Historisches

Die Frauen von Kopenhagen

Die Textilfabrik Ruben ist berüchtigt für ihre Arbeitsbedingungen. Eine junge Weberin gerät in die Treibriemen des Webstuhls und stirbt an ihren Verletzungen. Die Firma weist alle Schuld von sich; doch ihre Schwägerin Nelly gibt Die Frauen von Kopenhagen nicht auf. Bis sie eines Tages mit ihrem Freund in ihrer Wohnung niedergeschlagen wird. Der junge Mann aus Jütland wird deswegen verhaftet. Obwohl seine Schwester Anne fast kein Geld hat, nimmt sie alle Mühen auf sich, um zu ihrem Bruder zu gelangen und Zeugen dafür zu finden, dass er unschuldig ist. Der Bruder wird verurteilt, denn seinem Verdacht, ein Mann aus der Weberei mit einem Holzbein spiele eine Rolle, geht nur Anne nach. Zu spät findet sie einen Tatzeugen; das "Holzbein" hatte ihm die Auswanderung nach Amerika ermöglicht. Da noch weitere Unglücksfälle in der Weberei passieren und den Frauen zu Unrecht Geld vom kargen Lohn abgezogen wird, baut sich langsam eine Frauenvertretung auf, die letztlich sogar streikt. Denn Anne hatte Kontakt zu einem Redakteur der Zeitung "Sozialdemokraten" und zur entstehenden dänischen Frauenbewegung. - Die Zeiten für Arbeiterinnen waren um 1885 bestimmt nicht gut; vertuschte Betriebsunfälle wohl nicht selten. Die mühevolle und privat vergebliche Suche von Anne bettet die Autorin zur Verstärkung der Stimmung auch jeweils in die kalte oder regnerische Jahreszeit ein. Das ist vielleicht eine Nuance zu viel, weil sie nur ganz wenige positive und helle Momente erwähnt. Trotzdem lesenswert.

Pauline Lindner

Pauline Lindner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Frauen von Kopenhagen

Die Frauen von Kopenhagen

Gertrud Tinning ; aus dem Dänischen von Lotta Rüegger und [einem weiteren]
Diana (2021)

445 Seiten
kt.

MedienNr.: 972790
ISBN 978-3-453-29251-2
9783453292512
ca. 16,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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