Acht Wochen Wüste

In diesem Fall ist das Vögelchen zu hoch hinaus geflogen. Die 14-jährige Wrenegade, die sich mit dem Zaunkönig ihren Namen teilt, hat bisweilen recht wenig mit dem munteren, kleinen Kerlchen gemein. Lediglich die Schlauheit, welche Acht Wochen Wüste der Vogel zum Überleben in der Natur benötigt, macht sie sich ebenfalls zunutze, um über ihre vielen Eskapaden hinweg zu täuschen. Nach dem Umzug der Familie in eine neue Stadt hat Wren Schwierigkeiten, neue Freunde zu finden. Irgendwann gibt sie sich mit den Falschen ab und gerät in kriminelle Kreise. Sie beginnt zu trinken, zu rauchen und zu kiffen, lügt ihre Familie an, stiehlt und dealt mit Drogen. Die Familie ist ratlos und beauftragt die Abholung ihrer Tochter durch die Polizei zu einem Camp in der Wüste bei Salt Lake City, in dem sich jugendliche Straftäter zu Wiedereingliederungsmaßnahmen einfinden. Unter spartanischen Bedingungen und strikten Auflagen sollen sie den wahren Sinn des Lebens erkennen und bestenfalls wieder zu den Menschen werden, die sie einst waren. Wren hat Probleme mit dem Lager, den anderen Programmteilnehmern und nicht zuletzt mit sich selbst. Ihren Mangel an Selbstvertrauen und Mut kompensiert sie mit Wut und Hass. - Die kurzweilige Geschichte, geschrieben in der Ich-Perspektive Wrens, fesselt von Beginn an und macht das Lesen interessant und spannend. Die relativ kurzen Kapitel brechen die Hürde manch jungen Lesers, sich mit den knapp 350 Seiten zu beschäftigen. Die emotionsgeladene Reise des Mädchens zurück ins Leben und der Wiederaufbau des zerrütteten Verhältnisses zu ihren fürsorglichen Eltern nehmen jeden Leser und jede Leserin mit.

Anja Kuypers

Anja Kuypers

rezensiert für den Borromäusverein.

Acht Wochen Wüste

Acht Wochen Wüste

Wendelin van Draanen
Magellan (2019)

333 S.
fest geb.

MedienNr.: 599047
ISBN 978-3-7348-5042-4
9783734850424
ca. 17,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: J
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