Religiöses Buch des Monats

Juni

Gott funktioniert nicht

Der Titel von Thomas Frings' Buch ist auf den ersten Blick missverständlich. Doch bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass diese Doppeldeutigkeit durchaus gewollt ist und den Nerv der Zeit trifft. Wenn man z.B. auf die Umfrage Gott funktioniert nicht schaut, mit der das Nachrichtenmagazin Der Spiegel seine Leser*innen zu Ostern beglückte, könnte man den Titel "Gott funktioniert nicht" so verstehen, dass Gott keine überzeugende Idee ist, denn nur 55 Prozent der Befragten glauben überhaupt an (irgendeinen) Gott. Doch so meint Frings das gerade nicht. Nach "Aus, Amen - Ende?" (2017), in dem er die derzeitige pastorale Praxis scharf kritisierte, legt der ehemalige Pfarrer aus Münster jetzt dar, warum, was und wie er glaubt. Weil der Glaube an Jesus Christus in unserer Gesellschaft längst nur noch eine Option unter anderen ist, müsse er gut begründet sein, so Frings. Denn: "Wo der Glaube fragwürdig geworden ist, hilft es nicht, frühere Gewissheiten zu beschwören." Für seine Begründung hat er eine wohltuend alltagsnahe, handfeste Sprache gefunden, die Glauben und Zweifel nicht hinter frommen Worthülsen versteckt. Statt vermeintliche Gewissheiten zu referieren, erklärt er lieber, was Gott nicht ist. Zum Beispiel kein Gebetsautomat, in den man oben eine Bitte einwirft und unten wie bei einem Fahrkartenautomat eine Gebetserhörung herausbekommt. Gott funktioniert nicht - zumindest nicht so. Für Thomas Frings steht fest, dass Gott in dieser Welt wirkt, doch dieses Wirken lässt sich nicht so einfach beschreiben. "Wir können nicht erwarten, dass wir andere mit unserem Glauben oder gar Wundererzählungen logisch überzeugen", fasst er das Problem zusammen. "Zugleich müssen wir daran festhalten, dass etwas Unglaubliches Kern unseres Glaubens ist." Oder mit dem Theologen Karl Rahner gesprochen: Es geht darum, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten. Aber ist das nicht viel zu schwammig? An dieser und an einigen anderen Stellen wirkt der Text, als sei Frings auf halber Strecke stehen geblieben. Doch ist das nur konsequent. "Gott funktioniert nicht" heißt eben auch: Gott und sein Wirken entziehen sich dem menschlichen Wunsch nach Definition. "Gott ist nie Besitz, sondern immer ein zu Suchender, bis zum Ende des Lebens, an dem die Begegnung mit ihm auf mich wartet." Dass zum Glauben auch gehört, Nicht-Wissen auszuhalten, dass die Rede von Gott als Geheimnis nicht Denkfaulheit, sondern Einsicht in das Wesen Gottes ist, gehört (warum eigentlich?) offensichtlich nicht zum Allgemeinwissen. Thomas Frings hätte das auch noch deutlicher auf den Punkt bringen dürfen. Aber auch so verfehlt er seine Wirkung nicht und regt gerade an den Stellen, die unfertig wirken, dazu an, eine eigene Position zu suchen. Deshalb ist es ein Glück, dass Thomas Frings in seinem Buch in aller Bescheidenheit versucht, Rechenschaft von der Hoffnung zu geben, die ihn trägt - und dabei darauf verzichtet, alles genau zu wissen. Das macht es so lesenswert.

Christoph Holzapfel

Christoph Holzapfel

rezensiert für den Borromäusverein.

Gott funktioniert nicht

Gott funktioniert nicht

Thomas Frings
Herder (2019)

189 S.
fest geb.

MedienNr.: 597210
ISBN 978-3-451-38026-6
9783451380266
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Mai

Durchkreuzt

Wir kennen das eigentlich alle: Da machen wir ausgefeilte Pläne für die nächsten Wochen, Monate und Jahre, doch dann durchkreuzt irgendein ein unerwartetes Ereignis unsere schönen Vorstellungen! Wenn das Unvorhergesehene allerdings Durchkreuzt in einer schweren, ja lebensbedrohlichen Krankheit besteht, bekommt das Wort "durchkreuzen" für religiöse Menschen einen tieferen Sinn - der typografisch zweifarbig gestaltete Titel des Buches von Andreas Batlogg weist bereits unmissverständlich darauf hin. Nach anstrengenden 17 Jahren in der Redaktion der Zeitschrift "Stimmen der Zeit" steht für den 54-jährigen Jesuiten ein Sabbatjahr in Israel kurz bevor, als ihn aus heiterem Himmel die Diagnose Darmkrebs ereilt - ein bösartiger Tumor und bereits ziemlich groß. Auf einen Schlag platzen alle Vorhaben, eine sofortige Behandlung ist unerlässlich, die Krankheit beansprucht alle Kräfte und alle Gedanken - bis hin zur bohrenden Frage, ob vielleicht der baldige Tod bevorsteht. Es folgt ein viele Monate dauernder Behandlungsweg mit Bestrahlungen und Chemotherapie sowie insgesamt vier Operationen. Ein Weg voller Ängste, Einbußen und Einschränkungen, die nicht nur den Leib schwächen, sondern auch zu seelischen Belastungen werden. Der Autor beschönigt hier nichts, wirklich gar nichts, auch gibt er ganz offen zu, dass vieles eher oberflächlich gehaltene fromme Gerede auf dem Prüfstand einer solchen Extremsituation nicht standhält, dass überhaupt vorschnelle Vertröstungen versagen. Und doch öffnet ihm die Krankheit auch die Augen für Neues, lässt ihn neue Perspektiven einnehmen und zeigt, was wirklich Trost spenden kann: menschliche Zuwendung, die nicht viele Worte macht, echte Freundschaften und nicht zuletzt der Glaube an einen liebenden Gott, der in Jesus Christus wirklich immer für uns da ist. Diese spirituelle Einsicht gewinnt freilich erst durch die durchlittene Realität hindurch ihre eigentliche Wahrheit. "Vielleicht reden wir Christen manchmal zu schnell von Auferstehung - und übergehen auf dem Weg zum Ostermorgen das, was ihm vorausging", schreibt Batlogg. Der christliche Glaube gründet sich eben gerade nicht auf eine ungebrochene Erfolgsgeschichte nach den Maßstäben dieser Welt: "Am Leben Jesu teilnehmen bedeutet auch, am Leiden Jesu teilnehmen, Kreuzerfahrungen machen, Erfahrungen der Verlassenheit, des Nicht-Verstanden-Werdens, der Sprachlosigkeit. Das kennen wir alle. Kranke erst recht." Die mutige Offenheit, mit der Pater Batlogg hier über das Erleben und Erdulden seiner Krankheit schreibt, ist beeindruckend. Wirklich schonungslos schildert der Jesuit die Verletzlichkeit seines Leibes wie seiner Seele - und öffnet uns dadurch die Augen für unsere eigene Verletzlichkeit (und die unserer Mitmenschen), wofür man ihm gar nicht genug dankbar sein kann! Gerade in der freimütigen Darstellung, die kein schlimmes Detail ausspart, ganz ehrlich von zeitweiser Inkontinenz und dem anfänglichen Ekel vor dem künstlichem Darmausgang spricht, geschieht eine befreiende und bereichernde Mit-Teilung von Krankheit und Leiden, die uns Leser/innen zu größerer Empathie gegenüber Kranken wie zum wacheren Bewusstsein der eigenen Endlichkeit befähigt, Ängste vor Leiden und Sterblichkeit zumindest ein Stück weit abbauen hilft, Trost und Ermutigung sein kann und ein gelassen und frei machendes Gottvertrauen vermittelt. Der Autor zitiert neben vielen anderen Schriftstellen (und Dichterworten) auch einen Vers aus Psalm 90: "Unsere Tage zu zählen lehre uns, dann gewinnen wir ein weises Herz." Dieses Buch kann uns auf dem Weg zu einem weisen Herzen ein entscheidendes Stück voranbringen!

