Eine Schwester

Wie in jedem Sommer verbringt der 13-jährige Antoine die Ferien mit seiner Familie in einem alten Haus an der französischen Küste. Doch diesmal ist auch die Freundin der Mutter mit von der Partie, die ihre 16-jährige Tochter Hélène Eine Schwester mitbringt. Von dem hübschen und charmanten Mädchen fühlt sich Antoine angezogen. Der Abschied von der unbeschwerten Kindheit und die ersten Schritte ins Erwachsenenleben werden von Hélène befördert. Eine Coming-of-Age-Story also, die in dieser Graphic Novel als zarte Verwandlung der Protagonisten vorgeführt wird. Die Dialoge geben lebensnah familiäre Sprechweisen wieder. Die Bilder zeigen skizzenhaft und sehr subtil die emotionalen Innenwelten der Jugendlichen. Das Mädchen bewahrt sich bis zum Schluss eine geheimnisvolle Aura, die auch durch ihr forsches Vorantreiben der sexuellen Erfahrungen beibehalten wird. Antoine befindet sich in diesem Sommer in einem Zwischenreich: die Familie und das gewohnte Umfeld der Ferien binden ihn noch an seine Kindheit. So wird Hélène zunächst auch als ältere Schwester wahrgenommen. Doch nach bloß einer Woche hat sie Antoine neue Wege aufgezeigt, die ihn ins Erwachsenenleben führen. Wie verlockend diese offenen Wege für Jugendliche sein können, stellt der Autor vor allem in den wie durchlässig wirkenden Porträts dar. Alles ist in der Schwebe in diesem Alter, und um diese Wahrheit zu solcher Größe zu führen, braucht es schon einen Meisterzeichner. Ab 14 Jahren.

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Eine Schwester

Eine Schwester

Bastien Vivès
Reprodukt (2018)

211 S. : überw. Ill.
fest geb.

MedienNr.: 593921
ISBN 978-3-95640-144-2
9783956401442
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: J
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