Der Mensch Martin Luther

Von einem Buch, das sich im Untertitel dem Menschen Martin Luther verschrieben hat, erwartet man zumindest einen Beitrag zu einer kritischen Biographie. Roper indes meidet geflissentlich alles, was sie auf ökumenisch vermintes Gelände Der Mensch Martin Luther führen könnte: Luthers abseitige theologische Prägung ebenso wie die vielen Dunkelstellen seines Lebens, wie etwa das Berufungserlebnis zu Stotternheim, das sie völlig unhinterfragt stehen lässt. Kritisch ist diese Studie also nicht, aber dennoch informativ. Denn folgt sie auch weithin ausgetretenen Pfaden, so wirft sie doch Licht auf einen zumeist eher stiefmütterlich behandelten Luther jenseits der großen theologischen Auseinandersetzungen und auch jenseits des großen Auftretens: einen Luther, der selbst enge Freunde vor den Kopf stoßen oder sich gar zu Gegnern machen konnte, der es aber auch verstand, Schwermütige zu trösten. Wir gewinnen einen Einblick in den Alltag des späten Reformators, der einen widerspruchslosen Hofstaat von Menschen um sich scharte, die ihm intellektuell nicht ebenbürtig waren, der in Wittenberg Privilegien genoss, aber dennoch seine letzten Jahre in Groll - vor allem auch über protestantische Pfarrer, die seinen Idealen nicht folgten - verlebte. Schließlich erfahren wir auch vom Schicksal seiner Frau und seiner Kinder nach Luthers Tod. So wird man dieses Buch trotz seiner Defizite mit einigem Gewinn lesen.

Richard Niedermeier

Richard Niedermeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Der Mensch Martin Luther

Der Mensch Martin Luther

Lyndal Roper
Fischer (2016)

729, [8] S. : Ill. (z.T. farb.)
fest geb.

MedienNr.: 586264
ISBN 978-3-10-066088-6
9783100660886
ca. 28,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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