Thomas Steinherr

Thomas Steinherr

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Durchkreuzt

Durchkreuzt

Andreas R. Batlogg
Tyrolia-Verl. (2019)

192 S. : Ill. (z.T. farb.)
fest geb.

MedienNr.: 596903
ISBN 978-3-7022-3745-5
9783702237455
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re, Fa
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April

Das Christentum

Kann man das machen? Ein Buch empfehlen, das das Christentum mit sehr deutlichen Worten in den Senkel stellt? "Die Geschichte des Christentums ist eine große Geschichte des Scheiterns, des Verrats und des Herumtrampelns auf der Das Christentum eigenen Botschaft. Es ist eine Geschichte der ewigen Vermischung menschlicher Interessen mit denen Gottes, und es ist eine Geschichte der Instrumentalisierung des Glaubens für Macht, Herrschaft und Besitz." Ja, man kann so eine Empfehlung aussprechen. Vielleicht muss man das sogar, um zu verstehen, wie das Christentum wurde, was es heute ist - und wie es in Zukunft damit weitergehen könnte. - Außerdem lässt Christian Nürnberger - Journalist, Theologe und Autor ("Der rebellische Mönch, die entlaufene Nonne und der größte Bestseller aller Zeiten", ebenfalls bei Gabriel erschienen) - keinen Zweifel daran, dass es auch die andere Seite des Christentums gibt - und dass es der Welt nicht gut bekommen würde, wenn es Kirche und Christentum eines Tages nicht mehr gäbe. - Deshalb hat Nürnberger aufgeschrieben, was er für das Wesentliche des Christentums hält. Er fängt bei Abraham an und schildert die Glaubensgeschichte von Juden und Christen als Geschichte des Versuchs Gottes, den Hang des Menschen zu Egoismus, Clandenken, Gewalt und Selbstzerstörung zu durchbrechen und ihn für eine Lebens- und Gesellschaftsform zu gewinnen, die Jesus zuletzt "Reich Gottes" genannt hat. Es ist eine Geschichte wiederholten Scheiterns und wiederholter Aufbrüche. - Nürnbergers mitreißende Schilderung dieser Glaubensgeschichte bietet einige Überraschungen. Zu nennen wäre z.B., dass er einen Zusammenhang herstellt zwischen Isaaks Beinahe-Opferung und der Bergpredigt, oder dass er den unschätzbaren Wert der jüdisch-christlichen Rede von der Sünde betont, weil der Mensch auf Dauer nur überleben wird, wenn er sich selbst klar sieht - und sich dabei nichts vormacht. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass die Pointe des christlichen Glaubens gerade in dem steckt, was ihn von allen anderen Religionen unterscheidet. Nürnberger liefert dann keine Definitionen des unterscheidend Christlichen, sondern Geschichten. Zum Beispiel die von Pfarrer Holmer, der 1990 dem Ehepaar Honecker in seinem Pfarrhaus Asyl bot. Oder die von der Schriftstellerin Herta Müller, die sich weigerte, mit der Securitate zusammenzuarbeiten. Oder die vom Barmherzigen Samariter. - Nürnberger erzählt auf Augenhöhe mit den Zweiflern und religiös nicht mehr trittfesten Zeitgenossen. Geschickt greift er Einwände gegen die Vernünftigkeit des christlichen Glaubens auf und schlägt Brücken von unserer in die fremde Welt der Bibel. Dabei kommt er ohne die gängigen theologischen Floskeln und Fremdwörter aus. Sein Buch bietet Jugendlichen (ab 14, 15 Jahren) und Erwachsenen jede Menge Stoff zum Nachdenken, Gedanken, an denen man sich reiben und seine eigenen Überzeugungen prüfen kann. Ein Buch, das nachhallt und hoffentlich viele Leser*innen findet!

Christoph Holzapfel

Christoph Holzapfel

rezensiert für den Borromäusverein.

