Eins

Tippi und Grace sind 16 und von der Hüfte abwärts an zusammengewachsen, gemeinhin werden sie "siamesische Zwillinge" genannt. Grace erzählt ihre Geschichte von dem Zeitpunkt an, als sie eine "normale" Schule Eins besuchen müssen, da kein Geld mehr da ist, den Privatunterricht weiter zu finanzieren. So erleben sie wieder einmal das ungläubige Staunen, die offene Abscheu, die Fragen und Kommentare, derer sie schon so lange überdrüssig sind. Auch die Situation daheim mit der ausgebrannten Mutter, dem trinkenden Vater und der magersüchtigen Schwester ist extrem belastend. Zunächst fast unbemerkt, schleichen sich auch noch gesundheitliche Probleme ein, die eine Trennung notwendig machen, soll wenigstens eine der beiden weiter leben. - Wie ein leuchtend roter Faden durchzieht die Frage nach der eigenen Person die Geschichte. Leben die beiden Mädchen zwar körperlich engst miteinander verbunden, sehen sich die beiden doch als unverwechselbare Individuen, die bei aller Verbundenheit doch nach je eigenen Ausdrucksformen ihres Selbst streben. Die Probleme in der Familie, der drohende Tod mindestens einer der beiden, das damit vorhandene Schuldgefühl sind schier unüberwindliche Sorgen. Präzise fasst die Autorin alle Gedanken und Gefühle einer der Betroffenen in Worte, wobei die Knappheit des Ausdrucks auch im Layout sichtbar wird. Der stellenweise bis auf ein Wort reduzierte Flattersatz erweckt rein optisch die Anmutung eines Gedichtes, ist doch sichtbare Form der Endgültigkeit und Ausweglosigkeit der Situation. Dass diese Geschichte Abbild einer großen Liebe ist, lässt am Ende einen Hoffnungsschimmer leuchten. - Faszinierende, aber auch schockierende Kost für anspruchsvolle Leserinnen. (Übers.: Cordula Setsman)

Astrid Frey

Astrid Frey

rezensiert für den Borromäusverein.

Eins

Eins

Sarah Crossan
Mixtvision (2016)

417 S.
fest geb.

MedienNr.: 817395
ISBN 978-3-95854-057-6
9783958540576
ca. 16,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: J