Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben

In diesem kenntnisreichen und sehr anregend geschriebenen essayartigen Sachbuch beantwortet die versierte ZEIT-Journalistin, Buchautorin und Literaturkritikerin die Titelfrage quasi wie nebenbei - aber dennoch auf interessante Weise: Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben Etwa weil sie ein so kompliziertes Liebesleben hätten oder weil sie sich der Gesellschaft in stärkerem Maße zuwenden als die deutschen Schriftsteller, auch "weil sie weder vor politischen Grenzüberschreitungen noch vor den Nachtseiten der menschlichen Existenz zurückschrecken." (S. 219) Und schließlich: "Die französischen Autoren machen selbst Literaturpolitik, sie beherrschen (...) die Massenmedien statt von ihnen beherrscht zu werden." (S. 65) Vor allem handelt es sich aber um eine nicht auf Vollständigkeit bedachte, recht eigenwillig auswählende und erzählte Geschichte der französischen Literatur seit dem Zweiten Weltkrieg, beginnend mit Sartre, Camus und den Existenzialisten und endend bei Michel Houellebecq. Die Autorin stellt wichtige Schriftsteller und ihre Werke vor, arbeitet aber auch die großen Linien und Tendenzen heraus. Da sich die Verfasserin in nicht wenigen Fällen auf Interviews mit den vorgestellten Autorinnen/Autoren stützen kann, wirkt dieser Streifzug durch die französische Nachkriegsliteratur ausgesprochen authentisch. Für literarisch Interessierte - nicht nur für Liebhaber französischer Literatur - sehr zu empfehlen!

Helmer Passon

Helmer Passon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben

Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben

Iris Radisch
Rowohlt (2017)

238 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 873578
ISBN 978-3-498-05814-2
9783498058142
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li
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