Comic

Habibi

Sieben Jahre lang hat der Amerikaner Craig Thompson an dieser zeichnerisch opulent gestalteten, mit vielen kalligraphischen Elementen versehenen, umfangreichen Graphic Novel gearbeitet: Habibi (übersetzt: Mein Geliebter) erzählt Habibi in 9 Episoden die Geschichte von Dodola und Zam. Als junges Mädchen an einen älteren Bräutigam verkauft, erlernt Dodola bei diesem die Geheimnisse der Kalligraphie, ehe sie von Banditen als Sklavin verschleppt wird. Zusammen mit dem dunkelhäutigen kleinen Zam kann sie in die Wüste entkommen, haust dort für neun Jahre in einem gestrandeten Boot und tauscht mit vorbeiziehenden Karawanen Nahrungsmittel gegen ihre Liebesdienste. Dies weckt die Begehrlichkeiten eines Sultans, der sie als Gefangene in seinen Harem bringen lässt, wo sie seine Gelüste und abstrusen Wünsche zufrieden stellen muss. Nach vielen Jahren entkommt sie in eine Stadt, wo sie Zam wiedertrifft. Angesiedelt ist die nicht linear erzählte märchenhafte Geschichte, in der sexuelle Handlungen einen erheblichen Raum einnehmen, in dem fiktiven Land Wanatolien, einer zeitlosen Mischung des historischen und des modernen Orients. In den Erzählfluss eingewoben sind immer wieder Geschichten aus dem Koran und aus der Bibel, in denen die einer sexistisch und brutal anmutenden Umwelt ausgelieferten Dodola und Zam Trost finden oder die in einer Parallelität zur Handlung stehen. Habibi ist ohne Zweifel ein gelungenes Meisterwerk der Comickunst; wer es in eine KÖB einstellt, wird sich aber unter Umständen mit dogmatisch geprägten Leserinnen und Lesern auseinander setzen müssen, die das Werk unter Pornografieverdacht stellen.

Siegfried Schmidt

Siegfried Schmidt

rezensiert für den Borromäusverein.

Habibi

Habibi

Craig Thompson
Reprodukt (2011)

655 S. : überw. Ill.
fest geb.

MedienNr.: 570614
ISBN 978-3-941099-50-0
9783941099500
ca. 44,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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