Die Dämmerung der Steppengötter

Der mehrfach ausgezeichnete albanische Schriftsteller erzählt in seinem erstmals in den 70er Jahren erschienenen autobiografischen Roman von seinem Studienaufenthalt an dem berühmten Moskauer Maxim-Gorki-Literaturinstitut. Schriftsteller aus Russland Die Dämmerung der Steppengötter und den "sozialistischen Bruderstaaten" sollten hier ideologisch aufgerüstet und in die Verfahrensweisen des sozialistischen Realismus eingeführt werden. Der schmale Roman handelt zum einen von einer zum Scheitern verurteilten Liebe zwischen dem Ich-Erzähler und einem russischen Mädchen, aber vor allem karikiert und kritisiert er sehr detailreich und oft voll beißender Ironie das von einem Klima der Angst beherrschte literarische Leben in der Sowjetunion unter Chruschtschow. Unterwürfigkeit und speichelleckerische Anpassung vor den "kleingewachsenen Göttern des sozialistischen Lagers" (S. 203) attestiert der desillusionierte Autor den meisten Vertretern seiner Zunft. Ein aus Indien eingeschleppter Pockenfall und Enver Hoxhas separatistische Albanienpolitik offenbaren die Parolen von der Freundschaft der sozialistischen Bruderstaaten als hohle Phrasen. - Ein zeitgeschichtlich interessanter Roman also, der die Manipulierbarkeit der Intellektuellen in einem totalitären Regime vor Augen führt. (Übers.: Joachim Röhm)

Helmer Passon

Helmer Passon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Dämmerung der Steppengötter

Die Dämmerung der Steppengötter

Ismail Kadare
Fischer (2016)

206 S.
fest geb.

MedienNr.: 586259
ISBN 978-3-10-038414-0
9783100384140
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.