Hell und schnell

Wenn ein Komiker Komik herausgibt, darf gelacht werden, sollte man meinen. Der Leser wird durch sechs Räume geführt. In der Walhalla des Witzes sind die Klassiker versammelt. In der Galerie trifft man unter den Höhepunkten komischer Hell und schnell Dichtung die Verse: "Ich wollt, ich war ein Katholik, / Dann wäre der Heiland für mich gestorben ..". Habe Humor, christlicher Leser, und lache trotzdem, denn hier reimt Hesses "Besoffner Dichter" Katholik auf Genick. Erst später vergeht uns das Lachen, wenn Christus mit der Brechstange traktiert wird von einem Autor, der, weil Jahrgang 1942, den Harmlosigkeitsvorbehalt aller Komik nicht mehr gelten lässt. Hier schlägt die Satire durch. Hier ist zwar alles erlaubt, aber in den wüsten Beiträgen aus den einschlägigen Satire-Magazinen der Geistesgefährten des Herausgebers versandet die Komik. Im letzten Raum, der Wunderkammer, wundert man sich über nichts so sehr wie über Bechers seitenlange Stalin-Hymne. Fazit: Der kritisch-humorvolle Leser mag in diesem Sammelsurium auch Neues entdecken, an dem er seine Freud haben könnte. Für das Satireregal größerer Bestände.

Heinrich Halm

Heinrich Halm

rezensiert für den Borromäusverein.

Hell und schnell

Hell und schnell

hrsg. von Robert Gernhardt ...
S. Fischer (2004)

621 S.
fest geb.

MedienNr.: 205495
ISBN 978-3-10-025505-1
9783100255051
ca. 25,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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