Und es schmilzt

Eva startet in Brüssel, um an einem Wintertag in ihr flämisches Heimatdorf zu fahren. Dazu packt sie einen großen Block Eis ein. Während der Fahrt rekapituliert sie ihre Kindheit und Jugend in der dörflichen Enge: die Eltern sind Und es schmilzt beide Alkoholiker, die jüngere Schwester flüchtet sich in Essstörungen und Zwangsrituale, bis sie von den zwei halbwüchsigen Geschwistern ins Krankenhaus gebracht wird. Eva selbst findet zum Teil Halt bei der Mutter eines Klassenkameraden. Er, sie und ein dritter Bub sind der ganze Jahrgang und somit unzertrennlich, bis der innere Bruch kommt, als die Jungs ihre Sexualität entdecken und ein übles Spiel mit anderen Mädchen anfangen, bei dem Eva als "Spielleiterin" dabei sein muss. Sie gibt ihnen ein Rätsel auf: Was muss geschehen sein, wenn in einem abgeschlossenen Raum eine Person von der Decke hängt und unter ihr nur eine große Pfütze Wasser ist. Dieses Rätsel wird zur Metapher ihres ganzen Lebens und des selbst gewählten Endes. - Düsternis lastet von der ersten Zeile an über diesem Roman. Je mehr Episoden erzählt werden, desto mehr verwundert es den Leser, dass die Ich-Erzählerin so gelassen darüber denkt. Schwer einzuordnen ist der Suizid in unmittelbarer Nähe der früheren Freunde, als würde die Frau erst jetzt das Rätsel in eigener Person lösen. Das kompromisslose Ende kann - trotz der realistischen Darstellung - aber auch als Bild dafür verstanden werden, wie eine so massiv belastete Kindheit den, der sie erleiden musste, zu einem lebenden Leichnam werden lässt. Für größere Bestände! (Übers.: Helga von Beuningen)

Pauline Lindner

Pauline Lindner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Und es schmilzt

Und es schmilzt

Lize Spit
Fischer (2017)

505 S.
fest geb.

MedienNr.: 862407
ISBN 978-3-10-397282-5
9783103972825
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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