Der Geruch des Paradieses

Peri wächst auf in einer Familie voller Gegensätze: da ist ihr Vater, bekennender Agnostiker, der seine Traurigkeit in Raki ertränkt, und ihre tiefreligiöse Mutter, die Halt in Ritualen und Gebeten sucht. Peri sieht sich schon Der Geruch des Paradieses als kleines Mädchen zwischen diesen beiden Polen hin- und hergerissen, wobei ihre Sympathie mehr dem Vater gehört. Prägend auf ihrem Weg zur eigenständigen Persönlichkeit ist ihr Studium in Oxford, wo sie in ihrer WG wieder zwischen die Fronten einer agnostischen Studentin aus dem Iran und einer strenggläubigen Muslima gerät. Der charismatische Professor Azar und sein Seminar über Gott bringen sie an ihre Grenzen, nicht zuletzt, weil ihr Liebe und Eifersucht in die Quere kommen. Als es dann zu einem Skandal um eine verbotene Liebe des Professors kommt, ergreift sie die Flucht. - In zwei geschickt und spannend verknüpften Strängen erzählt die türkische Schriftstellerin Elif Shafak von der Mittdreißigerin Peri, die während einer Dinnerparty an ihre Vergangenheit in Oxford erinnert wird, und von der Peri, die 16 Jahre zuvor in Oxford studierte. Die spannende Handlung und die sympathische Hauptfigur umrahmen elegant das zentrale Thema des Romans, die Auseinandersetzung mit der Frage nach Gott. Peri dürfte dabei als Paradebeispiel einer zweifelnden, hadernden, unschlüssigen Gläubigen den meisten Leser/innen den Weg in das Thema bahnen, außerdem ist es Shafak auf bewundernswerte Weise gelungen, das gewichtige Thema in einen klugen und unterhaltsamen Roman zu verpacken. Eine lohnenswerte Lektüre für alle religiös musikalischen und neugierigen Leser/innen. (Übers.: Michaela Grabinger)

Martina Häusler

Martina Häusler

rezensiert für den Borromäusverein.

Der Geruch des Paradieses

Der Geruch des Paradieses

Elif Shafak
Kein & Aber (2016)

550 S.
fest geb.

MedienNr.: 586192
ISBN 978-3-0369-5752-4
9783036957524
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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