Religiöses Buch des Monats

September

Gott spricht durch sein Handeln

Haben wir nicht alle irgendwie den Traum von einem besseren Leben? Oder ist das unreif und sentimental - müssen wir uns nicht vielmehr mit diesem Leben so, wie es nun einmal ist, abfinden und anfreunden? Carlo Maria Martini untersucht Gott spricht durch sein Handeln die Tätigkeitswörter, durch welche Gott in der Bibel charakterisiert wird, und stellt fest: Gott selbst hat den Traum von einer anderen Welt, dem "Reich Gottes", dafür stehen die Handlungen Gottes und die Wunder Jesu, so dass auch wir "von einem anderen Leben träumen dürfen". Kardinal Martini, der 2012 starb, hatte nach seiner Zeit als Erzbischof von Mailand lange in Jerusalem gelebt, hier hielt er im Jahr 2007 auch diese Exerzitien über die "Verben Gottes", die nun erstmals veröffentlicht werden. Alles beginnt natürlich mit dem Verb: Gott erschafft. Er erschafft aber nicht nur, indem er aus dem Nichts die Welt ins Dasein ruft, sondern indem er auch fortdauernd in der Welt handelt, um aus dem Chaos Ordnung, Gerechtigkeit, Frieden und Harmonie zu schaffen. Ganz wichtig ist Carlo Maria Martini das zweite biblische Tätigkeitswort Gottes: Gott verheißt. Von Abraham an spricht die Bibel ununterbrochen von der Verheißung Gottes. Gott nimmt so an der Geschichte des Menschen Anteil, und er erneuert seine Verheißung immer wieder, gerade auch in scheinbar ausweglosen Situationen. Aber warum erfüllt sich diese Verheißung niemals hier und jetzt, sondern erst nach unserem Tod? Kardinal Martini ist im Lauf seines Lebens zur Einsicht gekommen: Wenn es den Tod nicht gäbe, wären wir niemals gezwungen, uns ganz und gar auf Gott zu verlassen, wir würden nie das Wagnis eingehen, uns ihm ganz anzuvertrauen - nur darin aber können wir Erfüllung finden. "Alle Verben, die das Gotteshandeln bezeichnen, lassen uns das Antlitz eines Gottes erkennen, der nicht außerhalb der Welt und fern von ihr ist, sondern ganz konkret Anteil an ihr nimmt." (137) In der jüdischen wie christlichen Spiritualität geht es deshalb immer um eine liebevolle und aufrichtige Antwort auf diese Aufmerksamkeit, die Gott uns schenkt. Das vermittelt Carlo Maria Martinis postumes Buch auf eindrucksvolle Weise.

Thomas Steinherr

Thomas Steinherr

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Gott spricht durch sein Handeln

Gott spricht durch sein Handeln

Carlo Maria Martini
Patmos-Verl. (2018)

160 S.
fest geb.

MedienNr.: 595170
ISBN 978-3-8436-1026-1
9783843610261
ca. 19,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
Diesen Titel bei der ekz kaufen.

