Religiöses Buch des Monats

August

Theater für Engel

Schaut man von außen auf den christliche Glauben, kann einem dieser schon vorkommen wie ein Grundstück, das von einer hohen Hecke umgeben ist. Der Betrachter kann nicht einschätzen, was sich hinter der Hecke verbirgt: ein verfallener Theater für Engel Schuppen - oder ein gepflegter Garten? Und wo wäre überhaupt das Gartentor? Der tschechische Theologe Tomá? Halík nimmt in diesem Buch die Heckenschere zur Hand und schneidet denen, die auf der Suche nach einem tragfähigen Glauben sind, einen Weg in diesen Garten frei. Er bezieht sich dabei auf einen Vorschlag, den Kardinal Ratzinger 2005 an "unsere ungläubigen Freunde" richtete. Wenn es ihnen nicht möglich sei den christlichen Glauben anzunehmen, könnten sie doch den Gedanken der Existenz Gottes als Möglichkeit annehmen und so leben, als ob es Gott gäbe. - Halík setzt sich kritisch zustimmend mit diesem Vorschlag auseinander. Er setzt dabei auf die Analogie zum Theater, wo sich ein Schauspieler ja auch intensiv mit einer Rolle auseinandersetzen muss. Erst wenn er eine Beziehung dazu gefunden hat, kann er (oder sie) diese Rolle überzeugend verkörpern. - In der Auseinandersetzung mit der Religionskritik (vor allem Nietzsche, Freud und Feuerbach) und mit dem Werk anderer Theologen (Dorothee Sölle, Gerhard Ebeling) versucht Halík einen Weg zu bahnen zu einem Glauben, der Gott als Möglichkeit begreift, der dem Glaubenden "einen Raum eröffnet, in dem er vollständig und verantwortlich in der Wahrheit und in der Freiheit leben kann." Gleichzeitig betont Halík das Geheimnis Gottes und warnt vor einfachen und einseitigen "Definitionen" Gottes. Gott gibt es nicht als "Billigware", sondern nur im Ringen zwischen der Bibel, der persönlichen Glaubenserfahrung und dem unfassbaren Geheimnis seiner Größe. - Damit jedoch ein Suchender den Garten betreten und Gott als Möglichkeit begreifen kann, muss noch eine andere Voraussetzung erfüllt sein, auf die Halík mehrfach zu sprechen kommt. Die Christen müssen den Suchenden "auf Augenhöhe" begegnen, nicht von oben herab (als solche, die den Glauben bereits "besitzen"), sondern als Pilger, die gleichfalls auf der Suche sind. Denn auch für den Christen bleibt Gott unerschöpfliches Geheimnis. - Wenn man lebt, als ob es Gott gäbe, überlegt Halík weiter, gilt es auch, das Gebet zu entdecken. Beten, sagt er, ist weitaus mehr als ein Gebet zu sprechen. Es bedeutet, das Leben selbst als einen Dialog zu leben, als Antwort auf die Anrede Gottes. "Das Gebet ist jedoch nicht nur eine 'Schule des Zuhörens', sondern auch des Antwortens, es ist auch und vor allem eine Schule der Verantwortung." - Was Halík auszeichnet, ist sein weiter Horizont, die Tatsache, dass er auch mit den "Atheisten" das Gespräch sucht und ihre Anfragen in die Entwicklung seiner Position einbezieht. Außerdem hat er die Gabe, theologische Gedankengänge auch für Nicht-Theologen verständlich darzulegen (auch wenn man ein gewisses Maß an Konzentration aufbringen muss). Mit seinem Buch ermutigt er Skeptiker und Menschen, deren Glaube unsicher geworden ist, durch das Gestrüpp der Glaubensvorstellungen und Widersprüche einzutreten und im "Theater für Engel" mitzuspielen. (Religiöses Buch des Monats August)

Anja und Christoph Holzapfel

Anja und Christoph Holzapfel

rezensiert für den Borromäusverein.

