Die zehn Kinder, die Frau Ming nie hatte

Ein französischer Geschäftsmann weilt häufig zu Vertragsverhandlungen im Grandhotel einer Industriestadt in der chinesischen Provinz Guangdong. Aus taktischen Gründen legt er gerne etwas längere Verhandlungspausen ein. Diese verbringt Die zehn Kinder, die Frau Ming nie hatte er meist in den im Untergeschoss des Hotels befindlichen Sanitärräumen, wo Frau Ming das Amt der Toilettenfrau bekleidet. Als er mit ihr ins Gespräch kommt und sie ihm von ihren zehn Kindern berichtet, wird seine Neugierde geweckt. Er kann kaum glauben, dass sie die Wahrheit sagt. Schließlich ist doch in China die Ein-Kind-Politik gesetzlich verankert. Ihre Erzählungen sind jedoch so lebensnah und konkret, dass er ins Zweifeln gerät. Sollte es die Kinder wirklich geben oder phantasiert Frau Ming lediglich? Nicht nur der in Ich-Form schreibende Geschäftsmann ist sich nicht im Klaren, ob es Frau Ming so hervorragend versteht, derart gewaltige Lügen aufzutischen, sondern auch die Leser dürften irritiert sein. Sofern sie die konfuzianische Lehre kennen, werden ihnen manche Zitate von Frau Ming vertraut sein. Doch auch wenn sie davon kaum etwas oder gar nichts wissen, lernen sie durch dieses Buch die eine oder andere Lebensweisheit kennen, die in China im 5. Jh. v. Chr. schon Geltung hatte. Eine Geschichte zwischen Traum und Wirklichkeit, die humorvoll und amüsant ist und zugleich lehrreiche Passagen beinhaltet. Durchaus faszinierend und zu empfehlen. (Übers.: Marlene Frucht)

Edith Schipper

Edith Schipper

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die zehn Kinder, die Frau Ming nie hatte

Die zehn Kinder, die Frau Ming nie hatte

Eric-Emmanuel Schmitt
S. Fischer (2014)

108 S.
fest geb.

MedienNr.: 578856
ISBN 978-3-10-073589-8
9783100735898
ca. 16,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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