Papierklavier

Papierklavier und der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis

Guido Schröer

Das Jugendbuch „Papierklavier“ von Elisabeth Steinkellner, illustriert von Anna Gusella, ist ein tolles Buch. Es wurde bereits mit vielen Auszeichnungen bedacht, darunter „Jugendbuch des Monats Dezember 2020“ (Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur), Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis 2021 und es wurde nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021. Ja, und wie ich aus der Presse erfahren musste, war es auch „Favorit“ der Jury des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises. Den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis hat Papierklavier aber nicht bekommen.

„Das Buch „Papierklavier“ bündelt eindrucksvoll wie in einem Brennglas die heutige Lebenswirklichkeit von Jugendlichen.“ Immerhin zu dieser Aussage ließ sich der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, hinreißen. Allerdings schreibt er weiter: „Wir bedauern sehr, dass wir dem Vorschlag der Jury nicht folgen konnten: Allerdings hat die Auffassung bei den Bischöfen überwogen, dass das Buch nicht hinreichend den Kriterien des Preises entspricht. Weder das Thema Transgender noch die Autorin – die bereits mehrfach auf der Empfehlungsliste in den zurückliegenden Jahren vertreten war – waren hierfür entscheidend. Die Bischofskonferenz ist der Jury für ihre Arbeit dankbar. Wir haben Verständnis für die entstandenen Irritationen. Die vielen aktuellen Rückmeldungen nehmen wir sehr ernst.“ https://www.dbk.de/presse/aktuelles/meldung/katholischer-kinder-und-jugendbuchpreis-der-deutschen-bischofskonferenz-1 (Abruf vom 22.05.2021)

Die Jury für den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis besteht allerdings nicht aus irgendwelchen zufällig zusammengewürfelten Personen. Es sind allesamt Experten für Kinder- und Jugendliteratur und es sind gleichzeitig in der Katholischen Kirche Engagierte in unterschiedlichen Diensten und Ämtern.

Nehmen wir uns den folgenden Satz aus der Begründung, warum „Papierklavier“ den Preis nicht erhalten hat vor: „Wir bedauern sehr, dass wir dem Vorschlag der Jury nicht folgen konnten: Allerdings hat die Auffassung bei den Bischöfen überwogen, dass das Buch nicht hinreichend den Kriterien des Preises entspricht.“

Die Jury für den Kinder- und Jugendbuchpreis hat ihre profunde Begründung, warum sie „Papierklavier“ diesen Preis verleihen wollte. „Die Bischöfe“ geben die formale Begründung, dass das Buch den Kriterien nicht entspricht. Was sie nicht sagen ist, warum.

Was sie nicht sagen ist, warum.

Ich habe „Papierklavier“ gelesen. Ich bin stolz auf die Entscheidung der Jury, dieses Buch ausgewählt zu haben.

Jetzt frage ich mich natürlich: Was mag einen Bischof (oder sogar mehrere – man weiß es ja nicht) dazu bewogen haben, hier Einspruch einzulegen?

Die Antwort auf diese Frage ist aber wichtig. Wie soll die Jury sonst weiterarbeiten? Was erwartet sie nächstes Jahr?

Die verschiedenen oben genannten Auszeichnungen für „Papierklavier“ bestätigen die Einschätzung der Jury des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises. Das ist für den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis natürlich nicht hinreichend, weil die Bischöfe selbstverständlich tatsächlich hier das letzte Wort haben.

Aber „katholische“ Gründe sind es wohl eher auch nicht. Der Schreiber dieser Zeilen befürwortet „Papierklavier“ jedenfalls aus dem „überlieferten Glaubensgut der Kirche“ heraus. Allerdings bleibt zu fragen: Meinen hier wirklich alle dasselbe, wenn sie vom überlieferten Glaubensgut der Kirche sprechen?

Eine Buchempfehlung für alle Bischöfe, die „Papierklavier“ abgelehnt haben, soll an dieser Stelle gegeben werden. Und sie mag Überraschendes, Erhellendes, Klärendes und bei dem einen oder anderen auch Widerspruch auslösendes mit sich bringen: Tomáš Halík hat 2019 ein Buch mit dem Titel „Theater für Engel“ veröffentlicht. Die medienprofile-Rezension hält fest:

„Gott gibt es nicht als "Billigware", sondern nur im Ringen zwischen der Bibel, der persönlichen Glaubenserfahrung und dem unfassbaren Geheimnis seiner Größe. - Damit jedoch ein Suchender den Garten betreten und Gott als Möglichkeit begreifen kann, muss noch eine andere Voraussetzung erfüllt sein, auf die Halík mehrfach zu sprechen kommt. Die Christen müssen den Suchenden "auf Augenhöhe" begegnen, nicht von oben herab (als solche, die den Glauben bereits "besitzen"), sondern als Pilger, die gleichfalls auf der Suche sind.“

Auf jeden Fall erhoffe ich mir von den Bischöfen eine klare Antwort, warum das von der Jury ausgewählte und vom Schreiber dieser Zeilen als gut katholisches Jugendbuch bewertete „Papierklavier“ nicht mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet wurde. Vielleicht liegt ja irgendein Missverständnis vor, das wir noch klären können.

Für den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2022 wäre das jedenfalls lebensnotwendig.

Guido Schröer

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