Theater für Engel

Theater für Engel

Tomá? Halík
Herder (2019)

240 S.
fest geb.

MedienNr.: 597216
ISBN 978-3-451-38469-1
9783451384691
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Juli

Beten ist menschlich

Nur jeder fünfte Deutsche betet regelmäßig. Fast die Hälfte der Deutschen betet nie. So geben es jedenfalls die von Meinungsforschern Befragten selbst an. Der italienische Ordensmann Ermes Ronchi würde diese Aussagen aber wohl Beten ist menschlich anzweifeln. "Beten ist menschlich" heißt sein neues Buch, und tatsächlich hält er das Beten nicht nur für einen bewussten Akt religiöser Menschen, sondern für einen Grundvollzug des Menschseins überhaupt: "Beten ist der mehr oder weniger 'ausdrückliche' Wunsch, jemand möge das Verlangen, das dem Leben innewohnt, stillen". Das soll nun aber keine erschöpfende Definition des Betens sein - Beten ist nach Ronchis Überzeugung etwas derart "Umfassendes und Komplexes, dass eine systematische Abhandlung unmöglich ist". Sein Buch erzählt vielmehr von der Erfahrung, die Menschen mit dem Beten seit Jahrtausenden gemacht haben - nicht zuletzt natürlich Jesus selbst, der immer wieder zum Gebet auffordert und in zahlreichen Gleichnissen darüber spricht. Ronchi betrachtet ausführlich die Psalmen, das große Gebetbuch für Juden und Christen, er untersucht die verschiedenen Gebetsformen, von denen der Apostel Paulus schreibt, und zwei der großen Gebete des Evangeliums, Marias "Magnificat" und den Lobgesang des Zacharias. Er stellt fest, dass einige Dimensionen des Betens immer wiederkehren, sei es einzeln oder auch gleichzeitig. Zunächst ist da das Bitten aus einer reinen Bedürftigkeit heraus: für uns selbst in unseren konkreten Nöten, aber auch für Angehörige und Freunde oder für alle Kranken und Not-Leidenden. Es gibt aber auch ein tieferes sehnsüchtiges Verlangen: nach Liebe, Vergebung, Einheit, Frieden, nach allem was gut ist. Für Christen ist da natürlich auch der Wunsch nach Begegnung und Zusammensein mit dem persönlichen Gott, der sich uns in der Schrift und vor allem in seinem Sohn Jesus Christus geoffenbart hat. Und schließlich gibt es auch das Beten aus Dankbarkeit, das sich in Lobpreis und Anbetung äußert. Ronchi spart auch die großen Fragen, die sich beim Thema Beten stellen, nicht aus: Soll man im Gebet überhaupt bitten? Einerseits sagt Jesus doch, wir sollen nicht viele Worte machen - unser himmlischer Vater wisse schließlich schon, was wir brauchen. Andererseits enthält dann gerade das Vaterunser sieben Bitten. Für Ermes Ronchi kein Widerspruch: Jesus lehrt uns damit nämlich, vor allem um das Wesentliche zu bitten - sehr oft bitten wir in unseren Gebeten nämlich um viel zu wenig. Und was ist, wenn unsere Bitten nicht erhört werden? Ronchi antwortet auch hier auf überraschende Weise und meint, wir sollten zunächst einmal die Frage umdrehen: Hören wir denn Gottes Bitten? Letztlich geht es beim Beten vor allem um Vertrauen: Wir dürfen Gott um alles bitten, auch um konkrete Dinge, wir sollen es sogar tun, gleichzeitig sollen wir aber darauf vertrauen, dass Gott auch dann seine Verheißungen erfüllt, wenn er unsere konkreten Bitten nicht erhört. Und wir sollten bedenken, dass es für uns durchaus auch wertvoll sein kann, wenn nicht alle Bitten erhört werden: Gerade durch das Ausbleiben ihrer Erfüllung sorgen sie dafür, dass wir uns offenhalten für mehr, für etwas, das uns übersteigt, für Gott. Wem alle Wünsche erfüllt werden, der läuft dagegen Gefahr, hinter den einzelnen Gaben den Geber zu vergessen, der doch das Wichtigste und das Einzige ist, was wirklich dauerhaft Erfüllung zu geben vermag. Ermes Ronchi geht davon aus, dass Beten nicht nur etwas für die besonders Frommen ist, sondern ein Grundbedürfnis aller Menschen - und so richten sich auch seine Betrachtungen zum Gebet wirklich an alle, die mit Gott ins Gespräch kommen wollen. Wer sich noch kaum mit dem Thema auseinandergesetzt hat, wird überrascht sein, wie vielschichtig es sich hier präsentiert. Aber auch wer sich schon lange mit dem Thema Beten beschäftigt, wird hier noch Neues und Überraschendes finden. (Religiöses Buch des Monats Juli)