Das Christentum

Das Christentum

Christian Nürnberger
Gabriel (2019)

335 S.
fest geb.

MedienNr.: 596810
ISBN 978-3-522-30514-3
9783522305143
ca. 15,00 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 13
Systematik: Re
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März

Zeit der liebenden Aufmerksamkeit

Die vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern hat in den letzten Jahren wieder ein positiveres Image gewonnen. Dass ein gewisser Verzicht nicht nur der Gesundheit und der Selbstdisziplinierung förderlich ist, sondern obendrein auch der Zeit der liebenden Aufmerksamkeit Umwelt guttut, leuchtet eigentlich jedem ein. Auch ohne religiöse Motivation unterziehen sich darum viele im Frühjahr einer Fastenkur. Allerdings geht es bei der Fastenzeit, die von der Kirche "österliche Bußzeit" genannt wird, eigentlich um viel mehr als bloß um einen - wie auch immer motivierten - zeitweisen Verzicht auf bestimmte Genüsse. Der Titel, den der Wiener Erzbischof, Christoph Kardinal Schönborn, seinem neuen "Begleiter für die Fasten- und Osterzeit" gegeben hat, bringt das in einer sehr schönen Formulierung zum Ausdruck: Die Fastenzeit soll vor allem zu einer "Zeit der liebenden Aufmerksamkeit" werden. - Schönborn vergleicht die Zeit vor Ostern mit dem Emmausweg der beiden Jünger im Lukasevangelium: Jedes Jahr wieder dürfen auch wir mit dem Herrn auf dem Weg sein und uns von ihm erklären lassen, warum der Messias leiden musste, um in seine Herrlichkeit zu gelangen. Die Beschäftigung mit der Heiligen Schrift ist deshalb ein wesentliches Merkmal der Fasten- und Osterzeit, und auch wenn wir die Texte schon oft gehört haben, dürfen wir jedes Jahr wieder neu Kraft und Einsicht daraus schöpfen: Das Evangelium ist wie eine Quelle frischen Wassers, die nie ausgeschöpft wird und zu der man immer wieder zurückkehren muss. - Und tatsächlich werden selbst mit der Bibellektüre vertraute Leser/innen in diesem Buch sicherlich auch neue Sichtweisen auf die bekannten Texte entdecken. Zum Beispiel, wenn Kardinal Schönborn im Blick auf die Versuchungen Jesu durch den Teufel in der Wüste feststellt, dass die größte Versuchung für uns selbst im Grunde darin besteht, "zu glauben, dass Gott uns fallen lässt, wenn wir gefallen sind". Sehr nachdenklich machen kann auch der Hinweis, dass Jesus bei seiner Verklärung auf dem hohen Berg genau die drei Jünger mit sich nimmt, die er später am Ölberg in seiner bittersten Stunde im Garten von Gethsemane um sich haben will, als er in seiner Todesangst gewissermaßen ganz tief unten angekommen ist. Ganz wichtig ist auch die Klarstellung, dass das Kreuz ein Symbol ist, das gerade niemanden ausgrenzen will, im Gegenteil: "Für mich ist das Kreuz das große Zeichen, dass Jesus keinen Menschen ausschließt, dass er für alle offene Arme hat." So sagt es Jesus ja auch in seiner Abschiedsrede: "Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich ALLE an mich ziehen". Und im Blick auf Ostern fragt Kardinal Schönborn mit Recht, ob nicht heute bei vielen Katholiken eine ähnliche Stimmung herrscht wie bei den Jüngern nach Jesu Tod: Die Kirche scheint vielen gescheitert zu sein, am Ende. Glauben wir an Ostern, dass Jesus wirklich lebt? Dass er auch in seiner Kirche lebt und diese deshalb neu auferstehen kann? - Das Buch bietet Betrachtungen zu den Sonntags-Evangelien des österlichen Weges, von der Fastenzeit bis Pfingsten - und zwar für alle drei Lesejahre, so dass der Fastenbegleiter zum einen jedes Jahr aktuell ist und andererseits auch eine größere Vertiefung erlaubt. Kardinal Schönborns Auslegungen des Evangeliums sind keine theologischen Reflexionen, vielmehr lebensnahe Betrachtungen. Auch sind es ursprünglich keine Predigten, sondern Beiträge für Österreichs größte Tageszeitung, sie richten sich also nicht ausschließlich an Kirchgänger/innen, sondern im Grunde an alle. Und es sollen auch nicht Unterweisungen im Glaubenswissen sein, sondern Ermutigungen, die Worte des Evangeliums persönlich zu betrachten. Wer dieser Einladung folgt, wird in jedem Fall Gewinn daraus ziehen.

Eva Riggs

Eva Riggs

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Zeit der liebenden Aufmerksamkeit

Zeit der liebenden Aufmerksamkeit

Christoph Kardinal Schönborn
Patmos-Verl. (2019)

223 S.
fest geb.

MedienNr.: 914953
ISBN 978-3-8436-1120-6
9783843611206
ca. 19,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Februar

