©Martin Steimann

Preisverleihung Preuschhof Preis 2018

Ein Kinderliteraturpreis für das beliebteste Erstlesebuch 2018 - Kinder entscheiden sich für eines von zehn Büchern

Vom Hamburger Hauptbahnhof aus fährt man zehn Minuten mit der S-Bahn. In Wilhelmsburg auf der Elbinsel angekommen geht es bei mildem Herbstwetter zu Fuß noch ein Stück weit, bis das Bürgerhaus zu sehen ist. Es dauert nicht lange und schon tauchen die ersten Grundschulkinder auf.  -  Antje Ehmann war für Sie vor Ort und berichtet von der gelungenen Preisverleihung.

Der Preuschhof-Preis für Kinderliteratur wurde in diesem Jahr bereits zum fünften Mal vergeben. Im Rahmen der Wilhelmsburger Lesewoche „Die Insel liest“ fand am 13. November im Bürgerhaus Wilhelmsburg eine große Veranstaltung statt. Der diesjährige Preisträger kommt zufällig auch aus Hamburg: Autor und Illustrator Kai Pannen. „Das war ein ganz besonderer Tag für mich. Da lag viel Spannung in der Luft,“ so der Kinderbuchautor.

„Das war ein ganz besonderer Tag für mich. Da lag viel Spannung in der Luft.“

©Martin Steimann

Ebenfalls mit von der Partie: der Preisträger des Vorjahres, Michael Petrowitz, der mit seiner originellen Geschichte „Kung-Fu im Turnschuh“ im letzten Jahr mehr als 500 Kinder überzeugen konnte. Für ihn gab es zum ersten Mal nicht nur 1000 Euro Preisgeld, sondern auch die ansprechende Trophäe, eine Art Wanderpokal: den Wilhelmsburger Plattfisch. Die Skulptur aus Metall und original Treibholz aus der Elbe wurde von der Hamburger Künstlerin Bente Wolke gestaltet. „Der stand das letzte Jahr bei mir im Bücherregal über meinem Schreibtisch und hat mich immer wieder bei der Arbeit motiviert,“ so der Berliner Autor.

Beim Weiterreichen durfte ihm ein komplett mit Kindern gefüllter Saal zuschauen. Kai Pannen kennt er gut und an seinen „Zombert“ gibt er den Preis gerne weiter. Wer Zombert eigentlich ist? „ Zombert ist das Werk meiner Schwester Marijke Volkmann. Sie arbeitet als Schneiderin. Ich habe die Figur von allen Seiten gezeichnet und sie hat Zombert großartig umgesetzt. Seitdem begleitet er mich auf allen Lesereisen,“ erzählt Pannen. Ausgedacht, geschrieben und illustriert hat aber er selbst seine Erstlesebücher. So reagieren auch die aufmerksamen 200 Grundschulkinder im Saal mit einigen „Ah’s“ und „Oh`s“, als der Arm der großen Zombertpuppe einfach abfällt. In „Zombert und der mutige Angsthase“ (Reihe Tulipan ABC, Tulipan Verlag) konnten sie es aber alle schon lesen. Dort fragt Konrad recht ungläubig, als Zombert seinen Arm verliert: „„Tut dir das nicht weh?“ „Nein, überhaupt nicht. Zombies verlieren oft mal ein Körperteil“, erklärt Zombert und steckt seinen Arm zurück in seine Schulter.“ 

 

Auf die Frage: „Wer von Euch hat beim Preuschhof-Preis mitgelesen?“ gehen ganz viele Hände in die Luft.

 

Ganz so gruselig geht es in all den anderen Kinderbüchern, die während der Veranstaltung noch vorgelesen werden, aber nicht zu. Moderiert wird der kurzweilige Vormittag von Wilhelm Kelber-Bretz, der ein Kind nach dem anderenfür exakt drei Minuten zum Vorlesen auf die Bühne bittet. Da sind Geschichten von Cornelia Funke, Timo Pavela oder Alice Pantermüller zu hören. Dem Gewinner des an diesem Tag ebenfalls stattfindenden Lesewettbewerbs mit zehn Kindern aus zehn Grundschulen winken Buchgutscheine. Auf die Frage: „Wer von Euch hat beim Preuschhof-Preis mitgelesen?“ gehen ganz viele Hände in die Luft.

Zum großen Finale versammeln sich alle glücklich auf der Bühne. Neben den Kinder auch noch zahlreiche LehrerInnen, die sich im Rahmen der Lesewochen engagieren. Wenn ein großer Raum voller Menschen ist, die sich alle das Lesen auf die Fahne schreiben, ist das schon ein großes Glück! Alle Kinder bekommen Urkunden und Büchersäcke. Eine kluge, betagte Dame sagt: „Bücher haben mich schon immer begleitet, auch in schwierigen Zeiten. Wenn die Kinder lesen lieben, dann haben sie alles, was sie brauchen.“ Dann wünscht sie den Kindern noch, immer das richtige Buch zur richtigen Zeit in die Hände zu kriegen.

Auch die Verlegerin des Tulipan-Verlags freut sich riesig über die Auszeichnung. „Dass Kai Pannen den Preuschhof-Preis 2018 gewonnen hat, bedeutet uns sehr viel. Besonders, weil der Preis gleichermaßen als Literatur- und Leseförderprojekt verstanden werden kann. Zunächst wählt eine ExpertInnenjury aus den Bereichen Kinderliteratur, Literaturdidaktik und Pädagogik zehn Titel für die Shortlist aus. Die letztendliche Preisträgerermittlung erfolgt dann aber über eine Kinderjury, an der sich über 500 GrundschülerInnen beteiligen. Hier als bestes Erstlesebuch ausgewählt zu werden ist natürlich eine besondere Ehre,“ so Mascha Schwarz. Wichtige Neuigkeit für alle Zombert-Fans. Der dritte Band „Zombert und die Zahnfee Pupsinella“ erscheint im Frühjahr und die vierte Geschichte ist bereits in Planung.

Und auch für die kommende Lesewoche 2019 gibt es bereits jede Menge Ideen. Die Leseprojekte sollen auf Kitas und 5. Klassen ausgeweitet werden und angedacht ist zudem ein Rahmenthema. Maren Töbermann, die Projektleiterin, kann nach dem gerade gewonnenen Cassens-Preis und gemeinsam mit dem Wilhelmsburger Bildungsfonds zuversichtlich in die Zukunft blicken. So macht Leseförderung Sinn und Spaß!

 

Die Liste der Nominierten für den Preuschhof Preis 2019

Die Preisverleihung findet im Rahmen der Wilhelmsburger Lesewoche „Die Insel liest“ am 12. November 2019 im Bürgerhaus Wilhelmsburg in Hamburg statt.


Auswahl der Nominierten

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Ein Bericht von Antje Ehmann
Fachjournalistin für Kinderliteratur

Februar 2019