Ich lebe, um zu schreiben

Schreibende Frauen wurden zu Beginn des 19. Jh. misstrauisch beäugt. Das ganze Philosophieren und Reflektieren könne seiner Schwester Bettina nur schaden, zitiert die Autorin in ihrem Vorwort Clemens Brentano. Man traut Frauen einfach Ich lebe, um zu schreiben nichts zu. So vermutet man hinter "Frankenstein" Mary Shelleys Ehemann Percy Shelley. Oder Frauen veröffentlichen ihre Werke, wenn überhaupt, gleich unter männlichem Pseudonym, wie die Bronte-Schwestern. Bemerkenswert ist, dass noch kurz vor der Jahrtausendwende der Verleger der Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling rät, ihr Geschlecht hinter zwei Kürzeln zu verstecken, um nicht Jungen als potenzielle Leser abzuschrecken. - Die Literaturwissenschaftlerin Katharina Maier porträtiert die Schriftstellerinnen auf jeweils fünf, sechs Seiten, gibt Einblicke in ihre Schreibsituation, erwähnt wichtige Werke. Schwarz-Weiß-Abbildungen ergänzen die Kapitel. Ihre Auswahl reicht von Jane Austen und Karoline von Günderode bis Margaret Atwood und Herta Müller. Das Buch ist nicht nur ein Spiegel der Frauenbewegung, es zeigt auch anhand der Porträts von Nobelpreisträgerinnen aller Kontinente, wie sich Frauen mit allgemeinen Emanzipationsbewegungen, etwa im Kommunismus oder in der Rassenfrage, auseinandersetzten. - Die Ausführungen sind kompakt und kurzweilig, auch für jüngere Leser/innen geeignet. Für größere Bestände empfehlenswert.

Karin Blank

Karin Blank

rezensiert für den Borromäusverein.

Ich lebe, um zu schreiben

Ich lebe, um zu schreiben

von Katharina Maier
Marix-Verl. (2017)

311 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 592135
ISBN 978-3-7374-1061-8
9783737410618
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li
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