Der große Polt

Dass der "große Polt" so klein (Geschenkbuch-Format) ausgefallen ist, passt sowohl zum Autor als auch zum Inhalt dieses völlig bilderlosen Mini-"Konversationslexikons". Man findet darin, von A bis Z geordnet, Der große Polt nach des Autors eigener Definition "linguistische Sprachtratzerl". Die Lektüre soll den Leser in Stand setzen, künftig leichter "in Fettnäpfchen zu treten sowie sein eigenes Schmähpotential zu erweitern". Auch soll es zum eigenen "Umbegriffeln sowie Neubewörterln" anregen. Das tut es ganz gewiss. Besonders dann, wenn der Leser aus (Ober-)Bayern kommt oder dorthin zureiste, also die weißblaue Idiomatik und Mentalität kennt oder sich darin auf erquickliche Art üben möchte. Dazu gibt der "große" Worterfinder auch dem kleinen Mann viel wortwörtliche Gelegenheit - mit Begriffserklärungen zu Genießbarem, gut Verträglichem, aber natürlich auch zu mancherlei weniger Appetitlichem - dies jedoch auf angenehme Weise und stets mit einem nach unten gehaltenen pädagogischen Daumen. Bei Polt erwartet man nur Außergewöhnliches, so dass es in seinem bissigen Glossar um Wörter wie "Eventmahlzeit", "Jodellodenträger" oder "Ubiquitierer" und sowas geht. Als "Ausruf zur Eröffnung von Parteitagen" gilt für Polt der Ausdruck "Obatzt is", die "Hölle" ist für ihn ein "Abschreckungsinstrumentarium im edukativen Prozess" und ein "Urviech" ein Mensch, der über außergewöhnliche Fähigkeiten und Anlagen verfügt" - wobei Gerhard Polt die Reihe der Urviecher (zumindest in seiner alpenländischen Heimat) anführt. Dieses "Poltchen" sollte selbst ein "Büchereilein" in seinen Regalen führen.

Hans Gärtner

Hans Gärtner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Der große Polt

Der große Polt

von Gerhard Polt
Kein & Aber (2017)

167 S.
fest geb.

MedienNr.: 850846
ISBN 978-3-0369-5763-0
9783036957630
ca. 12,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL, Li
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