Thomas Steinherr

Thomas Steinherr

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Beten ist menschlich

Beten ist menschlich

Ermes Ronchi
Verl. Neue Stadt (2019)

231 S.
fest geb.

MedienNr.: 597910
ISBN 978-3-7346-1185-8
9783734611858
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Juni

Gott funktioniert nicht

Der Titel von Thomas Frings' Buch ist auf den ersten Blick missverständlich. Doch bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass diese Doppeldeutigkeit durchaus gewollt ist und den Nerv der Zeit trifft. Wenn man z.B. auf die Umfrage Gott funktioniert nicht schaut, mit der das Nachrichtenmagazin Der Spiegel seine Leser*innen zu Ostern beglückte, könnte man den Titel "Gott funktioniert nicht" so verstehen, dass Gott keine überzeugende Idee ist, denn nur 55 Prozent der Befragten glauben überhaupt an (irgendeinen) Gott. Doch so meint Frings das gerade nicht. Nach "Aus, Amen - Ende?" (2017), in dem er die derzeitige pastorale Praxis scharf kritisierte, legt der ehemalige Pfarrer aus Münster jetzt dar, warum, was und wie er glaubt. Weil der Glaube an Jesus Christus in unserer Gesellschaft längst nur noch eine Option unter anderen ist, müsse er gut begründet sein, so Frings. Denn: "Wo der Glaube fragwürdig geworden ist, hilft es nicht, frühere Gewissheiten zu beschwören." Für seine Begründung hat er eine wohltuend alltagsnahe, handfeste Sprache gefunden, die Glauben und Zweifel nicht hinter frommen Worthülsen versteckt. Statt vermeintliche Gewissheiten zu referieren, erklärt er lieber, was Gott nicht ist. Zum Beispiel kein Gebetsautomat, in den man oben eine Bitte einwirft und unten wie bei einem Fahrkartenautomat eine Gebetserhörung herausbekommt. Gott funktioniert nicht - zumindest nicht so. Für Thomas Frings steht fest, dass Gott in dieser Welt wirkt, doch dieses Wirken lässt sich nicht so einfach beschreiben. "Wir können nicht erwarten, dass wir andere mit unserem Glauben oder gar Wundererzählungen logisch überzeugen", fasst er das Problem zusammen. "Zugleich müssen wir daran festhalten, dass etwas Unglaubliches Kern unseres Glaubens ist." Oder mit dem Theologen Karl Rahner gesprochen: Es geht darum, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten. Aber ist das nicht viel zu schwammig? An dieser und an einigen anderen Stellen wirkt der Text, als sei Frings auf halber Strecke stehen geblieben. Doch ist das nur konsequent. "Gott funktioniert nicht" heißt eben auch: Gott und sein Wirken entziehen sich dem menschlichen Wunsch nach Definition. "Gott ist nie Besitz, sondern immer ein zu Suchender, bis zum Ende des Lebens, an dem die Begegnung mit ihm auf mich wartet." Dass zum Glauben auch gehört, Nicht-Wissen auszuhalten, dass die Rede von Gott als Geheimnis nicht Denkfaulheit, sondern Einsicht in das Wesen Gottes ist, gehört (warum eigentlich?) offensichtlich nicht zum Allgemeinwissen. Thomas Frings hätte das auch noch deutlicher auf den Punkt bringen dürfen. Aber auch so verfehlt er seine Wirkung nicht und regt gerade an den Stellen, die unfertig wirken, dazu an, eine eigene Position zu suchen. Deshalb ist es ein Glück, dass Thomas Frings in seinem Buch in aller Bescheidenheit versucht, Rechenschaft von der Hoffnung zu geben, die ihn trägt - und dabei darauf verzichtet, alles genau zu wissen. Das macht es so lesenswert. (Religiöses Buch des Monats Juni)

Anja und Christoph Holzapfel

Anja und Christoph Holzapfel

rezensiert für den Borromäusverein.

