Willkommen im Paradies

Irgendwo am Mittelmeerstrand Marokkos, in der Nähe von Tanger: Eine Gruppe Menschen versteckt sich am Strand unter einem umgekippten Boot. Es sind Flüchtlinge. Die Frauen und Männer warten darauf, dass der Schlepper kommt und sie Willkommen im Paradies auf den gefahrvollen Weg über das Mittelmeer nach Europa bringt. Unter ihnen ist der junge Asús. Während sie auf den Tag X warten, erzählt Asús die Geschichte seiner Schicksalsgenossen, die aus allen möglichen Regionen Afrikas stammen. Als es in einer mondklaren Nacht losgeht, bleibt Asús' Vetter Reda zurück. Asús will ihn holen, doch beide bleiben allein am Strand zurück, während das Boot Kurs über das Meer nimmt, in sein Verderben. - Der Marokkaner Mahi Binebine ist nicht nur ein renommierter Maler, sondern auch ein preisgekrönter Autor. Was man auch an diesem Roman sieht, der 1999 im Original erschien, 2003 erstmals und nun völlig neu bearbeitet ins Deutsche (von Patricia A. Hladschik) übersetzt wurde: Binebine schafft es, die einzelnen Schicksale der Bootsflüchtlinge ebenso einfühlsam wie plastisch, bisweilen humorvoll und sogar ironisch zu schildern, ohne dabei larmoyant, anklagend oder bitter zu werden. Ein gutes, ein wichtiges Buch, dass dem Leser die Welt der Bootsflüchtlinge besser und situationsgerechter präsentiert als jede TV-Dokumentation oder Zeitungsreportage. Für alle Bestände zu empfehlen.

Günter Bielemeier

Günter Bielemeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Willkommen im Paradies

Willkommen im Paradies

Mahi Binebine
Lenos-Verl. (2017)

216 S.
fest geb.

MedienNr.: 871007
ISBN 978-3-85787-481-9
9783857874819
ca. 21,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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