Hildegard Mogge und Udo Walz

Ehrenamtliche in der KÖB St. Nikolaus und Borromäus in Köln Sülz

An einem Donnerstag Nachmittag im Oktober empfangen mich zwei langjährige Mitarbeitende der KÖB St. Nikolaus und Karl Borromäus im beschaulichen Kölner Stadtteil Sülz. Zwischen Schulen, Kindergärten, Einkaufsstraßen und Restaurants leben viele Familien und Urkölner/-innen, die ihr ganzes Leben hier verbracht haben. Man erkennt sich auf der Straße, trifft sich abends beim Kölsch oder nachmittags auf dem Spielplatz. Inmitten dieses regen Treibens liegt die neuromanische Kirche St. Nikolaus. Die beiden Gemeinden St. Nikolaus und Karl Borromäus unterhalten gemeinsam eine Bücherei, die für jedermann und frau an fünf Tagen in der Woche geöffnet ist. Dieses Gefühl macht sich gleich breit: Jeder ist in den Räumen der KÖB St. Nikolaus und Borromäus willkommen und zum Glück kann man nach Monaten der Zwangsschließung wegen der Ausbreitung des Coronavirus auch endlich wieder die Türen der Bücherei öffnen. Unter welchen Bedingungen das geschieht und wie Büchereiarbeit zu Zeiten von Corona aussieht, darüber habe ich mit der bisherigen Büchereileitung Hildegard Mogge und dem langjährigen Mitarbeiter Udo Walz sprechen können.


Die Bücherei St. Nikolaus und Karl Borromäus

Aktuell umfasst das ehrenamtliche Team der Bücherei 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Jüngste im Büchereidienst ist 15 Jahre alt, die Älteste bereits 70. Im ständigen Kontakt bleibt man über die Whatsapp-Gruppe der Bücherei. Teamsitzungen finden zudem alle 6-8 Wochen statt. Der Bestand umfasst Titel und Zeitschriften für jede Altersklasse. Der Schwerpunkt liegt jedoch bei den Familien, was sich auch in den hellen und gemütlichen Räumen der Bücherei bemerkbar macht. Für die Kleinen gibt es bibfit oder Bilderbuchkino, für die Größeren Lesenacht mit Übernachtung, Bücherflohmarkt und die große Buchausstellung im Advent. Am 3. Advent kommt der Nikolaus in die Bücherei und gibt es Geschichten und Lieder für Groß und Klein. Wenn Not an Mann oder Frau ist, dann springt auch mal die Verwandtschaft ein und hilft bei der Durchführung einer Veranstaltung. Was 2020 nicht stattfinden konnte, soll 2021 wieder Teil der Büchereiarbeit sein. Ohne den jährlichen Bücherflohmarkt z. B. würden sich die Titel bis unter die Decke der Bücherei türmen.

Frau Mogge reicht mir eine Kladde voller Veranstaltungsplakate und Handzettel. Von Seiten der Pfarrei gibt es einheitliche Vorgaben bezüglich des Corporate Designs. Plakate und Handzettel zur Auslage sind obligatorischer Bestandteil der Veranstaltungsplanung und werden von Frau Mogge und einer Kollegin selbst designt. In Sülz wird nix dem Zufall überlassen. Am Ende soll es nicht heißen: „Davon habe ich nichts gewusst!“ Das wissen die Verantwortlichen der KÖB St. Nikolaus und Karl Borromäus zu verhindern. Und ein Lob für das vielfältige Angebot der Fachstelle an Fort- und Weiterbildungsangeboten haben Frau Mogge und Herr Walz auch noch ausgesprochen. Einfach ein guter Ort ist die Bücherei St. Nikolaus und Borromäus, an dem viel Gutes passiert, was von der Gemeinde dankend angenommen wird. Doch dann kommt Corona die Ausleihzahlen brechen beträchtlich ein gegenüber den Vorjahren und alle Veranstaltungen müssen gecancelt werden.

Die Bücherei in Zeiten der Corona-Pandemie

„Wir brauchen jede Menge (Veranstaltungen) bei denen wir als Bücherei wieder präsent sind. Der Einbruch ist nicht nur bei den Geschäften spürbar, sondern auch bei uns in der Bücherei.“

Zu reduzierten Öffnungszeiten ist die Bücherei zwar mittlerweile wieder geöffnet, doch trotz ausgeklügeltem, mit dem Träger erarbeiteten Hygienekonzept, bleiben die Ausleihzahlen weit unter dem Niveau der Zeit vor Corona zurück. Online bietet die Bücherei die Möglichkeit, den Bestand zu sichten und Titel vorzumerken. Unabhängig vom Alter lehnen manche NutzerInnen das Ausleihen und Sichten über die bibkat-App jedoch ab. Bücherei, das ist, auf einen Kaffee und Kekse am Sonntag nach der Messe oder stöbern und lesen im gemütlichen Bilderbuchbereich. Angebote eben, die zwingend mit der Anwesenheit in den Räumen der Bücherei verknüpft sind. Das Ausleihen von elektronischen Medien über die libell-e bietet die Bücherei noch nicht an – die Kosten stehen in keinem Verhältnis zur Nachfrage seitens der LeserInnen. Für die Buchausleihe künftig Gebühren zu verlangen, darin sieht man dort keine Lösung für das Finanzierungsproblem. Die Buchausleihe soll kostenlos bleiben.


©Tapé-Knabe, Borromäusverein
Ansicht Eingang der Bücherei an der Rückseite der Kirche St. Nikolaus

Frau Mogge und Herr Walz haben es sich während des Lockdowns mit dem Team zur Aufgabe gemacht, die Nutzer/-innen nicht zu verlieren. Über die Homepage und Mailversand-Aktionen wurde über jede Entwicklung zeitnah informiert. So konnte die Zeit der Schließung auch dafür genutzt werden, die Kontaktdaten der NutzerInnen zu vervollständigen oder zu aktualisieren. Teil des Hygienekonzeptes ist auch, Umsetzungsmöglichkeiten für das beliebte Bilderbuchkino oder die bibfit-Aktionen mit den umliegenden Kindergärten zu finden. Bislang zielt alles darauf ab, wieder Büchereiarbeit vor Ort zu betreiben. Nachdem der Flohmarkt, die Buchausstellung und die gern besuchte Nikolausfeier dieses Jahr wegen Corona ausfallen müssen, wurde der Ruf der angrenzenden Kindergärten nach dem Bibliotheksführerschein laut. Im Wechselsystem soll die Gruppe nun aufgeteilt in zwei Kleingruppen die Bücherei kennenlernen. Die Urkundevergabe wird in die Kindergärten verlagert und findet mit den ErzieherInnen, dieses Mal ohne Eltern, statt. Hier arbeiten Kindertagesstätten und die Bücherei wunderbar zusammen. Auch die bevorstehende Adventszeit soll nicht einfach so vorüberziehen. Die Hoffnung ist, mit einer Mischung aus Corona-konformen Aktionen und Onlineangeboten die Leserschaft auch weiterhin zu erreichen und nicht über die nächsten Monate zu verlieren.


Das Gespräch führte Christine Tapé-Knabe im Oktober 2020.