Gott funktioniert nicht

Gott funktioniert nicht

Thomas Frings
Herder (2019)

189 S.
fest geb.

MedienNr.: 597210
ISBN 978-3-451-38026-6
9783451380266
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Mai

Durchkreuzt

Mit 54 Jahren ereilt den Jesuiten Andreas Batlogg aus heiterem Himmel die Diagnose Darmkrebs. Auf einen Schlag platzen alle Vorhaben, eine sofortige Behandlung ist unerlässlich, die Krankheit beansprucht alle Kräfte und alle Gedanken Durchkreuzt - bis hin zur bohrenden Frage, ob vielleicht der baldige Tod bevorsteht. Es folgt ein viele Monate dauernder Behandlungsweg mit Bestrahlungen, Chemotherapie, Operationen. Ein Weg voller Ängste, Einbußen und Einschränkungen, die nicht nur den Leib schwächen, sondern auch zu seelischen Belastungen werden. Der Autor beschönigt hier nichts, auch gibt er ganz offen zu, dass vieles eher oberflächlich gehaltene fromme Gerede auf dem Prüfstand einer solchen Extremsituation nicht standhält. Und doch öffnet ihm die Krankheit auch die Augen für Neues, lässt ihn neue Perspektiven einnehmen und zeigt, was wirklich Trost spenden kann: menschliche Zuwendung, die nicht viele Worte macht, echte Freundschaften und nicht zuletzt der Glaube an einen liebenden Gott, der in Jesus Christus wirklich immer für uns da ist. Diese spirituelle Einsicht gewinnt freilich erst durch die durchlittene Realität hindurch ihre eigentliche Wahrheit. "Vielleicht reden wir Christen manchmal zu schnell von Auferstehung - und übergehen auf dem Weg zum Ostermorgen das, was ihm vorausging", schreibt Batlogg. Wirklich schonungslos schildert der Jesuit die Verletzlichkeit seines Leibes wie seiner Seele - und öffnet uns dadurch die Augen für unsere eigene Verletzlichkeit (und die unserer Mitmenschen). Gerade in der freimütigen Darstellung, die kein schlimmes Detail ausspart, geschieht eine befreiende und bereichernde Mit-Teilung von Krankheit und Leiden, die uns Leser/innen zu größerer Empathie gegenüber Kranken wie zum wacheren Bewusstsein der eigenen Endlichkeit befähigt, Ängste vor Leiden und Sterblichkeit zumindest ein Stück weit abbauen hilft, Trost und Ermutigung sein kann und ein gelassen und frei machendes Gottvertrauen vermittelt. (Religiöses Buch des Monats Mai)

Thomas Steinherr

Thomas Steinherr

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Durchkreuzt

Durchkreuzt

Andreas R. Batlogg
Tyrolia-Verl. (2019)

192 S. : Ill. (z.T. farb.)
fest geb.

MedienNr.: 596903
ISBN 978-3-7022-3745-5
9783702237455
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re, Fa
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April