Wenn der Glaube konkret wird

"Ihr seid das Salz der Erde", sagt Jesus in der Bergpredigt. Und im gleichen Atemzug: "Ihr seid das Licht der Welt". Doch könnte man angesichts anhaltender Diskussionen um Macht und deren Missbrauch, um Priestermangel Wenn der Glaube konkret wird und dessen Verwaltung, um Reformen oder weiter so durchaus den Eindruck bekommen, dass es mit Licht und Salz in der katholischen Kirche in Deutschland im Moment nicht weit her zu sein scheint. Genau deshalb erinnert Franz Kamphaus, bis 2007 Bischof von Limburg, an die Bergpredigt als Grundgesetz des Christentums. Warum, fragt er, steht sie nicht im Mittelpunkt allen kirchlichen Wirkens, wenn sie doch den Dreh- und Angelpunkt der Botschaft Jesu vom Reich Gottes bildet? Müsste die Reich-Gottes-Botschaft, für die Jesus den Tod in Kauf genommen hat, nicht im Mittelpunkt des jetzt fälligen Neuaufbruchs stehen? - Kamphaus hört genau hin, was Jesus in den Seligpreisungen und in den Antithesen (Ihr habt gehört ¿ Ich aber sage euch ¿) sagt über Gerechtigkeit, Mord und die Ehe - und was das für Christen heute bedeutet. Dabei entschärft er nichts. Jesu Forderungen, Gewalt nicht mit Gegengewalt zu beantworten und die Feinde zu lieben, sind dabei sicher diejenigen, die am schwersten verdaulich sind. Dennoch dürfen sich die Christen nicht um deren Verwirklichung drücken, wie es in der Vergangenheit immer wieder geschehen sei. Jesus gehe es darum, die Vergeltungslogik (Wie du mir, so ich dir) zu durchbrechen. "Die Bösen und Ungerechten schreiben Gott nicht vor, wie er sich zu verhalten hat. Gottes Handeln ist nicht vom Prinzip der Gegenseitigkeit bestimmt. Nicht das Handeln des Feindes soll uns bestimmen, sondern das Handeln Gottes." Also: Wie Gott mir, so ich dir. - Zum entscheidend Christlichen - dem Kennzeichen C sozusagen - gehört außerdem, sanft, arm und barmherzig zu sein. Diese Grundhaltungen ergeben sich, so Kamphaus, aus den Seligpreisungen. Sie sind auf den ersten Blick vielleicht nicht gerade attraktiv, stehen sie doch in deutlichem Kontrast zu den Werten unserer Leistungs- und Konsumgesellschaft, können aber enorme Strahlkraft entfalten. Denn sie zeigen, was es heißt, unter der Herrschaft Gottes zu leben, sich für das Reich Gottes zu entscheiden und es mit Leben zu füllen. - Diese Auslegung der Bergpredigt ist die Frucht einer lebenslangen Auseinander-setzung mit diesem Text. Abschnitt für Abschnitt macht Kamphaus sie in knappen, klaren Worten für die Welt von heute fruchtbar und ermuntert die Leser/innen, gerade das ernst zu nehmen, was daran utopisch scheint. Es genügt eben nicht, dass das Reich Gottes nur in der Seele der Menschen wächst, es muss nach außen wirken. Dabei helfen auch die "Anstöße" am Ende eines jeden Kapitels, die das Gesagte für die persönliche Auseinandersetzung zusammenfassen. - Wichtig ist dem Autor allerdings, dass nicht der Eindruck von Leistungszwang entsteht. Das wäre auch nicht im Sinne Jesu. Wenn dieser seine Zuhörer durch die Zeiten als "Salz der Erde" und "Licht der Welt" bezeichnet, verwendet er den Indikativ. Es ist also gerade keine Aufforderung, sondern eine Feststellung: "Ihr seid". "Salz muss nur da sein, das reicht", kommentiert Kamphaus. "Und wenn es da ist, würzt es auch. Wo wir da sind als Christen, da geben wir Geschmack." - Kamphaus' Buch hilft, den eigenen Salzgehalt nicht zu vergessen, und ermutigt dazu, Jesus beim Wort zu nehmen und die christlichen Grundhaltungen zu leben.

Christoph Holzapfel

Christoph Holzapfel

rezensiert für den Borromäusverein.

Wenn der Glaube konkret wird

Wenn der Glaube konkret wird

Franz Kamphaus
Patmos-Verl. (2018)

144 S.
fest geb.

MedienNr.: 593284
ISBN 978-3-8436-1034-6
9783843610346
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Januar

Weiß der Himmel ...?

"Wie ich über die Frage nach Leben und Tod stolperte und plötzlich in der Kirche saß" - mit diesem Untertitel erklärt Tillmann Prüfer sehr anschaulich, was ihn zu diesem Buch veranlasste. Der sehr erfolgreiche Journalist, Weiß der Himmel ...? Anfang 40, lebt mit seiner Familie ein glückliches, unbeschwertes Leben, als ihn der plötzliche Tod seines besten Freundes aus all seinen Sicherheiten reißt. Er spürt einerseits den ganz starken Wunsch, glauben zu können - an eine "Macht, die den Dingen Sinn gibt, auch den schrecklichen Dingen." Andererseits hat er sich vom religiösen Glauben seiner Kindertage längst ganz weit entfernt. Und in seiner Alltagswelt als Modekritiker bei einem Zeitungs-Magazin findet seine Sehnsucht nach Glauben kaum einen Ansatzpunkt. Tillmann Prüfer begibt sich also auf eine Suche nach Möglichkeiten, den Glauben vielleicht doch auch für sich selbst finden zu können. Er schildert in diesem Buch seinen Weg, der ihn langsam und nicht immer in der erwarteten Weise, aber doch immer näher hinführt zu der Faszination, die der Glaube für einen Menschen bedeuten kann. Von ersten Besuchen in der Kirche zum Gottesdienst über einen Aufenthalt in einem Südtiroler Kapuzinerkloster bis zu einer Israelreise. Es ist ein Weg, der am Ende des Buches noch lange nicht zu Ende ist - und sicherlich auch ein ganzes Leben lang nicht an ein Ende kommen wird, bleiben manche Zweifel doch ein lebenslanger Begleiter für jeden Glaubenden, wie Prüfer nach einiger Zeit mit einer gewissen Erleichterung feststellt. Und auch wenn der Glaube nicht bewiesen werden kann, sprechen doch ebenso gute Argumente für ihn wie gegen ihn - so fasst Tillmann Prüfer am Schluss des Buches "zehn gute Gründe für den Glauben" zusammen, die schließlich in der Alternative gipfeln: Es gibt nur den Sinn oder die Sinnlosigkeit. Bei allem Tiefgang ist das sehr persönliche und mutige Buch auch humorvoll geschrieben, dazu - wie man es von einem Journalisten erwarten darf - auch äußerst lebendig, spannend und unterhaltsam, sodass es zweifellos ganz viele Leser/innen anzusprechen vermag.

Thomas Steinherr

Thomas Steinherr

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Weiß der Himmel ...?

Weiß der Himmel ...?

