur - und signiert später geduldig noch zahlreiche Bücher.

Bereits erschienen ist der zweite Band "Super-Matze", in dem Brunos Freund im Mittelpunkt steht. Im Frühjahr nächsten Jahres wird dann auch das Mädchen Laura in "Super-Laura" mit einer spannenden, vielschichtigen und teils rätselhaften Geschichte Kinder begeistern.