Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands

Wenn ein Junge Tagebuch schreibt und dieses mit seiner Mutter von heute auf morgen verschwindet, dann ist das schon schlimm genug. Aber wenn der Verlust von Mutter und Tagebuch ein Leben in Einsamkeit und Abschottung gegen die Welt Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands hervorruft, dann scheint es für eben diesen Jungen - Michele - nichts Schlimmeres mehr auf dieser Welt zu geben. Doch eines Tages taucht das Tagebuch wieder auf und damit die quälende Erinnerung an seine verschwundene Mutter und die Frage nach deren Verbleib. Wahrscheinlich wäre Michele einfach bei seinem monotonen Tagesablauf als Bahnhofsvorsteher geblieben und hätte die Welt da draußen noch mehr gemieden, als er es eh schon seit Jahren getan hat. Aber eine junge Frau reißt ihn mit ihrer Überschwänglichkeit und ihrer Lebensfreude aus seiner Lebens-Lethargie und ermuntert ihn, seinem selbstgewählten Gefängnis zu entfliehen. Schritt für Schritt kehrt er auf der Suche nach seiner Mutter mehr und mehr in die Realität zurück und eignet sich auch wieder das Vertrauen in die ihn umgebenden Menschen an. - Mitreißend, einfühlsam, bezaubernd, sprachgewaltig: die Lobeshymne könnte noch länger sein, würde nur Superlative enthalten und scheint diesem Wunderwerk doch nicht gerecht zu werden. Ich habe selten so mitgelitten mit den beiden Protagonisten wie hier, habe Tränen vor Lachen und Tränen des Mitgefühls geweint. Bei diesem Buch gilt der Grundsatz: Nicht du verschlingst das Buch, sondern das Buch verschlingt dich. Die hervorragende Übersetzung von Elvira Bittner stützt das Geschehen und spiegelt das Sprachgenie Basiles wieder. Unbedingt lesen!

Gerda Harprath

Gerda Harprath

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands

Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands

Salvatore Basile
Blanvalet (2017)

349 S.
fest geb.

MedienNr.: 587961
ISBN 978-3-7645-0600-1
9783764506001
ca. 19,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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