Tillmann Prüfer
Gütersloher Verl.-Haus (2018)

188 S.
fest geb.

MedienNr.: 896867
ISBN 978-3-579-08706-1
9783579087061
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
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Dezember

Wilde Weihnachten

Für viele Menschen ist die Adventszeit mit viel Stress verbunden. Dabei ist gerade in dieser Zeit die Sehnsucht nach Ruhe und Besinnung groß, und das wäre ja eigentlich auch der Sinn dieser Zeit. "Advent will uns lehren, achtsam Wilde Weihnachten zu sein, neu hineinzuschauen, sich auf das Kommen des Herrn vorzubereiten", schreibt Andrea Schwarz in ihrem Lesebuch. Sie ermutigt ihre Leser/innen, ihre Gewohnheiten in der Adventszeit zu ändern, den Advent nicht mit Geschenkestress, Weihnachtsfeiern und -märkten etc. vergehen zu lassen. "Habt Mut, Advent und Weihnachten anders sein zu lassen. Seid wachsam, haltet Ausschau nach den Zeichen, bereitet euch vor auf Gott. Zündet eine Kerze an und nicht gleich den ganzen Weihnachtsbaum! Gebt Gott eine Chance!" Dazu bietet sie für jeden Tag zwischen dem 1. Dezember und dem 6. Januar Anregungen. Texte und Gedichte, die die innere STOP-Taste drücken, kurz die Routine unterbrechen und dazu beitragen, Gottes Nähe in unserem Leben zu spüren - und "Weihnachten zu sein". Weihnachten, die Erfahrung der Nähe Gottes, will weiter verschenkt werden. "In uns bekommt der Himmel Hand und Fuß - und ein Gesicht." Weihnachten geschieht dann, wenn Gott einen Menschen berührt - und dieser Mensch diese Berührung spürt. Das ist nicht auf die Zeit zwischen dem 1. Dezember und dem Ende der Weihnachtszeit begrenzt. Die Advents- und Weihnachtszeit ist aber eine Gelegenheit, sich die Möglichkeit dieser Berührung bewusst zu machen. Und eine Ahnung davon zu bekommen, dass Gott für mich Mensch wird. Dass er auch in meiner Dunkelheit da und mir nahe ist. Das nimmt die Dunkelheit nicht weg, wirkt aber wie der Streifen Licht, der unter der geschlossenen Tür in ein dunkles Zimmer fällt und den Ausgang zeigt. Um Gott in der Adventszeit eine Chance zu geben (und darüber hinaus), muss man keinen großen Aufwand treiben, zeigt Andrea Schwarz. Es genügt, sich Gottes Nähe im Leben bewusst zu machen. Wenn Sie an der roten Ampel stehen, wenn Sie auf den Bus oder Ihre Kinder warten, darauf, dass das Nudelwasser kocht. Ein kurzer Gedanke: "Hier bin ich Gott" genügt schon, um den Blickwinkel zu ändern, um sich bewusst zu werden, dass Gott wirklich mitten im Alltag da ist. Advent mit Andrea Schwarz heißt lernen, das Unerwartete zu erhoffen, Neues zu wagen und sich aufbrechen zu lassen.

Christoph Holzapfel

Christoph Holzapfel

rezensiert für den Borromäusverein.

Wilde Weihnachten

Wilde Weihnachten

Andrea Schwarz
Patmos-Verl. (2018)

123 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 595624
ISBN 978-3-8436-1073-5
9783843610735
ca. 15,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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November

Glaube ganz einfach

"Glaube - ganz einfach." Eine Einführung in den christlichen Glauben, die wirklich gar nichts voraussetzt und ganz ohne theologische Fachbegriffe die wichtigsten Grundlagen und vor allem lebenspraktischen Auswirkungen des Glaube ganz einfach Glaubens gut verständlich erklärt - so etwas können heute viele Menschen gut gebrauchen. Und wenn die Autorin dieser Einführung keine Theologin, sondern eine "normale" Christin ist: umso besser! Dass Yvonne Willicks obendrein eine Fernsehmoderatorin ist, bekannt durch mehrere Sendungen mit praktischen Ratschlägen zu Hauswirtschaft und Verbraucherschutz, ist natürlich ein besonderer Glücksfall: Ihr Name ist gewissermaßen ein Garant für die anschauliche Vermittlung von konkreter Lebenshilfe im Alltag, und außerdem hilft ein prominentes Gesicht auf dem Buchumschlag allemal, Interesse an dem Buch zu wecken. Allerdings kann der Buchtitel auch noch einmal anders verstanden werden, und zwar als eine Aufforderung, den christlichen Glauben doch einfach einmal im eigenen Leben auszuprobieren und zu sehen, wie es sich damit leben lässt. Yvonne Willicks geht als überzeugte Christin davon aus: Gott liebt die Menschen und er will sich von ihnen finden lassen - also können wir ihm auch überall in unserem Leben begegnen, wenn wir ihn nur suchen. Sie schildert in offenen Worten und mit anschaulichen Beispielen und Bildern, wie sie in ihrem Leben sowohl im Alltag wie auch in schwierigen Lebenssituationen ihren Glauben an Gott lebt und welche Auswirkungen das auf ihr Leben hat. - Es ist ein mutiges Buch, weil die Autorin sich nicht scheut, wirklich ganz persönlich von ihrem eigenen Glaubensleben zu sprechen, und es ist gerade durch dieses persönliche Glaubenszeugnis ein ungeheuer ermutigendes Buch, das viele Leser/innen überzeugen wird, es auch selber doch einmal oder wieder einmal oder trotz allem auch weiterhin mit dem Glauben zu versuchen.

Thomas Steinherr

Thomas Steinherr

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Glaube ganz einfach

Glaube ganz einfach

Yvonne Willicks
adeo (2018)

192 S. : zahlr. Ill. (farb.)
kt.

MedienNr.: 897138
ISBN 978-3-86334-212-8
9783863342128
ca. 16,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Oktober

Gott?

