Die Chefin

In diesem "Roman einer Köchin" erzählt ein Mann einem nicht in Erscheinung tretenden Gegenüber von der Köchin, die lange seine Chefin war. Seine Bewunderung ihr gegenüber ist groß, die Liebe zu ihr tief. Beides durchdringt Die Chefin seinen Bericht über die Frau von ärmlicher Herkunft, die mit 14 Jahren als Dienstmädchen in den Haushalt der Clapeaus eintrat und dort die Gelegenheit erhielt, für das ältere Paar zu kochen. Das bildete den Grundstein ihres Werdeganges, dessen Höhepunkt ein eigenes Restaurant in Bordeaux war, das "Bonne Heure", in dem der Erzähler als junger Bursche ihre Bekanntschaft gemacht hatte. Wenig Persönliches hatte sie ihm in den Jahren ihrer Zusammenarbeit verraten, obwohl er mit der Zeit zu einer Art Vertrautem von ihr wurde. Sie war eine Außenseiterin; die Aufmerksamkeit, die sie als Sterneköchin erhielt, war ihr unangenehm. Einzig wenn es um ihre Tochter ging, zu der sie ein schwieriges Verhältnis hatte, war sie emotional und unsicher. Der Erzähler beschreibt das Äußere der Chefin, die Teile ihres Lebens, die ihm bekannt sind, charakterisiert sie und stellt Vermutung über ihre Gefühle und Beweggründe an. Es sind absatzlange, verschachtelte Sätze voller Adverbien und Substantive, die im französischen Original elegant klingen mögen, auf Deutsch eher schwerfällig wirken. Trotz oder gerade wegen der vielen differenzierten Beschreibungen bleibt die Hauptperson auch nach über 300 Seiten im Kopf der Leserin unscharf (absichtlich?). Dem Roman fehlt die innere Spannung, die zur eher zähen Lektüre motiviert. Daher nur eine eingeschränkte Empfehlung bzw. für große Bestände. (Übers.: Claudia Kalscheuer)

Barbara Sckell

Barbara Sckell

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Chefin

Die Chefin

Marie NDiaye
Suhrkamp (2017)

332 S.
fest geb.

MedienNr.: 863918
ISBN 978-3-518-42767-5
9783518427675
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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