Das Video zum Religiösen Buch des Monats September


August

Die Mitte des Lebens finden

Im Guten wie im Schlechten ist die Heilige Messe den meisten Katholiken zur Routine geworden. Wolfgang Sauer stellt diese Routine in seinem Buch in Frage - nicht, um es besser zu wissen, sondern um den Leserinnen und Lesern zu einem Die Mitte des Lebens finden tieferen Verständnis des Geschehens zu verhelfen. Auf persönliche, konkrete und durchaus auch emotionale Weise teilt er mit ihnen die Einsichten, die ihm im Laufe seiner inzwischen 45 Dienstjahre als Priester zugewachsen sind, u.a. als Seelsorger für Priesteramtskandidaten, Hochschulseelsorger in Heidelberg und Direktor der katholischen Journalistenschule ifp in München. Seine Gedanken ordnet er unter Überschriften wie "Unser tägliches Brot", "Herr, ich bin nicht würdig", "Zu seinem Gedächtnis". Christsein bedeutet in Sauers Augen, sein Leben in der Grundhaltung der Dankbarkeit zu führen. Diese "eucharistische Existenz" wurzelt im Staunen über das Leben selbst und in der Dankbarkeit für die liebende Zuwendung Gottes zu allen Menschen - mit ihren Fehlern und Schwächen. Im Bewusstsein dieser Unzulänglichkeit liegt im Übrigen auch der tiefere Sinn des Gebets "Herr ich bin nicht würdig ...". Nicht Selbsterniedrigung, sondern Selbsterkenntnis und Selbstannahme finden darin ihren Ausdruck, ist Sauer überzeugt. Darin liege "eine ganz besondere Form von Würde und Selbstachtung", weil der Mensch in der Eucharistie erfahre, dass Gott ihn trotz "der Brüchigkeit seiner Existenz und der scheinbar vergeblichen Auflehnung gegen das Ungeordnete in seinem Leben" liebe. Eucharistische Existenz bedeutet darüber hinaus "ein Leben mit ausgebreiteten Armen" zu führen, um diese grenzenlose Liebe Gottes empfangen und weitergeben zu können. "Christen sollen Künstler des Teilens sein", fordert Sauer deshalb. Der Gedanke, dass der Alltag des Christen eine Fortsetzung der Eucharistiefeier mit anderen Mitteln sein muss, zieht sich daher wie ein roter Faden durch das Buch. Jesu Aufforderung "Tut dies zu meinem Gedächtnis" bezieht sich Sauer zufolge eben nicht nur auf die Wiederholung des letzten Abendmahles, sondern fordert zur Nachahmung seines Lebens auf, also zu lieben, bis es wehtut. So klar Sauer auch seine Gedanken zu verschiedenen Aspekten der eucharistischen Existenz formulieren kann, so bewusst ist er sich doch, dass die Eucharistie auch ein Mysterium ist. Das Geschehen entzieht sich letztlich der begrifflichen Festlegung. Oder mit Thomas von Aquin: "Gottheit tief verborgen, betend nah' ich dir". Dennoch darf diese Einsicht nicht zur Ausrede werden, meint Sauer, auf eine denkerische Annäherung an das Geheimnis der Eucharistie zu verzichten. Dazu lädt er ausdrücklich auch seine Leserinnen und Leser ein, die seine Gedanken kreativ weiterdenken sollen. Auf diese Weise kann aus Routine wieder ein Gefühl für die tröstende Kraft und das befreiende Geheimnis der Eucharistie wachsen.

Frank Müller

Frank Müller

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Mitte des Lebens finden

Die Mitte des Lebens finden

Wolfgang Sauer
Herder (2018)

156 S.
fest geb.

MedienNr.: 594687
ISBN 978-3-451-38070-9
9783451380709
ca. 16,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
Diesen Titel bei der ekz kaufen.

Das Video zum Religiösen Buch des Monats August


Juli

Mit heiliger Ungeduld

Als Papst Franziskus im letzten Jahr den Erzbischof von Stockholm, Anders Arborelius, zum Kardinal ernannte, war die Überraschung weltweit groß - und noch größer die Begeisterung in Schweden. Nie zuvor gab es einen schwedischen Mit heiliger Ungeduld Kardinal. Allerdings ist die Situation der katholischen Kirche in Schweden auch außergewöhnlich: es gibt dort nur 1,5 % Katholiken, zudem ist Schweden eines der säkularisiertesten Länder überhaupt. So steht Kardinal Arborelius immer wieder vor der Situation, erklären zu müssen, worum es im christlichen Glauben ganz grundsätzlich geht. Man merkt dies seinem ersten in Deutschland erschienenen Buch "Mit heiliger Ungeduld" auch an - in einer sehr positiven Weise. Es geht hier einmal nicht um die bei uns so sattsam bekannten Streitpunkte innerhalb der Kirche, nicht um irgendwelche Macht- oder Strukturfragen, es geht vor allem darum, was es für jeden Einzelnen in seinem Leben bedeutet, an Jesus Christus zu glauben. Diese Frage wird jedoch keineswegs lebensfremd oder abstrakt gestellt. Oft sind die einzelnen Beiträge des Buches sogar aus direkten lebenspraktischen Fragen oder im Zusammenhang mit ethischen Diskussionen entstanden, zusammengenommen beleuchten sie wie ein Kaleidoskop die Grundgeheimnisse des christlichen Glaubens immer wieder aus einer etwas anderen Perspektive. Zunächst ist es Kardinal Arborelius ganz wichtig, immer wieder zu betonen: Gott will uns begegnen, und er begegnet jedem von uns in unserem Leben - eigentlich immer und überall. Wir müssen Gott nicht irgendwo ganz anders suchen, da er uns ständig unmittelbar nahe ist - wir müssen nur aufmerksamer werden für seine Gegenwart. Allerdings kann der Mensch, auch wenn er sich im tiefsten Herzen nach Gott sehnt, sich der Begegnung mit Gott auch entziehen. In wirklichkeitsnaher Menschenkenntnis schreibt Arborelius: "Der Mensch ist frei. Er kann nein sagen. Womöglich sagt er öfter: 'Jetzt gerade nicht.' ... Wir lieben unser Halbdunkel, unsere Mittelmäßigkeit und Lauheit." Die wenigsten Menschen sind direkt böse. Aber unsere Gleichgültigkeit gegenüber Gott und den anderen Menschen lässt leider so viel Böses in der Welt zu, dass Gott, um uns zu erlösen, selbst in diese Welt kommen und sich für uns kreuzigen lassen musste. Der Sinn unseres Lebens kann dann eigentlich nur darin bestehen, diese Liebe Gottes anzunehmen und sie zu erwidern. Wer darin dem Vorbild Jesu folgen will, wird für sein Leben Sinn und Erfüllung, Freude und Frieden finden. Allerdings kann dieser Weg der Nachfolge auch nicht ganz ohne Schmerz und Leid bleiben. In ebenso knapper wie nachvollziehbarer Weise formuliert der schwedische Kardinal: "Wir folgen einem gekreuzigten Herrn. Da wäre es höchst erstaunlich, wenn wir ihm nicht helfen sollten, sein heiliges Kreuz zu tragen, sei es auch nur einen kleinen Splitter. Gerade darin erweist er uns seine Gnade und sein Vertrauen." Natürlich kann es auf dem Weg der Nachfolge immer wieder auch Rückschläge, Scheitern und Versagen geben. Aber Gott lässt uns immer wieder ganz neu beginnen, wir dürfen uns von ihm in jedem Augenblick heilen und erneuern lassen. Es gelingt Anders Arborelius wirklich immer wieder zu zeigen, dass für Gottes Geist nichts unmöglich ist, wie es der Untertitel formuliert. So kann sein Buch eine ebenso ermutigende wie erfreuliche Lektüre für viele Menschen sein. (Religiöses Buch des Monats Juli)

