Achtung - die Dinos sind los!

Sie sind ein Dauerbrenner bei Kindern. Die Fasziniation für die Riesenechsen verläuft bei den Verlagen eher in Wellenbewegungen. In diesem Herbst gibt es wieder etliche Neuerscheinungen, die selbst eingefleischte Fans überraschen. - Antje Ehmann hat die passenden Titel ausgegraben. 


Im Traum gelangt er in die Vorzeit, mitten zu den Dinosauriern, der Junge Henry, Hauptfigur in diesem Bilderbuch. Thé Tjong-Khing hat sich für „Henry bei den Dinosauriern“ von der Ausgrabung des Tyrannosaurus Rex Trix für das Museum Naturalis der Stadt Leiden inspirieren lassen. Nach den ausgezeichneten „Torten-Büchern“ mal ein ganz anderes Thema für den gerade 85 Jahre alt gewordenen Künstler. „Ich hatte bisher kaum Berührungspunkte mit dem Thema,“ so die Übersetzerin. „Deshalb sind für mich die kleinen Bildausschnitte mit den erklärenden Texten ganz am Anfang des Bilderbuches hilfreich. Wer erklären soll, welches das größte Flugreptil war, was Anzus gerne fraßen und welches Säugetier sich im Buch versteckt, wird bereits auf dem Vorsatzpapier fündig“, so Isabelle Brandstetter weiter. Dann geht es los mit der spannenden Geschichte, die in Montana USA spielt und eine ganz eigene Bildsprache hat. 

 

Auch Dr. Brumm hat in seinem neuestem Abenteuer mit Dinosauriern zu tun. Die Erfolgsreihe von Daniel Napp begeistert seit fast fünfzehn Jahren und bietet vor allem auch kleinen Jungs echtes Vorlese-vergnügen. Nun also „Dr. Brumm und der Megasaurus“, den der grandiose Bär einfach so beim Umgraben auf seinem Grundstück findet. Aber wo ist nur der Kopf? Da müssen sie sich wohl wieder mit dem grässlichen Bauer Hackenpiep auseinandersetzen. „Mein Lieblingsdinosaurier ist der Megasaurus Vegetarius, weil es Dr. Brumm war, der ihn entdeckt hat,“ so der Illustrator. Wieder hat er sich ein paar unterhaltsame Mitmachmöglichkeiten ausgedacht. Ein Ratespiel zu Dinonamen und ein Kartenspiel findet man hier zum Download. Die gleichnamige CD erscheint bei Silberfisch.

Vegetarisch geht es auch bei „T-Veg - Der fürchterliche Früchtefresser“ zu. Allerdings in lebendiger Reimform. Übersetzt hat Kathrin Köller und meint dazu: „Dinosaurier haben etwas Archaisches. Da niemand von uns ihnen je begegnet ist, beflügeln sie unsere Fantasie. Und die Vorstellung, dass sich T-Rex mit seinen Freunden rumärgern muss, weil er lieber Karotten als Fleisch isst, hat etwas Tröstliches, weil es uns hilft, zu unseren eigenen Eigenheiten zu stehen.“ So geht es dann auch in den Illustrationen ziemlich bunt mit viel Obst, Gemüse und zahlreichen Dinos hoch her. Theobald versucht die anderen von seinem Geschmack zu überzeugen und Katherina Manolessou hält das in schrillen Farben fest im quirligen Bild.

 

Um überhaupt einmal in Ruhe einen Überblick zu bekommen, welche Dinosaurier wo und wann auf der Erde gelebt haben, dafür sind diese beiden umfangreichen Sachbücher hervorragend geeignet. „Der Atlas der Dinosaurier“ mit Illustrationen von Lucy Letherland begeistert von der ersten bis zur letzten Seite. Es ist ihr dritter Atlas und die Londoner Illustratorin sagt zu dieser nach Ländern geordneten Zeitreise: „Mein Favorit ist der Nothronychus, der in den USA in der Gegend von New Mexico gelebt hat. Er hat sich auf zwei Beinen fortbewegt, hatte lange Krallen, einen langen Hals und einen sehr dicken Bauch,“ so Letherland. Außer diesem Dinosaurier gibt es aber noch ganz viele andere Tiere in dem großformatigen farbigen Wimmelbuch zu entdecken.

