Bevor die Welt unterging

Der Kalte Krieg auf seinem Höhepunkt, das Waldsterben - unter diesem Damoklesschwert kommt die Schülerin Judith in die Pubertät. Sie findet Anschluss an eine Clique, die die Dinge nicht einfach so hinnehmen will. Ihre Familie ist Bevor die Welt unterging von dem leicht aufmüpfigen Verhalten samt erster Partnerwahl nicht begeistert. Tagebuchartig ziehen große und kleine Ereignisse vorüber, zum Teil sind die zeitbedingten Fehleinschätzungen und die Wissensvorsprünge der Nachgeborenen eingearbeitet. Das hemmt in gewisser Weise den Erzählfluss und Spannungsmomente. - Retrospektiv sind die Reaktionen und die Gewichtung von Ereignissen der Zeitgeschichte nicht mehr so ganz verständlich und das bei nur 30 Jahren Abstand. Welchem Jüngeren sagt der Begriff 'Popper' als Jugendlebensstil noch etwas? Oder Libyens Anschlag auf die Berliner Diskothek La Belle? Aids, das Reaktorunglück von Tschernobyl - der Blick aus dem Heute ist ein anderer. Unter dieser Prämisse lässt die Autorin ihre Ende der sechziger Jahre geborene Protagonistin zurückschauen. Dabei schlägt das Pendel mehr Richtung Verarbeitung äußerer Einflüsse in der individuellen Entwicklungsgeschichte aus. Deshalb dürfte diese subjektive Epochenbeschreibung vor allem Leser der Generation ansprechen, die sie selbst erlebt haben und sich erinnern wollen. Denn, das merkt man bald, man hat sehr vieles vergessen, was damals die Menschen bewegte.

Pauline Lindner

Pauline Lindner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Bevor die Welt unterging

Bevor die Welt unterging

Kristin Breitenfellner
Picus (2017)

229 S.
fest geb.

MedienNr.: 863366
ISBN 978-3-7117-2053-5
9783711720535
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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