Das Christentum

Kann man das machen? Ein Buch empfehlen, das das Christentum mit sehr deutlichen Worten in den Senkel stellt? "Die Geschichte des Christentums ist eine große Geschichte des Scheiterns, des Verrats und des Herumtrampelns auf der Das Christentum eigenen Botschaft. Es ist eine Geschichte der ewigen Vermischung menschlicher Interessen mit denen Gottes, und es ist eine Geschichte der Instrumentalisierung des Glaubens für Macht, Herrschaft und Besitz." Ja, man kann so eine Empfehlung aussprechen. Vielleicht muss man das sogar, um zu verstehen, wie das Christentum wurde, was es heute ist - und wie es in Zukunft damit weitergehen könnte. - Außerdem lässt Christian Nürnberger - Journalist, Theologe und Autor ("Der rebellische Mönch, die entlaufene Nonne und der größte Bestseller aller Zeiten", ebenfalls bei Gabriel erschienen) - keinen Zweifel daran, dass es auch die andere Seite des Christentums gibt - und dass es der Welt nicht gut bekommen würde, wenn es Kirche und Christentum eines Tages nicht mehr gäbe. - Deshalb hat Nürnberger aufgeschrieben, was er für das Wesentliche des Christentums hält. Er fängt bei Abraham an und schildert die Glaubensgeschichte von Juden und Christen als Geschichte des Versuchs Gottes, den Hang des Menschen zu Egoismus, Clandenken, Gewalt und Selbstzerstörung zu durchbrechen und ihn für eine Lebens- und Gesellschaftsform zu gewinnen, die Jesus zuletzt "Reich Gottes" genannt hat. Es ist eine Geschichte wiederholten Scheiterns und wiederholter Aufbrüche. - Nürnbergers mitreißende Schilderung dieser Glaubensgeschichte bietet einige Überraschungen. Zu nennen wäre z.B., dass er einen Zusammenhang herstellt zwischen Isaaks Beinahe-Opferung und der Bergpredigt, oder dass er den unschätzbaren Wert der jüdisch-christlichen Rede von der Sünde betont, weil der Mensch auf Dauer nur überleben wird, wenn er sich selbst klar sieht - und sich dabei nichts vormacht. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass die Pointe des christlichen Glaubens gerade in dem steckt, was ihn von allen anderen Religionen unterscheidet. Nürnberger liefert dann keine Definitionen des unterscheidend Christlichen, sondern Geschichten. Zum Beispiel die von Pfarrer Holmer, der 1990 dem Ehepaar Honecker in seinem Pfarrhaus Asyl bot. Oder die von der Schriftstellerin Herta Müller, die sich weigerte, mit der Securitate zusammenzuarbeiten. Oder die vom Barmherzigen Samariter. - Nürnberger erzählt auf Augenhöhe mit den Zweiflern und religiös nicht mehr trittfesten Zeitgenossen. Geschickt greift er Einwände gegen die Vernünftigkeit des christlichen Glaubens auf und schlägt Brücken von unserer in die fremde Welt der Bibel. Dabei kommt er ohne die gängigen theologischen Floskeln und Fremdwörter aus. Sein Buch bietet Jugendlichen (ab 14, 15 Jahren) und Erwachsenen jede Menge Stoff zum Nachdenken, Gedanken, an denen man sich reiben und seine eigenen Überzeugungen prüfen kann. Ein Buch, das nachhallt und hoffentlich viele Leser*innen findet!

Anja und Christoph Holzapfel

Anja und Christoph Holzapfel

rezensiert für den Borromäusverein.

Das Christentum

Das Christentum

Christian Nürnberger
Gabriel (2019)

335 S.
fest geb.

MedienNr.: 596810
ISBN 978-3-522-30514-3
9783522305143
ca. 15,00 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 13
Systematik: Re
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März

Zeit der liebenden Aufmerksamkeit

Auch ohne religiöse Motivation unterziehen sich viele im Frühjahr einer Fastenkur. Allerdings geht es bei der Fastenzeit, die von der Kirche "österliche Bußzeit" genannt wird, eigentlich um viel mehr als bloß um einen Zeit der liebenden Aufmerksamkeit - wie auch immer motivierten - zeitweisen Verzicht. Der Titel, den Kardinal Schönborn seinem "Begleiter für die Fasten- und Osterzeit" gegeben hat, bringt das sehr schön zum Ausdruck: Die Fastenzeit soll vor allem zu einer "Zeit der liebenden Aufmerksamkeit" werden. Schönborn vergleicht die Zeit vor Ostern mit dem Emmausweg der beiden Jünger im Lukasevangelium: Jedes Jahr wieder dürfen auch wir mit dem Herrn auf dem Weg sein und uns von ihm erklären lassen, warum der Messias leiden musste, um in seine Herrlichkeit zu gelangen. Die Beschäftigung mit der Heiligen Schrift ist deshalb ein wesentliches Merkmal der Fasten- und Osterzeit, und auch wenn wir die Texte schon oft gehört haben, dürfen wir jedes Jahr wieder neu Kraft und Einsicht daraus schöpfen. Und tatsächlich werden selbst mit der Bibellektüre vertraute Leser/innen in diesem Buch sicherlich auch neue Sichtweisen auf die bekannten Texte entdecken. Das Buch bietet Betrachtungen zu den Sonntags-Evangelien von der Fastenzeit bis Pfingsten für alle drei Lesejahre, so dass der Fastenbegleiter zum einen jedes Jahr aktuell ist und andererseits auch eine größere Vertiefung erlaubt. Kardinal Schönborns Auslegungen des Evangeliums sind keine theologischen Reflexionen, vielmehr lebensnahe Betrachtungen. Auch sind es ursprünglich keine Predigten, sondern Beiträge für Österreichs größte Tageszeitung, sie richten sich also nicht ausschließlich an Kirchgänger/innen, sondern im Grunde an alle. Und es sollen auch nicht Unterweisungen im Glaubenswissen sein, sondern Ermutigungen, die Worte des Evangeliums persönlich zu betrachten. Wer dieser Einladung folgt, wird in jedem Fall Gewinn daraus ziehen. (Religiöses Buch des Monats März)

