Gotteserzählungen

Die Kirche muss die Menschen dort ansprechen, wo sie anzutreffen sind - solche Orte der Begegnung sind die moderne Literatur und vor allem der Film. In den erzählenden Formen des Romans und des Films, so der Theologe M. Ostermann, Gotteserzählungen bringt der moderne Mensch das eigene Dasein, sein Verständnis von Welt und seine (meist implizite, noch kaum bewusste) Suche nach dem Sinn des Lebens und nach Gott zum Ausdruck. Dem Autor ist deshalb auch zuzustimmen, dass Theologie sich nicht damit begnügen kann, sich mit sich selbst zu beschäftigen, sondern diese fremde Welt der erzählerischen Fiktionen in den Blick nehmen muss, um das Unbewusste dieser Suche explizit zu machen und es in den Dialog mit dem christlichen Glauben zu bringen. Damit Glaube und Theologie für dieses Gespräch gerüstet sind, holt Ostermann weit aus: Er legt zuerst - mit Rückgriff v.a. auf P. Ricoeur - dar, was Erzählen überhaupt ist, welche Bedeutung es für das Selbstverstehen des Menschen und seine Lebensgestaltung hat und korrigiert damit die Vorstellung, wonach das Erkennen wie das Schöpferische auf Wissenschaften und Technik beschränkt sei. Danach leuchtet er mit Hilfe von Rahners Anthropologie den Menschen als Selbstaussage und Bild Gottes aus, um sich schließlich auf die Suche nach dem Göttlichen in Literatur und Film zu machen sowie Perspektiven einer theologisch reflektierten Erzählkultur zu entwickeln. - Ein hochinteressantes und intellektuell anspruchsvolles Buch!

Richard Niedermeier

Richard Niedermeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Gotteserzählungen

Gotteserzählungen

Martin Ostermann
Schüren (2010)

Film & Theologie ; 15
462 S. : Ill.
kt.

MedienNr.: 332507
ISBN 978-3-89472-557-0
9783894725570
ca. 38,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re, Li, Mu
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