Ein Abend mit Lauren Wolk

Stellen Sie sich ein typisches Farmhaus in den USA vor, wie in „Unsere kleine Farm“ vielleicht. Dazu ein paar Nebengebäude, verteilt in einer hügeligen Landschaft, im Hintergrund Wald. Dann haben Sie eine Vorstellung von der Farm in Pennsylvania, auf der Lauren Wolks Lauren Wolk Mutter aufgewachsen ist. Die Farm und die Menschen, die dort lebten, standen Pate für das Umfeld ihres Jugendromans „Das Jahr, in dem ich lügen lernte“ (Rezension siehe unten). Für das Buch ist sie zusammen mit ihrer Übersetzerin Birgit Kollmann mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet worden.

Wie dieses Buch entstanden ist und wie sehr biografische und familiäre Bezüge die Geschichte inspiriert haben, erzählte Wolk anhand zahlreicher Fotos am Abend nach der Preisverleihung bei einer Veranstaltung, die der Borromäusverein e.V. zusammen mit der STUBE (Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur, Wien) und der Deutschen Bischofskonferenz als Ausrichterin des Preises unter dem Motto „Was Gummienten, Tiefseequallen und Meerjungfrauen gemeinsam haben?!“ organisierte.

„Girls rock!“

An diesen Einblick in Lauren Wolks Schreibwerkstatt schloss sich ein Gespräch an, bei dem Wolk mit sichtlicher Freude die Fragen von Mitgliedern der Jury und der Schriftstellerin Susan Kreller beantwortete, die bei der Preisverleihung eine herausragende Laudatio gehalten hatte (Text der Laudatio als PDF-Dokument). Wolk erwies sich als charmante und kluge Gesprächspartnerin, die das Publikum schnell für sich eingenommen hatte. Auf Annabelle angesprochen, die weibliche Hauptfigur, sagte sie, ihr sei wichtig, mit starken Mädchen- und Frauenfiguren zu zeigen, wozu diese im Stande seien. Deshalb seien auch die Hauptfiguren in ihren anderen Büchern („Eine Insel zwischen Himmel und Meer“, in diesem Jahr erschienen, und ein weiteres Buch, an dem sie gerade schreibt) Mädchen. „Girls rock!“, fasste sie ihre Haltung zusammen.

 

Muntere Gesprächsrunde (Bettina Kraemer, Lauren Wolk, Caroline Bustin)

Auch das Alter von Annabelle habe sie mit Bedacht gewählt, weil Mädchen in diesem Alter noch unvoreingenommen und unverstellt seien wie Kinder und sich doch allmählich die Weisheit der heranwachsenden Frau zeige.

Mit „Das Jahr, in dem ich lügen lernte“ verbindet Wolk zwei Botschaften. Es sei ihre Art zu sagen, dass es wichtig ist, allen Tyrannen in jeglicher Gestalt, Größe und Verkleidung die Stirn zu bieten. Und zu helfen, wann immer es geht.

Die zweite Botschaft ist ihr genauso wichtig: Es kommt darauf an, was man tut und sagt. Man hat Einfluss und hinterlässt einen Eindruck, egal wie jung oder alt man ist. Außerdem sollte man nie seine Kraft unterschätzen, Veränderungen in der Welt zu bewirken.

Gummienten ...

Das Gespräch mit Lauren Wolk war nicht alles, was dieser Abend zu bieten hatte. Die Mitglieder der Jury stellten Titel von der diesjährigen Empfehlungsliste und ganz neue Kinder- und Jugendbücher vor. Hier kamen die Gummienten, Tiefseequallen und Meerjungfrauen aus dem Titel der Veranstaltung zum Zuge. Das Publikum dürfte am Ende des Abends mit einer Mischung aus Staunen, Vorfreude und Verzweiflung über diese vielen tollen, lesenswerten Bücher nach Hause gegangen sein.

Bücher von Lauren Wolk

Das Jahr, in dem ich lügen lernte

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Eine Insel zwischen Himmel und Meer

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