Zeit der liebenden Aufmerksamkeit

Zeit der liebenden Aufmerksamkeit

Christoph Kardinal Schönborn
Patmos-Verl. (2019)

223 S.
fest geb.

MedienNr.: 914953
ISBN 978-3-8436-1120-6
9783843611206
ca. 19,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Februar

Wenn der Glaube konkret wird

"Ihr seid das Salz der Erde", sagt Jesus in der Bergpredigt. Und im gleichen Atemzug: "Ihr seid das Licht der Welt". Doch könnte man angesichts anhaltender Diskussionen um Macht und deren Missbrauch, um Priestermangel Wenn der Glaube konkret wird und dessen Verwaltung, um Reformen oder weiter so durchaus den Eindruck bekommen, dass es mit Licht und Salz in der katholischen Kirche in Deutschland im Moment nicht weit her zu sein scheint. Genau deshalb erinnert Franz Kamphaus, bis 2007 Bischof von Limburg, an die Bergpredigt als Grundgesetz des Christentums. Warum, fragt er, steht sie nicht im Mittelpunkt allen kirchlichen Wirkens, wenn sie doch den Dreh- und Angelpunkt der Botschaft Jesu vom Reich Gottes bildet? Müsste die Reich-Gottes-Botschaft, für die Jesus den Tod in Kauf genommen hat, nicht im Mittelpunkt des jetzt fälligen Neuaufbruchs stehen? - Kamphaus hört genau hin, was Jesus in den Seligpreisungen und in den Antithesen (Ihr habt gehört ¿ Ich aber sage euch ¿) sagt über Gerechtigkeit, Mord und die Ehe - und was das für Christen heute bedeutet. Dabei entschärft er nichts. Jesu Forderungen, Gewalt nicht mit Gegengewalt zu beantworten und die Feinde zu lieben, sind dabei sicher diejenigen, die am schwersten verdaulich sind. Dennoch dürfen sich die Christen nicht um deren Verwirklichung drücken, wie es in der Vergangenheit immer wieder geschehen sei. Jesus gehe es darum, die Vergeltungslogik (Wie du mir, so ich dir) zu durchbrechen. "Die Bösen und Ungerechten schreiben Gott nicht vor, wie er sich zu verhalten hat. Gottes Handeln ist nicht vom Prinzip der Gegenseitigkeit bestimmt. Nicht das Handeln des Feindes soll uns bestimmen, sondern das Handeln Gottes." Also: Wie Gott mir, so ich dir. - Zum entscheidend Christlichen - dem Kennzeichen C sozusagen - gehört außerdem, sanft, arm und barmherzig zu sein. Diese Grundhaltungen ergeben sich, so Kamphaus, aus den Seligpreisungen. Sie sind auf den ersten Blick vielleicht nicht gerade attraktiv, stehen sie doch in deutlichem Kontrast zu den Werten unserer Leistungs- und Konsumgesellschaft, können aber enorme Strahlkraft entfalten. Denn sie zeigen, was es heißt, unter der Herrschaft Gottes zu leben, sich für das Reich Gottes zu entscheiden und es mit Leben zu füllen. - Diese Auslegung der Bergpredigt ist die Frucht einer lebenslangen Auseinander-setzung mit diesem Text. Abschnitt für Abschnitt macht Kamphaus sie in knappen, klaren Worten für die Welt von heute fruchtbar und ermuntert die Leser/innen, gerade das ernst zu nehmen, was daran utopisch scheint. Es genügt eben nicht, dass das Reich Gottes nur in der Seele der Menschen wächst, es muss nach außen wirken. Dabei helfen auch die "Anstöße" am Ende eines jeden Kapitels, die das Gesagte für die persönliche Auseinandersetzung zusammenfassen. - Wichtig ist dem Autor allerdings, dass nicht der Eindruck von Leistungszwang entsteht. Das wäre auch nicht im Sinne Jesu. Wenn dieser seine Zuhörer durch die Zeiten als "Salz der Erde" und "Licht der Welt" bezeichnet, verwendet er den Indikativ. Es ist also gerade keine Aufforderung, sondern eine Feststellung: "Ihr seid". "Salz muss nur da sein, das reicht", kommentiert Kamphaus. "Und wenn es da ist, würzt es auch. Wo wir da sind als Christen, da geben wir Geschmack." - Kamphaus' Buch hilft, den eigenen Salzgehalt nicht zu vergessen, und ermutigt dazu, Jesus beim Wort zu nehmen und die christlichen Grundhaltungen zu leben.

