Drei wertlose Visa und ein toter Reisepass

Mit seinem Eintreffen in Deutschland im Juli 2011 enden für Liao Yiwu 22 schwierige, schmerzhafte und lange Jahre, die geprägt waren von Schikanen, Verhaftungen, Denunzierungen und körperlichen Qualen. Begonnen hat die Leidenszeit Drei wertlose Visa und ein toter Reisepass nach den Ereignissen des 4. Juni 1989 am Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Wegen seines Gedichts "Massaker", das er darüber verfasste, musste er vier Jahre im Gefängnis verbringen und galt von da an als Dissident und "feindliches Element". Deshalb wurde er fortan ständig überwacht und immer wieder verhaftet. So keimte der Wunsch in ihm, ins ausländische Exil zu fliehen. Er stellte mehrere Ausreiseanträge, die meist nicht bewilligt wurden. Allerdings nutzte er eine genehmigte Reise nach Deutschland im Jahr 2010 nicht, im Westen zu bleiben. Er fühlte sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage, seine schriftstellerische Tätigkeit außerhalb Chinas erfolgreich fortsetzen zu können. Erst weitere Repressalien veranlassten ihn dann doch, am 2. Juli 2011 nach Vietnam zu flüchten und von dort über Warschau nach Deutschland zu kommen. - In seinem autobiografischen Bericht beschreibt Liao Yiwu nicht nur seine eigenen schlimmen Erlebnisse, sondern auch die Schicksale vieler seiner Künstlerfreunde. Recht sarkastisch schildert er seine Begegnungen mit offiziellen Behörden und parteitreuen Staatsdienern und zeigt dabei drastisch das chinesische Spitzelwesen auf. Auch witzige und recht komische Episoden sind in seiner Erzählung enthalten. Das Buch ist äußerst fesselnd und interessant, aber wohl nicht für jeden Leser eine leicht zu bewältigende Lektüre.

Edith Schipper

Edith Schipper

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Drei wertlose Visa und ein toter Reisepass

Drei wertlose Visa und ein toter Reisepass

Liao Yiwu
Fischer (2018)

521 S.
fest geb.

MedienNr.: 593759
ISBN 978-3-10-397288-7
9783103972887
ca. 26,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Bi
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