Jugendbücher

Concrete Rose

Nur zwei Regeln zum Leben in seinem Viertel werden vom Ich-Erzähler Maverick (17) als solche konkret benannt und im Text typografisch hervorgehoben. In der ersten, gleich auf Seite eins, geht es um Streetball und um frauenfeindliches Concrete Rose Machogehabe. Die zweite ist zwar unterschwellig immer präsent, wird aber erst fast am Ende nochmal präzise von ihm formuliert: "Wenn einer jemand aus deiner Familie umlegt, legst du ihn um." (S. 366) Da bleibt Maverick wohl keine Wahl. Sein älterer Cousin wurde erschossen und er meint, den Täter zu kennen. Eigentlich hat er gerade mit ganz anderen Dingen zu kämpfen. In einer Sekunde erfährt er, bereits Vater eines drei Monate alten Babys zu sein, in der nächsten hinterlässt ihm die Mutter dieses Baby, da sie offensichtlich mit allem überfordert zu sein scheint. Nun ist erstmal Maverick überfordert, hat aber immerhin seine Mutter, die unmissverständlich zu ihm steht - auch wenn Maverick sie kurze Zeit später mit erneuter Vaterschaft konfrontiert. An einen Schulabschluss ist da nicht zu denken? Nun im kleinen Lebensmittelhandel mühsam Geld verdienen oder mit Dealen sich auch mal selbst Wünsche erfüllen können? Mit Letzterem hat übrigens sein Vater Geld verdient. Nun sitzt er seit acht Jahren im Gefängnis. Und Maverick sinniert in all dieser Überforderung mehr als einmal, inwieweit er nach seinem Vater kommt ... In "The hate u give" (BP7mp17/80) erzählt Angie Thomas die Geschichte der sechzehnjährigen Starr, in "Concrete Rose" nun die Vorgeschichte bzw. die Geschichte ihres Vaters sechzehn Jahre zuvor. Auch hier überzeugen Charaktere und Sprache/Slang einer fiktiven PoC-community. Maverick wird ganz schön viel zugemutet, auch wenn er natürlich letztlich für seine Taten verantwortlich ist, sind die Umstände nicht gerade leicht für ihn. Gerade durch die Ambivalenz seiner Figur wirkt er sehr echt. Leser/-innen müssen "The hate u give" nicht kennen, aber wenn sie dies tun, ergeben sich viele Aha-Momente. Immer wieder Verweise auf Popkultur und Zeitkolorit der späten 1990er Jahre. Nicht zuletzt geht der Titel "Concrete Rose" auf ein Gedicht des legendären Rappers 2Pac zurück, das dem Roman vorangestellt ist. Unbedingte Empfehlung für alle Bestände.

Anna Winkler-Benders

Anna Winkler-Benders

rezensiert für den Borromäusverein.

Concrete Rose

Concrete Rose

Angie Thomas ; aus dem amerikanischen Englisch von Henriette Zeltner-Shane
cbj (2021)

414 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 603865
ISBN 978-3-570-16605-5
9783570166055
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: J
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