Historisches

Das Blut ist blau

Eine Ich-Erzählerin betreibt Ahnenforschung. Ihr Vorfahr ist Bernhard von der Borch, der gegen Ende des 15. Jh. Landmeister des Livländischen Ordens, einer Untergruppe des Deutschen Ordens, war. Sie schildert sein Leben weitgehend Das Blut ist blau als seine Gedanken und Gespräche, wie er versucht, die Ordensideale hochzuhalten, aber auch kräftig intrigiert. So entsteht das Bild eines machtbewussten Mannes, der aber noch dem Mittelalter und den Ritteridealen verhaftet ist. Kaufleute, insbesondere die von Riga, und gewöhnliche Leute - sie werden immer nur Schmutzfinke genannt - sind ihm zumindest suspekt. Livland, in etwa das heutige Lettland und Estland, wird als ziemlich unwegsam beschrieben. Kern der Romanhandlung ist die Auseinandersetzung mit Rigas Erzbischof Silvester Stodewescher. - Radzeviciutes Sprache ist von kurzen Sätzen und Satzbruchstücken geprägt. Dadurch entsteht der Eindruck, die handelnden Personen fühlten sich unter Druck, was durchaus dem Zeitgefühl entsprochen haben kann. Man spürt förmlich den bevorstehenden Umbruch der Renaissance in Europa, der langsam auch diese Grenzländer zum orthodoxen Russland erreicht. Das Ideal des edlen Kampfs mit dem Schwert wirkt anachronistisch. Aber die etwas andere Perspektive und der wenig bekannte Handlungsraum machen den Roman interessant. (Übers.: Cornelius Hell)

Pauline Lindner

Pauline Lindner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Das Blut ist blau

Das Blut ist blau

Undiné Radzeviciuté
Residenz-Verl. (2019)

396 S.
fest geb.

MedienNr.: 914349
ISBN 978-3-7017-1700-2
9783701717002
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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