Thomas Steinherr

Thomas Steinherr

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Mit heiliger Ungeduld

Mit heiliger Ungeduld

Anders Arborelius
Benno (2018)

128 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 593956
ISBN 978-3-7462-5144-8
9783746251448
ca. 14,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
Diesen Titel bei der ekz kaufen.

Das Video zum Religiösen Buch des Monats Juli


Juni

Halleluja

Anfangs bekam Valerie Schönian "Tabernakel-Monstranz-Kopfschmerzen", als sie in die Lebensrealität von Franziskus von Boeselager, Priester in Münster, eintauchte. So viel Neues, Fremdes strömte auf sie ein. Valerie (Etiketten: Halleluja feministisch, links, kirchenfern) begleitete Franziskus (konservativ, aufgeschlossen) ein Jahr lang durch seinen Alltag: Taufen, Messen, Beerdigungen, Krankenkommunionen, Jugendgruppe, Weltjugendtag ... Über ihre Erlebnisse und ihre Diskussionen über Gott und die Welt, Glauben, Kirche, Frauen, Homosexuelle u.v.m. schrieb sie bereits im Blog "Valerie und der Priester". - Mehrere 100.000 Leser/innen im Monat verfolgten gespannt das Projekt des Zentrums für Berufungspastoral der Deutschen Bischofskonferenz im Internet, kommentierten, stellten Fragen. Würde Valerie den Priester Franziskus verstehen können? Und: Würde sie am Ende - der Gipfel der Hoffnung - bekehrt werden? - Valerie ist es gelungen, diese Spannung auch im Buch zu erzeugen, vielleicht sogar, sie zu verstärken. Sie hat die Texte des Blogs überarbeitet und chronologisch angeordnet. Und sie hat ihre eigene Auseinandersetzung mit dem Glauben viel stärker eingebracht. Damit ergeben sich auch für diejenigen, die den Blog bereits im Netz verfolgt haben, neue Einsichten. - Auf diese Weise wird deutlicher sichtbar, welche Entwicklung Valerie und Franziskus genommen haben, wie viel Unverständnis am Anfang da war, dass es einen Punkt gab, an dem sich alle Diskussionen nur noch im Kreis drehten und Valerie innerlich schon aufgegeben hatte. Eine Bemerkung von Franziskus änderte die Situation. Valerie entschied sich daraufhin, verstehen zu wollen. Von diesem Punkt an hörte sie ihm anders zu. "Meine Fragen waren keine Argumente mehr, sondern Versuche. Es ging nicht mehr um meine Perspektive, sondern um seine. Darum, die Welt durch Franziskus' Augen zu sehen. Die Welt so zu sehen, wie sie ist, wenn es Gott gibt."

