Goethe und Schiller

Die Idee der Freundschaft hatte um 1800 ihre Blütezeit und in Goethe und Schiller ihre klassischen Repräsentanten. Doch der Schulterschluss des Dichterduos, wie ihn das berühmte Weimarer Denkmal zeigt, ist hart erkämpft und nicht Goethe und Schiller trotz, sondern geradezu wegen eklatanter Gegensätze behauptet worden. Rüdiger Safranski, als Biograph Schillers und der romantischen Epoche glänzend ausgewiesen, hat die Geschichte der Dichterfreundschaft von der ersten Begegnung 1779 an der württembergischen Karlsschule bis zu "Schillers zweiter Karriere im Geiste Goethes" mit geschickter Hand rekonstruiert. Der Leser erfährt auf stets spannende und anregende Weise, wie die von Goethe 1817 rückblickend ein "glückliches Ereignis" genannte Dichterfreundschaft wechselseitig von den Differenzen profitiert. Hier der Berufsschriftsteller Schiller, der nach oben heiratete, dort der Staatsbeamte Goethe mit dem zehnfachen Einkommen, der eine Verbindung nach unten wagte, hier der Idealist mit zu wenig und dort der Realist mit zu viel Welt, hier das Evangelium der Freiheit und die Idee der ästhetischen Erziehung, dort die Rechte der Natur und die Praxis geselliger Bildung: Schiller wie Goethe markieren in ihrer gemeinsamen Arbeit an Zeitschriften, an den Xenien, an Balladen, mit Theaterprojekten, nicht zuletzt auch in ihren Briefen und in den zahlreichen Gesprächen in Jena und Weimar, bei denen manchmal so laut gelacht wurde, dass Schillers Frau nicht schlafen konnte, den Höhepunkt der neuzeitlichen deutschen Geistesgeschichte. Rüdiger Safranskis Doppelbiographie zeigt, wie das möglich wurde, und verschweigt im Übrigen auch die kleinen Schatten und unglücklichen Nebenaffären (z.B. mit den Romantikern) nicht. - Sehr empfehlenswerte Lektüre!

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Goethe und Schiller

Goethe und Schiller

Rüdiger Safranski
Hanser (2009)

343 S.
fest geb.

MedienNr.: 316803
ISBN 978-3-446-23326-3
9783446233263
ca. 23,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li
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