"Die Frage nach Gott ist nicht erledigt. Ganz im Gegenteil!", schreibt Norbert Scholl in diesem Sammelband zum siebzigjährigen Bestehen der Zeitschrift 'Christ in der Gegenwart'. Sein Rückblick auf ein halbes Jahrhundert Gott? Theologiegeschichte zeigt, dass die Gottesfrage gerade anfängt, interessant zu werden. Das zeigen auch die 135 kurzen (3 - 10 Seiten) Beiträge dieses Lesebuchs. Ein üppiges, intelligentes, forderndes und vor allem höchst lesenswertes Werk, in dem die Gottesfrage von Zeitgenossen - u.a. den Schriftstellern Ulla Hahn und Patrick Roth, den Politikern Winfried Kretschmann und Sebastian Kurz, den Bischöfen Gerhard Kardinal Müller und Manfred Scheuer, dem Theologen Thomas Ruster und dem Philosophen Volker Gerhardt ... - nein, nicht beantwortet, aber aus ganz unterschiedlichen Perspektiven, theologischen und philosophischen Vorannahmen, Lebens- und Glaubenserfahrungen diskutiert wird. Die unglaubliche Fülle der Beiträge mag zunächst erschlagend wirken, doch wer zu blättern beginnt, wird bald hängen bleiben, an einem Namen, einer Überschrift oder einem Stichwort. Bei Ulla Hahns Gedicht "Mein Gott" zum Beispiel oder bei der Kirchenhistorikerin Barbara Henze, die über das Gespräch als Weg, Gott zu suchen, schreibt. Andere Beiträge setzen sich mit den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaft (Evolution, Urknall, Relativitätstheorie usw.) und deren Folgen für die Rede von Gott auseinander oder mit Kunst und Literatur. Die Texte ergänzen sich, widersprechen sich auch, argumentieren auf unterschiedlichen Niveaus, fordern das Denken heraus - aber überfordern nicht, wie man es von Beiträgen in 'Christ in der Gegenwart' gewohnt ist. Anregende, sehr empfehlenswerte Lektüre!

Christoph Holzapfel

Christoph Holzapfel

rezensiert für den Borromäusverein.

Gott?

Gott?

Johannes Röser (Hg.)
Herder (2018)

412 S.
fest geb.

MedienNr.: 595260
ISBN 978-3-451-38297-0
9783451382970
ca. 28,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Das Video zum Religiösen Buch des Monats Oktober


September

Gott spricht durch sein Handeln

Carlo Maria Martini untersucht die Tätigkeitswörter, durch welche Gott in der Bibel charakterisiert wird, und stellt fest: Gott selbst hat den Traum von einer anderen Welt, dem "Reich Gottes", dafür stehen die Handlungen Gott spricht durch sein Handeln Gottes und die Wunder Jesu, sodass auch die Menschen "von einem anderen Leben träumen dürfen". Kardinal Martini, der 2012 starb, hatte nach seiner Zeit als Erzbischof von Mailand lange in Jerusalem gelebt, wo er im Jahr 2007 auch diese Exerzitien über die "Verben Gottes" hielt, die nun erstmals veröffentlicht werden. Alles beginnt natürlich mit dem Verb: Gott erschafft. Er erschafft aber nicht nur, indem er aus dem Nichts die Welt ins Dasein ruft, sondern indem er auch fortdauernd in der Welt handelt, um aus dem Chaos Ordnung, Gerechtigkeit, Frieden und Harmonie zu schaffen. Ganz wichtig ist Martini das zweite biblische Tätigkeitswort Gottes: Gott verheißt. Von Abraham an spricht die Bibel ununterbrochen von der Verheißung Gottes. Gott nimmt so an der Geschichte des Menschen Anteil, und er erneuert seine Verheißung immer wieder, gerade auch in scheinbar ausweglosen Situationen. Aber warum erfüllt sich diese Verheißung niemals hier und jetzt, sondern erst nach unserem Tod? Kardinal Martini ist im Lauf seines Lebens zur Einsicht gekommen: Wenn es den Tod nicht gäbe, wären wir niemals gezwungen, uns ganz und gar auf Gott zu verlassen, wir würden nie das Wagnis eingehen, uns ihm ganz anzuvertrauen - nur darin aber können wir Erfüllung finden. "Alle Verben, die das Gotteshandeln bezeichnen, lassen uns das Antlitz eines Gottes erkennen, der nicht außerhalb der Welt und fern von ihr ist, sondern ganz konkret Anteil an ihr nimmt." (137) In der jüdischen wie christlichen Spiritualität geht es deshalb immer um eine liebevolle und aufrichtige Antwort auf diese Aufmerksamkeit, die Gott uns schenkt. Das vermittelt Carlo Maria Martinis postumes Buch auf eindrucksvolle Weise.

Thomas Steinherr

Thomas Steinherr

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Gott spricht durch sein Handeln

Gott spricht durch sein Handeln

Carlo Maria Martini
Patmos-Verl. (2018)

160 S.
fest geb.

MedienNr.: 595170
ISBN 978-3-8436-1026-1
9783843610261
ca. 19,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Das Video zum Religiösen Buch des Monats September


August

Die Mitte des Lebens finden

Im Guten wie im Schlechten ist die Heilige Messe den meisten Katholiken zur Routine geworden. Wolfgang Sauer stellt diese Routine in seinem Buch in Frage - nicht, um es besser zu wissen, sondern um den Leser/innen zu einem tieferen Die Mitte des Lebens finden Verständnis des Geschehens zu verhelfen. Auf persönliche, konkrete und durchaus auch emotionale Weise teilt er mit ihnen die Einsichten, die ihm im Laufe seiner inzwischen 45 Dienstjahre als Priester zugewachsen sind, u.a. als Seelsorger für Priesteramtskandidaten, Hochschulseelsorger in Heidelberg und Direktor der katholischen Journalistenschule ifp in München. Christsein bedeutet in seinen Augen, sein Leben in der Grundhaltung der Dankbarkeit zu führen. Diese "eucharistische Existenz" wurzelt im Staunen über das Leben und in der Dankbarkeit für die liebende Zuwendung Gottes zu allen Menschen - mit ihren Fehlern und Schwächen. Eucharistische Existenz bedeutet darüber hinaus "ein Leben mit ausgebreiteten Armen" zu führen, um diese grenzenlose Liebe Gottes empfangen und weitergeben zu können. Der Gedanke, dass der Alltag des Christen eine Fortsetzung der Eucharistiefeier mit anderen Mitteln sein muss, zieht sich daher wie ein roter Faden durch das Buch. So klar Sauer auch seine Gedanken zu verschiedenen Aspekten der eucharistischen Existenz formulieren kann, so bewusst ist er sich doch, dass die Eucharistie auch ein Mysterium bleibt, das sich letztlich der begrifflichen Festlegung entzieht. Dennoch darf diese Einsicht nicht zur Ausrede werden, meint Sauer, auf eine denkerische Annäherung an das Geheimnis der Eucharistie zu verzichten. Dazu lädt er ausdrücklich auch seine Leser/innen ein, die seine Gedanken kreativ weiterdenken sollen. Auf diese Weise kann aus Routine wieder ein Gefühl für die tröstende Kraft und das befreiende Geheimnis der Eucharistie wachsen.

