Leonardo da Vinci im Kinderbuch

Im Louvre hängt die Mona Lisa und das ein oder andere Kind hat Leonardo da Vincis weltberühmtes Gemälde vielleicht schon gesehen. Aber was hat das Universalgenie noch alles erschaffen? Das erzählen und erklären sieben sehr unterschiedliche Kinderbücher. - Eine Hommage zum 500. Todestag von Antje Ehmann

 

„Wer war Leonardo da Vinci? Künstler oder Ingenieur? Architekt oder Naturwissenschaftler? Bildhauer oder Erfinder?“ - so lauten die ersten Sätze von Isabel Thomas in ihrem Band „Leonardo da Vinci“ in der Reihe Kleine Bibliothek großer Persönlichkeiten. Tatsächlich gibt es kaum eine Möglichkeit und vor allem auch keine Notwendigkeit, sich für einen Aspekt zu entscheiden. Katja Spitzer illustriert dieses sehr kompakte, gut verständlich und anschaulich gestaltete Buch für Kinder ab 8 Jahren. Gedruckt wurde mit drei Sonderfarben, die alle einzeln angelegt wurden. „Ich habe mich bewusst für helle und freundliche Farben entschieden und hoffe damit junge Leser 500 Jahre nach Leonardos Tod für ihn und sein unglaubliches Werk zu begeistern,“ so die Berliner Illustratorin. Landkarten, Sprechblasen, Glossar, Register und eine Zeitleiste vermitteln Informationen zu seinem Leben. Unter anderem liest man dort: 1489/90 hat er das Porträt Die Dame mit dem Hermelin gemalt und 1503 mit ersten Skizzen für die Mona Lisa begonnen.

 

 

NordSüd Verlag

In erster Linie um seine Flugmaschinen geht es im folgenden Bilderbuch. Jarrett Rutland nennt ihre fiktive Leonardo da Vinci Geschichte „Chilly da Vinci“ und macht kurzerhand Pinguine zu Hauptfiguren. Abenteuerliches für Kinder ab vier Jahren bietet sie und so bekommen schon junge Leserinnen eine Idee davon, was Leonardo da Vinci gemacht hat. Übersetzerin Anna Schau sagt: „Ich wusste prinzipiell schon alles, was in dem Bilderbuch zu da Vinci gesagt wird. Aber die Arbeit hat mir nochmal ins Gedächtnis gerufen, dass es sich lohnt, nie aufzugeben.“ Der amerikanische Autor und Illustrator lebt in North Carolina. Bei Chilly verrät vor allem das Vor- und Nachsatzpapier , sowie die Anmerkungen des Autors einiges über den, der als Inspirationsquelle diente. Stets mit etwas Augenzwinkern, frech und mit einer gehörigen Portion Humor verwandelt Rutland die Vorlage in ein originelles Bilderbuch mit einem Pinguin, der ständig damit beschäftigt ist, Flugmaschinen zu bauen.

Ebenfalls um seine Flugmaschinen geht es in „Leonardos Flugmaschinen - Anselmo und das Vermächtnis des Meisters“. Dabei wenden sich der Autor Stephan Martin Meyer und der Illustrator Thorwald Spangenberg allerdings an Kinder im Grundschulalter und darüberhinaus. Hauptfigur ist der vierzehnjährige Junge Anselmo, der in einem Kapuzinerkloster in Umbrien eine Kiste mit Zeichnungen des Renaissancekünstlers findet. Im dritten gemeinsamen Sachbuch schaffen es die beiden wieder, den LeserInnen eine Art Zeitreise zu bescheren. „Im Fachbereich Produktentwicklung hat Prof.Dr.-Ing. Horst Langer an der Fachhochschule Bielefeld das Projekt Leonardo da Vinci - Bewegende Erfindungen ins Leben gerufen und mit seinen Studierenden Maschinen des Universalgenies anhand dessen Skizzen nachgebaut. Er hat uns mit unzähligen wichtigen Informationen versorgt“, so der Autor. Detaillierte biografische Hinweise und stilistisch an die Rötelstiftskizzen des Meisters selbst angelehnte Zeichnungen von Spangenberg machen das fundiert erzählende und sehr abwechslungsreich gestaltete Kindersachbuch zu einer herausragenden Neuerscheinung zum 500. Todestag am 2. Mai 2019.

