1000 Serpentinen Angst

Vor der Wende in Thüringen 1985 geboren, reflektiert die Autorin ihre Familiengeschichte und ihre Erlebnisse als Deutsche mit schwarzer Hautfarbe. Ihre Mutter ist 18 Jahre alt, als sie zur Welt kommt, lebt als Punkerin und damit im 1000 Serpentinen Angst Visier der Stasi. Ihre Großmutter, bei der sie mit ihrem Zwillingsbruder aufwächst, war linientreue DDR-Bürgerin und wählt jetzt rechts. Ihr Vater ist nach ihrer Geburt nach Angola zurückgekehrt, mit ihm hat sie nur noch sporadisch Kontakt. Ihr Zwillingsbruder begeht mit 18 Jahren Selbstmord. Dieses Erlebnis ist ausschlaggebend für die Angststörungen, an denen sie erkrankt und die sie mithilfe eines Therapeuten zu heilen versucht. Sie unternimmt Reisen nach USA, Afrika und Vietnam und reflektiert ihre Eindrücke in einer Form, als ob sie ein Selbst- oder Therapiegespräch führe. Die Erzählebenen springen in Raum und Zeit und werden von traumhaften, imaginierten Sequenzen eingerahmt. Das macht das Lesen nicht einfach, da man sich den Ereignisstrang selbst erarbeiten muss. Die vielen Erlebnisse, in denen sie Rassismus in reinster Form erlebt, auch in Deutschland, sind beschämend. Ein Buch, das von seinem Stil wohl eher einen jüngeren Leserkreis anspricht.

Ruth Titz-Weider

Ruth Titz-Weider

rezensiert für den Borromäusverein.

1000 Serpentinen Angst

1000 Serpentinen Angst

Olivia Wenzel
S. Fischer (2020)

347 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 600770
ISBN 978-3-10-397406-5
9783103974065
ca. 21,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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