Anja und Christoph Holzapfel

Anja und Christoph Holzapfel

rezensiert für den Borromäusverein.

Wenn der Glaube konkret wird

Wenn der Glaube konkret wird

Franz Kamphaus
Patmos-Verl. (2018)

144 S.
fest geb.

MedienNr.: 593284
ISBN 978-3-8436-1034-6
9783843610346
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Januar

Weiß der Himmel ...?

"Wie ich über die Frage nach Leben und Tod stolperte und plötzlich in der Kirche saß" - mit diesem Untertitel erklärt Tillmann Prüfer sehr anschaulich, was ihn zu diesem Buch veranlasste. Der sehr erfolgreiche Journalist, Weiß der Himmel ...? Anfang 40, lebt mit seiner Familie ein glückliches, unbeschwertes Leben, als ihn der plötzliche Tod seines besten Freundes aus all seinen Sicherheiten reißt. Er spürt einerseits den ganz starken Wunsch, glauben zu können - an eine "Macht, die den Dingen Sinn gibt, auch den schrecklichen Dingen." Andererseits hat er sich vom religiösen Glauben seiner Kindertage längst ganz weit entfernt. Und in seiner Alltagswelt als Modekritiker bei einem Zeitungs-Magazin findet seine Sehnsucht nach Glauben kaum einen Ansatzpunkt. Tillmann Prüfer begibt sich also auf eine Suche nach Möglichkeiten, den Glauben vielleicht doch auch für sich selbst finden zu können. Er schildert in diesem Buch seinen Weg, der ihn langsam und nicht immer in der erwarteten Weise, aber doch immer näher hinführt zu der Faszination, die der Glaube für einen Menschen bedeuten kann. Von ersten Besuchen in der Kirche zum Gottesdienst über einen Aufenthalt in einem Südtiroler Kapuzinerkloster bis zu einer Israelreise. Es ist ein Weg, der am Ende des Buches noch lange nicht zu Ende ist - und sicherlich auch ein ganzes Leben lang nicht an ein Ende kommen wird, bleiben manche Zweifel doch ein lebenslanger Begleiter für jeden Glaubenden, wie Prüfer nach einiger Zeit mit einer gewissen Erleichterung feststellt. Und auch wenn der Glaube nicht bewiesen werden kann, sprechen doch ebenso gute Argumente für ihn wie gegen ihn - so fasst Tillmann Prüfer am Schluss des Buches "zehn gute Gründe für den Glauben" zusammen, die schließlich in der Alternative gipfeln: Es gibt nur den Sinn oder die Sinnlosigkeit. Bei allem Tiefgang ist das sehr persönliche und mutige Buch auch humorvoll geschrieben, dazu - wie man es von einem Journalisten erwarten darf - auch äußerst lebendig, spannend und unterhaltsam, sodass es zweifellos ganz viele Leser/innen anzusprechen vermag.

Thomas Steinherr

Thomas Steinherr

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Weiß der Himmel ...?

Weiß der Himmel ...?

Tillmann Prüfer
Gütersloher Verl.-Haus (2018)

188 S.
fest geb.

MedienNr.: 896867
ISBN 978-3-579-08706-1
9783579087061
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
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