Flix – Felix Görmann

Comiczeichner sind lässig, humorvoll… „und natürlich gutaussehend“, ergänzt Felix Görmann lachend. Und er hat gut lachen, denn unter dem Pseudonym „Flix“ hat sich der Berliner Comiczeichner in den vergangenen Jahren deutschlandweit einen Namen gemacht. Mehr als zwanzig Bücher sind bereits veröffentlicht, seine Comicstrips finden sich in namhaften Zeitungen wie Flix (Autorenbild von Carlsen) dem Tagesspiegel, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder dem Kindernachrichtenmagazin „Dein SPIEGEL“. Seine Leidenschaft für die Erzählung in Bildern beginnt schon früh.
 

Das Leben zeichnen

 
Flix fängt an zu zeichnen, sobald er einen Stift halten kann. „Wie alle Kinder war ich fasziniert davon, Linien aufs Papier zu bringen.“ Seine Mutter ist Bildhauerin und gehört einer Künstlergruppe an. So ist es für ihn von klein auf ganz normal, dass Menschen malen, zeichnen oder Skulpturen formen. In seinem Heimatort Rossdorf bei Darmstadt gibt es viele Künstler und Kunsthandwerker. „Alle zwei Jahre veranstalteten sie eine große Sommerausstellung und ich bin da schon als Fünfjähriger mittendrin rumgesprungen.“ Schon damals wird aus Felix „Flix“.

 

Die ersten Flix-Comics

Als Schüler zeichnet er seine ersten Comics und orientiert sich an franko-belgischen Vorbildern. „Die Autoren haben selten ihren richtigen Namen verwendet. Deshalb habe ich meinen Spitznamen auf die ersten selbstkopierten Heftchen geschrieben, die ich auf dem Schulhof verteilt habe. Das hat sich bis heute gehalten.“ Inzwischen ist Flix zu einer Marke geworden, die es schon wesentlich länger gibt als zum Beispiel den gleichnamigen Busdienst. Und trotzdem kommt es hin und wieder zu Verwirrung.

„Es ist lustig, wenn Leute, die das Busunternehmen googeln, auf meine Webseite kommen und dann bei mir eine Fahrkarte kaufen oder sich beschweren wollen. Vor Kurzem rief eine Dame viermal an, um zu fragen, wann der nächste Bus nach Heilbronn geht. Ich konnte irgendwann nicht mehr vor Lachen.“

Vielleicht wird ja mal ein Comic daraus, denn es sind oft persönliche Erfahrungen und sein Lebensumfeld, die Flix zu seinen Geschichten inspirieren.

So zeichnet er zum Beispiel für die FAZ die Comicreihe „Glückskind“, in dem es um einen Vater, ein Kind und einen Waschbären geht. „Das fällt mir leicht“, sagt er - selbst Vater von zwei kleinen Mädchen. Es sei eine indirekte Art mit der Vaterschaft umzugehen. Gemeinsam mit seiner Frau, die für einen Verlag arbeitet und einst seine erste Lesereise begleitete, und den beiden Töchtern lebt Flix in Berlin. Dort hat er auch sein Atelier am Ende des Gartens: großes Fenster, viel Platz, kleine Küche und ein Kollege, mit dem er sich die Räume teilt und der hin und wieder aushilft.

Ende November 2017 sind die ersten 100 Strips von "Glückskind" bei Carlsen in Buchform erschienen. Band 1 erzählt den Beginn dieser wunderbaren Freundschaft zwischen Vater, Kind und Waschbär. Flix veröffentlicht jede Woche in der FAZ eine neue Folge des Comicstrips.

Vom Zeichnen leben

Eine gute Lösung, denn im heimischen Arbeitszimmer kam er mit den Kindern kaum noch zum Arbeiten. „Es ist ihnen nicht beizubringen, wieso man zu Hause ist, aber nicht ansprechbar“, sagt Flix schmunzelnd. „Ins Atelier kann ich mich zurückziehen und bin trotzdem nicht aus der Die Graphic Novel erzählt von Felix, einem Kind der späten 1970er Jahre. Sie reflektiert das Leben des Autors bis zum Jahr 2003 und blickt in seine Zukunft. Welt.“ Wenn seine vierjährige Tochter aus der Kita kommt, setzt sie sich dazu und malt ein bisschen, bis es Zeit fürs Essen ist. Wie sie seine Bilder findet? „Sie ist der Überzeugung, dass ich noch ein bisschen üben muss, damit ich so gut werde wie sie“, lacht Flix.

Dass er auf einem guten Weg ist, beweist sein Erfolg als Comiczeichner. Flix ist einer der wenigen seiner Zunft, die heute von ihrer Arbeit leben können. „Ich kann meine Familie allein vom Zeichnen ernähren. Das ist der Hammer“, freut er sich. Haben sich seine Eltern wegen seiner Berufswahl Sorgen gemacht? „Interessanterweise meine Mutter. Sie ist auf dem zweiten Bildungsweg Künstlerin geworden und wusste, wie schwierig es ist, in diesem Bereich zu bestehen. Aber ich habe mich auch nie als Künstler gesehen, ich wollte einfach Comics zeichnen.“

Sein Vater bestärkt ihn in seinem kreativen Berufswunsch. Schließlich einigen sie sich auf ein Design-Studium, zumal es damals 1997 noch keine passenderen Studiengänge für Comiczeichner gab. Flix studiert an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken und an der Escola Massana in Barcelona. 1998 veröffentlicht er seinen ersten Comic „Who the fuck is Faust?“ im Eichborn Verlag. Vier Jahre später zeichnet er einen Comic als Diplomarbeit. So etwas hatte es vorher noch nicht gegeben. „Held“ ist eine autobiografische Geschichte – zumindest zum Teil, denn Flix erzählt sein Leben weiter – bis zum Tod im hohen Alter.

