Fortmachen

"Fortmachen" war der umgangssprachliche Begriff für das Verlassen der DDR in den Westen. Der Autor dieser Graphic Novel, 1984 dort geboren, erzählt auf der Grundlage von Befragungen seiner Eltern die Geschichte seiner Familie Fortmachen und seiner Verwandten im anderen Deutschland. Nachdem dem Ausreiseantrag eines Onkels 1984 stattgegeben worden war, wuchs auch bei seinen Eltern die Unzufriedenheit mit dem politischen Regime und den kargen Lebensbedingungen in der DDR und diese stellten, genauso wie seine Großeltern, schließlich ebenfalls einen Ausreiseantrag. Nach einer langen Zeit zermürbenden Wartens verbunden mit wirtschaftlichen Einschränkungen, Bespitzelungen durch die Stasi und verhörartigen Vorladungen der zuständigen Behörde wurde dem Antrag schließlich im Sommer 1989 stattgegeben und die Familie Knoblich gelangte in den Westen - nur wenige Monate, bevor die Mauer fiel und die Grenze für alle offen war. Die Geschichte ist sehr eindrücklich und realistisch erzählt, zeichnerisch wirken dabei vielleicht manche Überbetonungen der Gesichter der Hauptakteure ein wenig störend. Auf jeden Fall ein guter Zugang zu einem Stück deutsch-deutscher Lebenswirklichkeit, die auch in der jüngeren Generation nicht vergessen werden sollte.

Siegfried Schmidt

Siegfried Schmidt

rezensiert für den Borromäusverein.

Fortmachen

Fortmachen

Nils Knoblich
Ed. Moderne (2017)

183 S. : überw. Ill. (farb.)
kt.

MedienNr.: 591623
ISBN 978-3-03-731164-6
9783037311646
ca. 24,80 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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