Gerstenberg
Kindermann Verlag

Ebenfalls eine Kombination aus Fiktion und Fakten wählt Christine Schulz-Reiss für den dritten Band in der Reihe „Kinder entdecken berühmte Leute“ des Kindermann Verlags. „Die geheimnisvolle Welt des Leonardo da Vincis“ legt aber den Fokus weiter an. „Ich war schon oft in Vinci, Italien und habe sehr umfangreich recherchiert. Die Auswahl und das Kürzen ist dann im Grunde das Schwierige bei so einem Sachbuch für Kinder“, erinnert sich die erfahrene Journalistin und Autorin. Die ist ihr überzeugend gelungen. Man erfährt, dass da Vinci die Anatomie des menschlichen Körpers ebenso fasziniert hat wie der Flug der Vögel. Er hat rauschende Feste organisiert und es existierten weit über 10 000 Seiten mit Skizzen und Notizen. Sebastian Rudolph, Sprecher des gleichnamigen Hörbuches, dazu „Besonders spannend fand ich, wie sein Atelier funktioniert hat. Neu war mir, wie sehr er mit seinem Blick auf die Welt und ihre Zusammenhänge damals angeeckt ist.“

Salai hat auch in dieser Werkstatt gearbeitet. Der französische Künstler Benjamin Lacombe beleuchtet mit „Leonardo & Salai“ einen ganz anderen Aspekt im Leben des Universalgenies - sein Privatleben. Die Graphik Novel entstand in Zusammenarbeit mit Paul Echegoyen, der für die Zeichnung der Hintergründe zuständig war. Herausragend ist vor allem der Panoramablick auf Florenz, die spürbare Atmosphäre der Zeit der Renaissance und die Bilder von Lacombe. Verleger Edmund Jacoby dazu: „Er hat die Liebesgeschichte der beiden, die lange Jahre zusammen waren, als Comic gestaltet, nicht ohne die Bilder Leonardos ausgiebig zu zitieren. In Mailand, Florenz und Rom erlebte Salai an der Seite Leonardos dessen Triumphe und Niederlagen.“ Bereits 2015 auf Deutsch erschienen gehört dieses außergewöhnliche Werk aber unbedingt zu einem Überblick dazu. Bemerkenswert ist auch die Sammlung etlicher Zitate des Universalgenies auf dem Vorsatzpapier. So etwa: „Je besser man etwas kennt, umso mehr liebt man es.“ oder „Nichts eilt schneller als die Jahre.“

 

Loewe
Ravensburger

Auch bei Lacombe hat man schon optisch das Gefühl einer Zeitreise. Die beiden folgenden Bände zweier sehr erfolgreicher Kinderbuchreihen verstärken das erzählerisch noch. Die amerikanische Autorin Mary Pope Osborne nimmt die Kinder in Band 36 „Das magische Baumhaus - Der geheime Flug des Leonardo“ direkt mit in die Zeit Leonardo da Vincis und macht so Kinder ab 8 mit ihm bekannt. Stefan Kaminski liest den Tag, den Anne und Philipp auf ihrer Zeitreise gemeinsam mit Leonardo verbringen, auf der gleichnamigen CD gewohnt großartig. In der Reihe „Die Zeitdetektive“ entführt uns Fabian Lenk in vergangene Zeiten. Band 33 „Leonardo da Vinci und die Verräter“ nimmt alle Kinder ab 8 Jahren mit und Almud Kunert ist verantwortlich für die Illustrationen. Die Geschichte spielt in Florenz, es geht um Fürst Cesare Borgia und Waffen, die Leonardo für ihn bauen soll. „Hilfreich war, dass ich früher einmal das da Vinci Museum in Vinci, Italien, besucht habe. Dort sind viele seiner Ideen aus seinen Skizzenbüchern nachgebaut und man kann teilweise auch ausprobieren, wie sie funktionieren,“ so Kunert.

„Wer kennt die Mona Lisa nicht, auch wenn er noch nie in einem Museum gewesen ist. Erstaunt hat mich, dass das Bild im Louvre kleiner ist, als ich es mir vorgestellt habe. Ich finde es schön, das ein Bild über so lange Zeit hinweg eine so große Anziehungskraft und Faszination auf Menschen weltweit ausüben kann. Das hängt natürlich auch mit der Person Leonardo da Vinci zusammen“, ergänzt Almud Kundert noch. Wer sich das ein oder andere hier vorgestellte Bilder, Sach- oder Kinderbuch anschaut, hat danach einen umfassenderen Blick auf das Werk dieses Ausnahmekünstlers.

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Ein Bericht von Antje Ehmann
Fachjournalistin für Kinderliteratur

Mai 2019