Die andere Anna

Anna wächst mit einem etwas älteren Mädchen bei Pflegeeltern auf. Als ihre "Schwester" beginnt, sich mit ihrer Herkunft auseinanderzusetzen, fühlt sich auch Anna dazu gezwungen. Dabei kommt sie den ziemlich unschönen Die andere  Anna Umständen auf die Spur, wie sie ihrer sehr jungen leiblichen Mutter weggenommen wurde und die dauerhafte Unterbringung in der Pflegefamilie rechtlich mehr als fraglich bleibt. Die Willkür der Jugendamtsmitarbeiterin wirkt sich bis heute aus. Anna fällt aus ihrem behüteten Umfeld und muss sich selbst neu kennen lernen und sich orientieren. - Sehr präzise schildert die Autorin den schmerzhaften Prozess, in dem die Hauptfigur alle Sicherheiten verliert und wie sie sich zurücksehnt nach der scheinbar heilen Welt. Gleichzeitig wird aber auch die Enge und Unfreiheit dargestellt, mit der die Pflegeeltern ihre Schützlinge an sich binden. Weil die sich weigern, den Mädchen die Wahrheit zu offenbaren, verlieren sie beide. Das leise, aber intensive Buch stellt an die Leserinnen die Frage nach Identität und Familienbeziehung. Wenn es auch nicht mit einem klassischen Happy End endet, bleibt bei aller Düsternis die Zuversicht, dass Anna sich findet. - Ab mittleren Beständen oder bei Bedarf für problemorientierte Leserinnen sehr gut geeignet.

Astrid Frey

Astrid Frey

rezensiert für den Borromäusverein.

Die andere  Anna

Die andere Anna

Rachel van Kooij
Jungbrunnen (2014)

182 S.
fest geb.

MedienNr.: 577354
ISBN 978-3-7026-5861-8
9783702658618
ca. 17,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: J
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