 

Hart aber mit Happy End

Damals war er 26 Jahre alt, heute ist Flix 41. Ob schon etwas in Erfüllung gegangen ist? „Es ist witzig - ich habe mir reingeschrieben, dass ich einen Strip für die FAZ mache und das ist wirklich so gekommen. Ich habe mir allerdings auch drei Kinder reingeschrieben, aber meine Der Reporterhund der Autoren Flix und Ralph Ruthe begeistert seit Herbst 2009 Mädchen und Jungen. Der erste Band mit 18 Abenteuern erschien 2013. Frau und ich sind uns ziemlich sicher, dass zwei eine gute Zahl ist“, lacht Flix. Seine Frau ist eine der wichtigsten Instanzen, wenn es um seine Arbeit geht. „Ich schicke nichts raus, was sie nicht gelesen hat und ich sehe mittlerweile an ihrem Blick, wie es ihr gefällt.“

Nur selten kommt es vor, dass ein gelieferter Comic vom Kunden abgelehnt wird. Bei „Ferdinand“, einer Kindercomicreihe, die Flix nach Geschichten des Cartoonisten Ralph Ruthe gestaltet und die seit 2009 im Nachrichten-Magazin "Dein SPIEGEL" erscheint, passiert das vielleicht einmal im Jahr. Und das führt dann durchaus mal zu einer Grundsatzdiskussion. „Manchmal heißt es, das ist zu absurd, die Kinder verstehen das noch nicht. Aber ich weiß genau, was ich als Kind geliebt habe, und die Sachen waren deutlich absurder“, erinnert sich Flix und ist sicher. „Man kann Kindern schon einiges zumuten.“

Grundsätzlich sind Flix-Comics nicht immer leichte Kost. Da wird es auch mal dramatisch, schmerzhaft, brutal. Und am Ende geht es gut aus. „Meine Geschichten dürfen ruhig hart sein, aber sie müssen Hoffnung haben - für alles andere bin ich wohl zu katholisch“, sagt der Zeichner dazu. So auch in seinem neuesten Werk „Münchhausen“, das er gemeinsam mit dem Saarländer Trickfilmzeichner Bernd Kissel geschrieben hat.

 

Die Rolle des Szenaristen

Die Geschichte handelt vom berühmten Lügenbaron Münchhausen, dessen Figur nach London ins Jahr 1939 versetzt wird. Dort wird Münchhausen als vermeintlicher Spion gefangen genommen, weil man ihn auf dem Dach des Buckingham Palastes aufgegriffen hat. Seine Geschichte dazu klingt so abenteuerlich, dass man den Psychiater Sigmund Freud hinzuzieht, der zu dieser Zeit in London im Exil lebt. Er soll nun herausfinden, ob der Lügenbaron die Wahrheit sagt.

In diesem Fall übernahm Flix die Rolle des Szenaristen, kümmerte sich also um Handlung, Effekte und Bilderfolge, während Bernd die Zeichnungen erstellte. „Das hat sehr gut geklappt. Bernd kann Sachen, die ich selbst niemals zeichnen könnte. Er arbeitet sehr detailliert und das Ergebnis sieht wunderschön aus.“ Die Zusammenarbeit der beiden Kreativen erweist sich als Erfolg. „Münchhausen ist super angekommen. Auch die Münchhausenstadt Bodenwerder ist großer Fan. Die Zusammenarbeit mit Bernd war eine rundum positive Erfahrung.“

Vorläufiges Cover

Flix zeichnet Spirou

Zum 80-jährigen Jubiläum der belgisch-französischen Comicfigur "Spirou" haben sich die Verlage Dupuis und Carlsen ein besonderes Highlight ausgedacht: Flix inszeniert ein deutsches Abenteuer für Spirou und Fantasio!

Die rasante Geschichte spielt in Ostberlin in den Jahren vor dem Mauerfall und erscheint voraussichtlich Ende Mai 2018.

Und es gibt neue Ideen für die Zukunft. Diese sind aber noch zu vage, um sie zu veröffentlichen. Klar ist: Flix wird weiter zeichnen. In seinen Comics wird es weiterhin um Menschliches und Beziehungen gehen. Und es wird dabei nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen herrschen. Seinen Stil wird er weiter verfeinern, neue Techniken ausprobieren und sich trotzdem selbst treu bleiben. Ob noch ein drittes Kind kommt, die Familie nach Barcelona umsiedelt und Flix einen Auftrag aus Hollywood erhält, so wie er es sich in seinem Comic „Held“ ausmalt? Wir sind gespannt.

Janina Mogendorf
Dezember 2017

Unsere Autorin ist freie Journalistin und wohnt mit Mann und Tochter in Königswinter bei Bonn. Ihre Alltagserlebnisse verarbeitet mit spitzer Feder als „Die Nachbarin“ in ihrem gleichnamigen Blog.

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