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LeseHelden aus Gescher-Hochmoor

Forscherdrang in Gescher-Hochmoor

Ein Bericht der KÖB St. Stephanus

In einem kleinen Dorf im Münsterland wimmelt es nur so von LeseHelden. Als einmalige Aktion anlässlich des 50-jährigen Bestehens der KÖB St. Stephanus mit dem gleichnamigen Kindergarten in Gescher-Hochmoor geplant, wird sie aufgrund der Begeisterung, mit der die ersten 8 Jungen an dieser Aktion teilnahmen, jährlich im Herbst weitergeführt, mit wachsender Teilnehmerzahl!

Nun, im Jahr 2019, galt die Aufmerksamkeit beim ersten Treffen der 15 Lesehelden im Alter zwischen 4 und 5 Jahren unseren besonderen Freunden und Helfern: der Polizei. Gleich zu dritt rückten die uniformierten Polizisten mitsamt dem Verkehrsmobil an. Zwei von ihnen, VorleseHeld Volker und VorleseHeldin Heike begeisterten die Jungen mit einer Kriminalgeschichte über einen Geldraub. Dies war spannend und lustig zugleich.

 

Projektbüro

Danach wurden alle kleinen und großen Teilnehmer in das Verkehrsmobil geführt, wo die Akteure Volker und Andreas ein Puppentheater aufführten, das die Kinder zum Mitmachen animierte und wahre Begeisterungsstürme auslöste. Handpuppe „Benjamin“ und sein Freund Lollo, ein Alien, der im Ufo anreiste, lockten die Kinder zum Erzählen. LeseHeld Leonard konnte sich an sein 1. Treffen mit Lollo und dessen Ufo gut erinnern und freute sich besonders über die erneute Begegnung. Im Anschluss an das Puppentheater durfte sich, wie das hier so üblich ist, jeder  LeseHeld ein Buch aussuchen, um es für eine Woche mit nach Hause zu nehmen. Zum leichteren Transport erhielt jeder LeseHeld einen eigenen Zugbeutel. Und zum Beweis der Teilnahme an diesem Aktionstag gab es natürlich einen Stempel auf den LeseHeldenPass.

Beim 2. Treffen begegneten die Jungen dem VorleseHelden Gerd, dem „Marmeladenzauberer“ des Dorfes. Die Kinder wussten schon, dass Marmelade aus Erdbeeren und vielen anderen Früchte zubereitet werden kann. Um Früchte zu bekommen braucht man Sträucher und Bäume. Diese müssen blühen und die Blüten müssen bestäubt werden. So von hinten aufgerollt kam man schließlich auf die Bienen, das Tagesthema. VorleseHeld Gerd las aus dem Buch von der  kleinen „Biene Hermine“ vor. Das Buch berichtet aus deren Leben und dem schwierigen Überleben trotz Baustellen und Pestiziden.

Zur Lösung von Bienen-Problemen und als Nisthilfe wurden kleine Insektenhotels aus einfachsten Mitteln gebaut: Konservendosen, Ton und zugeschnittene Äste von Brombeere, Holunder, Forsythie und Sommerflieder. Mit unglaublicher Geduld steckten die Jungen die Ästchen in gelb-schwarz lackierte Konservendosen. Das muss doch jede Wildbiene zum Einzug locken! Der anschließende Büchertausch wurde von den Jungen mit Freude angenommen.

 

Das 3. Treffen führte Kinder und Erwachsene zum Schäfer und VorleseHelden Markus. Praktischerweise bewohnt er das ehemalige Lehrerhaus, das direkt neben dem Heimathaus, der früheren Dorfschule, liegt. Da konnten viele Informationen aus „alten Tagen“ an die kleinen Männer herangebracht werden. Anlässlich des Aktionstages hatte Schäfer/VorleseHeld Markus extra 10 Schafe aus seiner Herde, die etwa 200 Tiere umfasst, hergebracht.
Nach lustigen Vorlesegeschichten vom „Schaf mit dem Zitronenohr“ und dem „Schaf Charlotte“ nahm man die realen Schafe nun genauer unter die Lupe. Held Markus erklärte die Hege und Pflege der Tiere und die Verwendung der Schafwolle. Eines der anwesenden Schafe durfte aus seiner Umzäunung heraus und ließ sich geduldig streicheln und von allen Seiten anschauen. Die Pflege der Hufe und das Verabreichen von Medizin gegen Durchfall konnte an einigen Tieren genau beobachtet werden.

Schließlich wurden kleine Schäfchen aus Tonkarton und echter Schafwolle gebastelt, von denen jeder kleine LeseHeld eines für zu Hause mitnehmen durfte. Der Büchertrog fehlte auch hier nicht. Die Möglichkeit zur Buchausleihe ist ein beliebtes Element der Wir sind LeseHelden-Aktion.