Christoph Holzapfel

Christoph Holzapfel

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Mitte des Lebens finden

Die Mitte des Lebens finden

Wolfgang Sauer
Herder (2018)

156 S.
fest geb.

MedienNr.: 594687
ISBN 978-3-451-38070-9
9783451380709
ca. 16,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Das Video zum Religiösen Buch des Monats August


Juli

Mit heiliger Ungeduld

Als Papst Franziskus im letzten Jahr den Erzbischof von Stockholm, Anders Arborelius, zum Kardinal ernannte, war die Überraschung weltweit groß - und noch größer die Begeisterung in Schweden. Nie zuvor gab es einen schwedischen Mit heiliger Ungeduld Kardinal. Allerdings ist die Situation der katholischen Kirche in Schweden auch außergewöhnlich: es gibt dort nur 1,5 % Katholiken, zudem ist Schweden eines der säkularisiertesten Länder überhaupt. So steht Kardinal Arborelius immer wieder vor der Situation, erklären zu müssen, worum es im christlichen Glauben ganz grundsätzlich geht. Man merkt dies seinem ersten in Deutschland erschienenen Buch "Mit heiliger Ungeduld" auch an - in einer sehr positiven Weise. Es geht hier einmal nicht um die bei uns so sattsam bekannten Streitpunkte innerhalb der Kirche, nicht um irgendwelche Macht- oder Strukturfragen, es geht vor allem darum, was es für jeden Einzelnen in seinem Leben bedeutet, an Jesus Christus zu glauben. Diese Frage wird jedoch keineswegs lebensfremd oder abstrakt gestellt. Oft sind die einzelnen Beiträge des Buches sogar aus direkten lebenspraktischen Fragen oder im Zusammenhang mit ethischen Diskussionen entstanden, zusammengenommen beleuchten sie wie ein Kaleidoskop die Grundgeheimnisse des christlichen Glaubens immer wieder aus einer etwas anderen Perspektive. Zunächst ist es Kardinal Arborelius ganz wichtig, immer wieder zu betonen: Gott will uns begegnen, und er begegnet jedem von uns in unserem Leben - eigentlich immer und überall. Wir müssen Gott nicht irgendwo ganz anders suchen, da er uns ständig unmittelbar nahe ist - wir müssen nur aufmerksamer werden für seine Gegenwart. Allerdings kann der Mensch, auch wenn er sich im tiefsten Herzen nach Gott sehnt, sich der Begegnung mit Gott auch entziehen. In wirklichkeitsnaher Menschenkenntnis schreibt Arborelius: "Der Mensch ist frei. Er kann nein sagen. Womöglich sagt er öfter: 'Jetzt gerade nicht.' ... Wir lieben unser Halbdunkel, unsere Mittelmäßigkeit und Lauheit." Die wenigsten Menschen sind direkt böse. Aber unsere Gleichgültigkeit gegenüber Gott und den anderen Menschen lässt leider so viel Böses in der Welt zu, dass Gott, um uns zu erlösen, selbst in diese Welt kommen und sich für uns kreuzigen lassen musste. Der Sinn unseres Lebens kann dann eigentlich nur darin bestehen, diese Liebe Gottes anzunehmen und sie zu erwidern. Wer darin dem Vorbild Jesu folgen will, wird für sein Leben Sinn und Erfüllung, Freude und Frieden finden. Allerdings kann dieser Weg der Nachfolge auch nicht ganz ohne Schmerz und Leid bleiben. In ebenso knapper wie nachvollziehbarer Weise formuliert der schwedische Kardinal: "Wir folgen einem gekreuzigten Herrn. Da wäre es höchst erstaunlich, wenn wir ihm nicht helfen sollten, sein heiliges Kreuz zu tragen, sei es auch nur einen kleinen Splitter. Gerade darin erweist er uns seine Gnade und sein Vertrauen." Natürlich kann es auf dem Weg der Nachfolge immer wieder auch Rückschläge, Scheitern und Versagen geben. Aber Gott lässt uns immer wieder ganz neu beginnen, wir dürfen uns von ihm in jedem Augenblick heilen und erneuern lassen. Es gelingt Anders Arborelius wirklich immer wieder zu zeigen, dass für Gottes Geist nichts unmöglich ist, wie es der Untertitel formuliert. So kann sein Buch eine ebenso ermutigende wie erfreuliche Lektüre für viele Menschen sein. (Religiöses Buch des Monats Juli)

Thomas Steinherr

Thomas Steinherr

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Mit heiliger Ungeduld

Mit heiliger Ungeduld

Anders Arborelius
Benno (2018)

128 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 593956
ISBN 978-3-7462-5144-8
9783746251448
ca. 7,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Juni

