Spurensuche 2016 - HeimatFluchten

Reisen - Abhauen - Flüchten in der Kinder- und Jugendliteratur

Ein Tagungsbericht von Vera Steinkamp und Matthias Keidel und die Medienliste der von Angelika Rockenbach und Bettina Kraemer vorgestellten Titel.

Das Auditorium war erneut gut gefüllt, als es bei der 28. Spurensuche um Geschichten vom Unterwegs sein ging. Dabei wurde der Bogen vom Reisen über das Flüchten oder Abhauen bis hin zum Ankommen, Dazugehören und Zuhausesein gespannt.

Der Pastoralpsychologe Professor Wolfgang Reuter zeigte, wie die ‚Orts-Veränderung‘ ein Lebensthema jedes Menschen ist. Ortsverlust und Verortung sind Erfahrungen, die in jeder Lebensgeschichte vorkommen ob Auszug aus dem Elternhaus, Wohnortwechsel, Arbeitsplatzwechsel, sowie die täglichen Ortswechsel, die den Alltag strukturieren. Zwischen Ortsverlust und Verortung sei aber auch stets eine Grunddynamik menschlichen Lebens wirksam. Diese bestehe in ‚Bindung‘ und ‚Trennung‘ als existenzieller Urerfahrung. So markiere die Geburt, d.h. die Ent-Bindung bereits den Verlust des vorgeburtlichen Raumes und die sich daraus ergebende Lebensaufgabe, sich im neuen Lebens-Raum zu verorten und diesen zu gestalten. Menschen erschlössen sich Lebens-Räume kreativ durch die Schaffung von inneren und äußeren Räumen sowie Zwischenräumen wie z.B. zwischen dem Ich und den Anderen, zwischen Innen und Außen, zwischen Ort und Ortlosigkeit, zwischen Mensch und Gott. Nach Reuter vollziehe sich die Lebens-Raum-Gestaltung auch in den Zwischenräumen von Kultur und Literatur, d.h. in Märchen, Mythen, Sagen, Heiligen Schriften sowie in Theater, Oper und Kino.

Dr. Ines Galling, Lektorin der Internationalen Jugendbibliothek München, erläuterte in ihrem Vortrag literarische Räume und zeigte auf, dass Bedeutungsräume keine Abbilder der Welt seien. Ihr Fazit: Kinder- und Jugendliteratur stellt einen Möglichkeitsraum dar, in dem menschliche Grunderfahrungen freigelegt und kollektive Erfahrungen anhand eines individuellen Schicksals aufbereitet werden können.

Die Literaturwissenschaftlerin Dr. Daniela Frickel skizzierte schließlich in ihrem Referat die Formen spiritueller Suche in der Jugendliteratur und kam zu dem Befund, dass Religion erneut Thema in der Jugendliteratur sei und in neuen Buchtiteln und Texten sehr selbstverständlich von Gott und Jesus die Rede sei. In kirchlich-konfessioneller Form spiele Religion jedoch kaum eine Rolle.

Ergänzt wurden die Vorträge durch kreative Workshops und Buchvorstellungen zum Thema. Den Höhepunkt der Tagung bildete die Literarische Nacht mit spannenden und humorvollen Lesungen der Autorin Andrea Karimé, den Autoren Simak Büchel und Nils Mohl sowie den drei Jazzmusikern von triosence, die auf ihrer aktuellen Tournee für Konzert und Literarische Nacht in der Wolfsburg Station machten und das Publikum stürmisch begeisterten.

Vera Steinkamp, Medienforum des Bistums Essen zur Seite
Dr. Matthias Keidel, Die Wolfsburg zur Seite


Die Kinder- und Jugendbücher zum Thema der Spurensuche stellten Angelika Rockenbach, Sankt Michaelsbund und Bettina Kraemer, Borromäusverein vor.

Medienliste HeimatFluchten KJL

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