Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten

Die Hauptfigur Roberta ist ein "Hubot", ein humaner Roboter, der als Kriminalkommissarin konfiguriert und eingesetzt wird. Sie ermittelt im Fall des Selbstmords von Lennard Fischer, eines Mannes, der Gedichte schrieb und Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten malte, pleite war, Drogen nahm und selbst mit einer "Künstlichen" zusammenwohnte. Die Geschichte spielt in einem Berlin der Zukunft und ist aus Robertas Sicht erzählt. Das Geschäft mit den Hubots boomt. Sie werden von einer Firma programmiert und den Wünschen des Kunden angepasst. Die künstlichen Partnerinnen und Partner sollen eine Chance für den Großstadtmenschen sein, Einsamkeit und soziale Isolation zu überwinden. Und so haben die meisten Einwohner Berlins einen künstlichen Gefährten. Als sich die Selbstmorde von Kunden häufen, nimmt Roberta die Ermittlungen im Fall von Lennard Fischer auf. Weil die Bürger ja alleine leben und nur ihre künstlichen Partner haben, finden sich meistens keine Angehörigen, die sich um die Bestattung kümmern und sie vor allem bezahlen. So muss die Stadt ermitteln, ob es Angehörige gibt, die die Kosten übernehmen. Roberta ist, was analytische Fähigkeiten und logische Schlüsse betrifft, den Menschen voraus. Zugleich aber geschieht etwas mit ihr, sie wird anfällig und erreichbar für Stimmungen. Und sie beginnt zu erkunden, wie Menschen fühlen und denken. - Die Autorin hat einen spannenden Kriminalroman geschrieben und zugleich eine zum Nachdenken anregende Geschichte über unsere Gesellschaft und über die möglichen Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz. Darin ähnelt der Roman Ian McEwans "Maschinen wie ich" (BP/mp 19/702). Braslavskys Roman gelingt es aber, die Probleme der Beziehung Mensch - Maschine an realistischeren Beispielen sichtbar zu machen. Braslavskys Sprache bewegt sich zwischen einer technischen Nüchternheit und romantischen Schilderungen. Sehr unterhaltsam geschrieben und hochaktuell! Allen Büchereien empfohlen.

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten

Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten

Emma Braslavsky
Suhrkamp (2019)

268 Seite
fest geb.

MedienNr.: 599313
ISBN 978-3-518-42883-2
9783518428832
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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