 


Das Beste kommt zum Schluss: Die Dinosaurier! Für den 4. Aktionstag reiste die Paläontologin und VorleseHeldin Leonie aus Münster an und brachte ihren 5-Jährigen Sohn Theo, ebenfalls Dino-Forscher, aber noch ohne Dr.-Titel, mit.
Bei ihrer ersten Frage, wer schon mal etwas von Dinosaurier gehört habe, rissen alle kleinen Teilnehmer die Finger nach oben. Ein Kind wusste, dass diese Tiere „früher“ gelebt haben. Dass sie „gestorben“ sind, war auch allgemein bei den LeseHelden bekannt, aber als Heldin Leonie ein Buch präsentierte, in dem man die mutmaßlichen Rufe erklingen lassen konnte, war die Begeisterung groß. Das tiefe Grollen des T. Rex zum Beispiel jagte allen Teilnehmern wohlige Schauer über den Rücken.

Dr. Leonie erklärte u.a., dass die vielen verschiedenen Dinosaurier nicht alle zur gleichen Zeit gelebt haben. Ihr Leben und Aussterben erstreckte sich über einen Zeitraum von etwa
260 Millionen Jahren. Das Aussehen und die Größenunterschiede sind so vielfältig, wie es wohl nur die Natur sie zustande bringt. Nach einer ausgiebigen Unterhaltung gab es natürlich auch wieder eine spannende Geschichte: "Die Jagd nach dem Dino".
Nach der Fossiliensuche in der Geschichte ging es nun an die Arbeit. Im großen Saal des Pfarrheims (wetterbedingt) fanden die LeseHelden gleich zwei Ausgrabungsstellen vor: Eine Sandkastenmuscheln, gefüllt mit Silbersand. An dieser „Grabungsstelle“gab es für die kleinen Dino-Forscher fossile Haifischzähne aus der Kreidezeit, die ca. 70 Millionen Jahre alt sind (kein Witz!) auszugraben.
An der anderen Grabungsstelle wurden Säugetierknochen jüngeren Datums mit Schüppchen, Sieben, Harken und Pinseln freigelegt. Bei Paläontologen ist es eine beliebte Tradition, den Haifischzahn mit einem Band zu versehen und um den Hals zu tragen. Nach dieser erfolgreichen Expedition „reiste“ man zurück in die Bücherei. Zur Entspannung durfte sich nun jedes Kind ein Buch aussuchen. Ein Kind hat das Dino-Soundbuch mitgenommen, eine gute Wahl!

 

Das 5. Treffen schließlich bildete den Abschluss der diesjährigen LeseHeld-Aktion. Zur Freude der Organisatoren kamen alle 15 LeseHelden, zum größten Teil in Begleitung eines Eltern- oder Großelternteils. Auch die VorleseHelden waren zum Teil vertreten, ebenso die Erzieherin des Kindergartens Evelin, die die Kinder zu den Aktionstagen begleitet hatte und das Büchereiteam mit ihrem Drumherum-Helfer, der überall einspringt, wo es hakelt, notfalls auch als VorleseHeld. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Saal des Pfarrheims ging man zum „gemütlichen Teil“ über. Zuerst gab es das „Kissenrennen“. Es erinnert an die Verfolgung eines Ganoven durch die Polizei. Nachdem allen „die Puste ausging“, stellte sich der „Kissen-Ganove“ und ließ sich fangen.

Nun kam der Hauptteil des Programms: die Übergabe der LeseHelden-Urkunden in den Räumlichkeiten der Bücherei und das darauffolgende Gruppenfoto.
Die kleine Gesellschaft war so außer Rand und Band, dass ein „ordentliches“ Foto im Sinne der Erwachsenen kaum möglich war. Die Stimmung war heiter bis ausgelassen. Jeder Urkundenträger hätte sich am liebsten gleich wieder mit Lesestoff eingedeckt.
Als nächstes das Polizei-Quiz angesagt. Das erheiterte die Jungen aber so sehr, dass von Ruhe keine Rede war, vielmehr brachte es die LeseHelden zu brüllendem Gelächter. Bei der 8. Frage z. B., welches Tier wirklich bei der Polizei eingesetzt wird, kam nicht nur die richtige Antwort „Hunde“, sondern auch der Zusatz: „Pferde“.Gut mitgedacht!
Mit den Urkunden und Geschenken des Borromäusvereins versehen, machte sich die kleine Gesellschaft auf den Heimweg.

 


Ein Erfahrungsbericht mit Bildern von Annette Schwermann aus der KÖB St. Stephanus in Gescher-Hochmoor.