Roman des Monats Juli / August

Wer wir sind

"Sind wir noch Familie?", so fragt Lena Goreliks Mutter häufig ihre Tochter, die sie viel zu selten sieht. Als 11-jähriges Mädchen ist die bekannte Autorin mit ihrer Familie wegen antisemitischer Anfeindungen von St. Petersburg Wer wir sind nach Deutschland ins Schwäbische gezogen. Sie musste die ihr bisher bekannte Welt zurücklassen, die Freundinnen und den geliebten Hund. In ihrem Roman versucht sie der Frage nachzugehen, wer sie sind und so schlägt sie den Bogen von ihren Urgroßeltern bis in die Gegenwart. Der Alltag im Übergangslager für Aussiedler hinter Stacheldraht hat das Mädchen stark geprägt. Die Eltern, beide Ingenieure, müssen die Familie mit unterbezahlten Jobs über Wasser halten. Der Wunsch des Mädchens, zu sein wie die anderen Kinder, die Scham über die Eltern, welche die deutsche Sprache nicht beherrschen, wetteifern mit einem schlechten Gewissen und der Liebe zu den Eltern. - Gorelik schildert in ihrem autobiografischen Roman eindrücklich ihre unterschiedliche Kindheit in Russland und Deutschland, sowie den Alltag mit ihren Kindern. Gleichzeitig stößt sie uns auf die eigene Familiengeschichte. Die Frage nach unserer Prägung, nach den Menschen, die uns wichtig sind, begleitet die Leser/-innen auch noch nach Beendigung der Lektüre. Ein nachdenkenswerter Roman für alle Bestände.

Susanne Emschermann

Susanne Emschermann

rezensiert für den Borromäusverein.

Wer wir sind

Wer wir sind

Lena Gorelik
Rowohlt Berlin (2021)

316 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 605179
ISBN 978-3-7371-0107-3
9783737101073
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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Auszeichnung: Roman des Monats