Halleluja

Anfangs bekam Valerie Schönian "Tabernakel-Monstranz-Kopfschmerzen", als sie in die Lebensrealität von Franziskus von Boeselager, Priester in Münster, eintauchte. So viel Neues, Fremdes strömte auf sie ein. Valerie (Etiketten: Halleluja feministisch, links, kirchenfern) begleitete Franziskus (konservativ, aufgeschlossen) ein Jahr lang durch seinen Alltag: Taufen, Messen, Beerdigungen, Krankenkommunionen, Jugendgruppe, Weltjugendtag ... Über ihre Erlebnisse und ihre Diskussionen über Gott und die Welt, Glauben, Kirche, Frauen, Homosexuelle u.v.m. schrieb sie bereits im Blog "Valerie und der Priester". - Mehrere 100.000 Leser/innen im Monat verfolgten gespannt das Projekt des Zentrums für Berufungspastoral der Deutschen Bischofskonferenz im Internet, kommentierten, stellten Fragen. Würde Valerie den Priester Franziskus verstehen können? Und: Würde sie am Ende - der Gipfel der Hoffnung - bekehrt werden? - Valerie ist es gelungen, diese Spannung auch im Buch zu erzeugen, vielleicht sogar, sie zu verstärken. Sie hat die Texte des Blogs überarbeitet und chronologisch angeordnet. Und sie hat ihre eigene Auseinandersetzung mit dem Glauben viel stärker eingebracht. Damit ergeben sich auch für diejenigen, die den Blog bereits im Netz verfolgt haben, neue Einsichten. - Auf diese Weise wird deutlicher sichtbar, welche Entwicklung Valerie und Franziskus genommen haben, wie viel Unverständnis am Anfang da war, dass es einen Punkt gab, an dem sich alle Diskussionen nur noch im Kreis drehten und Valerie innerlich schon aufgegeben hatte. Eine Bemerkung von Franziskus änderte die Situation. Valerie entschied sich daraufhin, verstehen zu wollen. Von diesem Punkt an hörte sie ihm anders zu. "Meine Fragen waren keine Argumente mehr, sondern Versuche. Es ging nicht mehr um meine Perspektive, sondern um seine. Darum, die Welt durch Franziskus' Augen zu sehen. Die Welt so zu sehen, wie sie ist, wenn es Gott gibt."

Die Passagen, in denen Valerie über glauben und nicht-glauben-können reflektiert, sind mit die stärksten im Buch. Wobei, da gibt es noch viele mehr: der "heilige Rausch" beim Weltjugendtag in Polen, zum Beispiel. Ihr Weihnachtserlebnis ... - Abgesehen davon, dass sie sehr elegant mit Worten umzugehen und eine Geschichte packend zu erzählen weiß, führt die Lektüre von "Halleluja" unweigerlich dazu, sich selbst zu fragen: Was glaube ich eigentlich? - Das Buch erzählt außerdem viel darüber, warum sich die katholische Kirche so schwer damit tut, Menschen zu erreichen, die nicht zu ihrem Stammpublikum gehören. Zu fremd sind inzwischen Sprache und Riten geworden. Die bittere Erkenntnis: Die Welt außerhalb des katholischen Kokons wartet schon lange nicht mehr darauf, dass die Katholiken sich für sie interessieren. In den Worten von Franziskus: "Deine Welt haben wir zu wenig auf dem Schirm. Wir denken, Glaube und Gott würden alle interessieren. Mit so einer Einstellung drohen wir uns von der Realität zu entfernen. Wir müssen aber an ihr andocken." Selbstbezüglichkeit nannte das ein gewisser Kardinal Bergoglio vor dem Konklave 2013. - Valerie Schönian und Franziskus von Boeselager (und mit ihnen die Initiatoren) haben mit dem Projekt gezeigt, dass es möglich ist, die Selbstbezüglichkeit zu überwinden. Und dass man dabei gewinnt. Bei der Lektüre dieses Buches auch. (Religiöses Buch des Monats Juni)

Christoph Holzapfel

Christoph Holzapfel

rezensiert für den Borromäusverein.

Halleluja

Halleluja

Valerie Schönian
Piper (2018)

367 S.
kt.

MedienNr.: 593594
ISBN 978-3-492-06099-8
9783492060998
ca. 16,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Mai

Der christliche Glaube erklärt in 50 Briefen

Der Theologe Gerhard Lohfink legt in Briefform dar, was es mit dem christlichen Glauben auf sich hat. Adressiert an eine fiktive Familie, deren 9-jährige Tochter zur Erstkommunion gehen wird, bietet er Sachinformationen zu Glaubensfragen Der christliche Glaube erklärt in 50 Briefen und beschreibt, was es im Alltag konkret bedeutet, an Christus zu glauben. Dabei kommen einige sehr grundsätzliche Fragen ins Spiel, etwa, was mit Gottes Schöpfung gemeint ist, wenn doch eine wissenschaftliche Evolutionstheorie alles ganz anders erklärt, oder wie man überhaupt an einen guten Gott glauben kann angesichts von so viel Leid in der Welt. Dann geht es aber hauptsächlich um Jesus Christus, sein Verhältnis zu Gott und den Menschen, zu seinem Volk Israel und zur ganzen Welt. Was hat Jesus die Menschen gelehrt, warum musste er sterben - war dieser Tod wirklich ein "Opfertod" und wer wollte dann dieses Opfer? Und wenn Jesus wirklich von den Toten auferstanden ist, in welcher Weise ist er dann jetzt lebendig und für die Menschen gegenwärtig? So erfüllt das Buch einen dreifachen Zweck: Für alle, die noch kaum etwas über den christlichen Glauben wissen, ist es eine hervorragende Einführung; denen, die nach ihrem Glauben gefragt werden, aber nicht genau wissen, was sie antworten sollen, kann es eine wertvolle Argumentationshilfe sein; und es kann all denen, die sich selbst in ihrem Glauben immer wieder mit bestimmten Fragen und Zweifeln beschäftigen, neue Perspektiven aufzeigen. Und obendrein kann es auch noch ein guter Anlass für weitergehende Gespräche über den Glauben sein.

Thomas Steinherr

Thomas Steinherr

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Der christliche Glaube erklärt in 50 Briefen

Der christliche Glaube erklärt in 50 Briefen

Gerhard Lohfink
Herder (2018)

268 S.
fest geb.

MedienNr.: 880304
ISBN 978-3-451-34795-5
9783451347955
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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