Am Himmel

Der Roman beginnt mit einem Mord. Der Knecht Hüttler erschießt seinen Herrn und Gutsbesitzer Sothen und versucht erst gar nicht, Polizei, Zuchthaus und Strafe zu entkommen. Dies ist der Ausgangspunkt, um die Wirklichkeit der beiden Am Himmel Charaktere zu entwickeln; rückwärtsgerichtet den Sothens, eines grausamen Arbeitgebers und betrügerischen Überheblichen, und mit Blick nach vorne den des verurteilten Hüttners, Opfer, Getriebener und Verlierer einer klar in Klassen eingeteilten Gesellschaft. So wird die Erzählung zu einer Sozialstudie des 19. Jh., die ohne Lamento kühn und teils sarkastisch die Ungerechtigkeit beschreibt, der die Menschen hilflos ausgeliefert sind. "Am Himmel" heißt der Gutshof und ist doch eher die Hölle für alle, die unter Sothen leben müssen. Die Autorin setzt Sprache so ein, wie sie ihre Gewichte verteilen möchte. Knapp, fast steril und elliptisch wird der Fortgang der Handlung erzählt, wohingegen Wahrheiten, die die Figuren betreffen und Zustandsbeschreibungen sind, kunstvoll und stilistisch poesiehaft ausgestaltet sind. Thema und literarische Umsetzung überzeugen und nehmen den Leser bis zur letzten Seite gefangen. Besonders und empfehlenswert.

Christine Vornehm

Christine Vornehm

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Am Himmel

Am Himmel

Anna-Elisabeth Mayer
Schöffling & Co. (2017)

201 S.
fest geb.

MedienNr.: 864100
ISBN 978-3-89561-137-7
9783895611377
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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