Die Passagen, in denen Valerie über glauben und nicht-glauben-können reflektiert, sind mit die stärksten im Buch. Wobei, da gibt es noch viele mehr: der "heilige Rausch" beim Weltjugendtag in Polen, zum Beispiel. Ihr Weihnachtserlebnis ... - Abgesehen davon, dass sie sehr elegant mit Worten umzugehen und eine Geschichte packend zu erzählen weiß, führt die Lektüre von "Halleluja" unweigerlich dazu, sich selbst zu fragen: Was glaube ich eigentlich? - Das Buch erzählt außerdem viel darüber, warum sich die katholische Kirche so schwer damit tut, Menschen zu erreichen, die nicht zu ihrem Stammpublikum gehören. Zu fremd sind inzwischen Sprache und Riten geworden. Die bittere Erkenntnis: Die Welt außerhalb des katholischen Kokons wartet schon lange nicht mehr darauf, dass die Katholiken sich für sie interessieren. In den Worten von Franziskus: "Deine Welt haben wir zu wenig auf dem Schirm. Wir denken, Glaube und Gott würden alle interessieren. Mit so einer Einstellung drohen wir uns von der Realität zu entfernen. Wir müssen aber an ihr andocken." Selbstbezüglichkeit nannte das ein gewisser Kardinal Bergoglio vor dem Konklave 2013. - Valerie Schönian und Franziskus von Boeselager (und mit ihnen die Initiatoren) haben mit dem Projekt gezeigt, dass es möglich ist, die Selbstbezüglichkeit zu überwinden. Und dass man dabei gewinnt. Bei der Lektüre dieses Buches auch. (Religiöses Buch des Monats Juni)

Frank Müller

Frank Müller

rezensiert für den Borromäusverein.

Halleluja

Halleluja

Valerie Schönian
Piper (2018)

367 S.
kt.

MedienNr.: 593594
ISBN 978-3-492-06099-8
9783492060998
ca. 16,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
Diesen Titel bei der ekz kaufen.

Das Video zum Religiösen Buch des Monats Juni


Mai

Der christliche Glaube erklärt in 50 Briefen

Der Theologe Gerhard Lohfink legt in Briefform dar, was es mit dem christlichen Glauben auf sich hat. Adressiert an eine fiktive Familie, deren 9-jährige Tochter zur Erstkommunion gehen wird, bietet er Sachinformationen zu Glaubensfragen Der christliche Glaube erklärt in 50 Briefen und beschreibt, was es im Alltag konkret bedeutet, an Christus zu glauben. Dabei kommen einige sehr grundsätzliche Fragen ins Spiel, etwa, was mit Gottes Schöpfung gemeint ist, wenn doch eine wissenschaftliche Evolutionstheorie alles ganz anders erklärt, oder wie man überhaupt an einen guten Gott glauben kann angesichts von so viel Leid in der Welt. Dann geht es aber hauptsächlich um Jesus Christus, sein Verhältnis zu Gott und den Menschen, zu seinem Volk Israel und zur ganzen Welt. Was hat Jesus die Menschen gelehrt, warum musste er sterben - war dieser Tod wirklich ein "Opfertod" und wer wollte dann dieses Opfer? Und wenn Jesus wirklich von den Toten auferstanden ist, in welcher Weise ist er dann jetzt lebendig und für die Menschen gegenwärtig? So erfüllt das Buch einen dreifachen Zweck: Für alle, die noch kaum etwas über den christlichen Glauben wissen, ist es eine hervorragende Einführung; denen, die nach ihrem Glauben gefragt werden, aber nicht genau wissen, was sie antworten sollen, kann es eine wertvolle Argumentationshilfe sein; und es kann all denen, die sich selbst in ihrem Glauben immer wieder mit bestimmten Fragen und Zweifeln beschäftigen, neue Perspektiven aufzeigen. Und obendrein kann es auch noch ein guter Anlass für weitergehende Gespräche über den Glauben sein.

Thomas Steinherr

Thomas Steinherr

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Der christliche Glaube erklärt in 50 Briefen

Der christliche Glaube erklärt in 50 Briefen

Gerhard Lohfink
Herder (2018)

268 S.
fest geb.

MedienNr.: 880304
ISBN 978-3-451-34795-5
9783451347955
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
Diesen Titel bei der ekz kaufen.

Das Video zum Religiösen Buch des Monats Mai