Der Zopf

Die Inderin Smita ist eine Dalit, eine "Unberührbare". Mitglieder ihrer Kaste stehen auf der untersten Stufe der Gesellschaft, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, bleibt ihr nur das Reinigen von Latrinen. Um ihrer Tochter Der Zopf eine bessere Zukunft zu ermöglichen, flieht sie aus ihrem Dorf in eine weit entfernte Stadt, in der sie niemand kennt. Auf Sizilien kämpft die Perückenmacherin Giulia nach dem Tod ihres Vaters um den Erhalt des Familienbetriebes. Da auf der Insel kaum noch jemand sein Haar wachsen lässt, um es zu verkaufen, wird der wertvolle Rohstoff knapp. Als sie sich in einen geheimnisvollen Inder verliebt, zu dem sie sich zunächst nicht öffentlich zu bekennen wagt, bietet sich eine Lösung ihres Problems an. Doch ihre traditionsverhaftete Familie sperrt sich gegen jede Innovation. In Kanada hat die Anwältin Sarah mit Können, Ehrgeiz und Disziplin die oberste Stufe der Karriereleiter erreicht. Als sie im Gerichtssaal zusammenbricht, lautet die niederschmetternde Diagnose "Brustkrebs". Zuerst versucht sie weiterzumachen, als ob nichts wäre, doch ihre Kollegen nutzen kleinste Schwächen aus, um sie zu verdrängen. Drei Frauen auf drei Kontinenten, die an einem Wendepunkt ihres Lebens angekommen sind und völlig auf sich allein gestellt, (über-)lebenswichtige Entscheidungen treffen müssen. Die französische Autorin flicht aus den drei Erzählsträngen einen Zopf und führt so die Schicksale von Smita, Giulia und Sarah zusammen. Das ist nicht ganz unvorhersehbar und ein wenig märchenhaft, doch letztlich ihr ist ein einfühlsamer und unterhaltender Roman gelungen, der trotz allen geschilderten Elends, die Leserin mit einem Lächeln zurücklässt. (Übers.: Claudia Marquardt)

Susanne Steufmehl

Susanne Steufmehl

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Der Zopf

Der Zopf

Laetitia Colombani
Fischer (2018)

283 S.
fest geb.

MedienNr.: 875571
ISBN 978-3-10-397351-8
9783103973518
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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