Nach dem Alphabet geordnet hat Dieter Braun seine Dinosaurierarten. Zusätzlich gibt es ein Register und Texte des Natural History Museums London. Die nennen wesentliche Fakten, den Fundort, den lateinischen Namen und wann die jeweilige Art gelebt hat. „Dinosaurier - Die Welt der Urzeitriesen von A bis Z“ begeistert auch mit seinen stilsicheren Illustrationen auf über 180 Seiten. „Das war eine sehr intensive Arbeitsphase. Meine Dinosaurier sind digital entstanden. Ich verwende eine Kombination aus Vektorzeichung und Bearbeitung im Photoshop. Die Abwechslung hat mir Spaß gemacht. Vor allem die langhalsigen Sauropoden waren klasse zu zeichnen,“ so erzählt er. 

Zur Abwechslung mal nicht um Dinosaurier, sondern um Mammuts und einen kleinen Wolf geht es bei Kai Pannen in seiner neuesten Geschichte für Erstleser*Innen. „Neulich in der Steinzeit - Ugulu und Mim“ erzählt nicht nur eine spannende Geschichte, sondern verknüpft diese auch mit interessanten Sachinformationen. „Bei meiner Recherche tauchten lauter spannende Fragen auf: Wie schlägt man Feuer mit einem Feuerstein? Woher kamen die Farben für die Malereien? Wie brachte man ohne Kochtöpfe Wasser zum Kochen? - so kam es zu den kurzen Sachblöcken“, erinnert sich Pannen. Ugulu und Mim haben es satt, immer nur Pilze zu sammeln. In seinem Höhlenversteck gibt es viele Wandzeichnungen von dem Jungen zu sehen. 

Zeichnungen von Minus Drei prägen die komplette Reihe und weil Ute Krause und ihre Dinosaurier eine so große Fangemeinde haben, hat Sie die folgenden Fragen für den Borromäusverein beantwortet. Gerade neu erschienen: „Minus Drei und die wilde Lucy - Die blöde Sache mit dem Ei“ 

Was fasziniert Kinder Ihrer Meinung nach an Dinosauriern?

Ich denke mal, Kinder sind klein, Dinosaurier dagegen groß und mächtig. So zu sein, diese Träume kann man träumen, wenn man sich in die Geschichtenwelt der Dinos begibt. 

 

Wie sind Sie auf die Idee zu Minus Drei gekommen?

Mein Sohn hat sich damals ganz sehnlichst ein Haustier gewünscht. Da hatte ich direkt Lust, das Thema in einem Kinderbuch zu verarbeiten. Aber ich wollte es nicht eins zu eins umsetzen - zu langweilig. Also entschied ich mich für die verkehrte Welt und für ein sehr unge-wöhnliches, extremes Haustier- einen Dinosaurier!

 

Wie ist die Reihenfolge bei der Arbeit - entsteht erst der Text oder erst das Bild?

Ich schreibe immer erst und im Grunde ist die Geschichte fertig bevor ich mit den Illustrationen beginne. Dann schaue ich nach Details, ob sich vielleicht etwas doppelt oder nicht ganz stimmig ist, und dann gehe ich nochmal an den Text.

 

Für wen schreiben Sie die Dinosauriergeschichten?

Ich schreibe in erster Linie für Jungen, die nicht so leicht ins Lesen kommen. Sie sollen ein Erfolgserlebnis haben, das Gefühl, toll, jetzt habe ich schon ein ganzes Kapitel oder sogar ein ganzes Buch gelesen. Der Humor ist mir dabei ganz wichtig. Außerdem können sie sich mit der „Minus Drei“ - Reihe vom Umfang her steigern, wenn sie dann irgendwann schon besser lesen können. 

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

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Ein Bericht von Antje Ehmann
Fachjournalistin für Kinderliteratur

März 2019