Adolf H. Zwei Leben

Eigentlich ist es ein interessanter Gedanke, den Schmitt seinem neuesten Roman zugrunde legt: Hätte sich das Nazi-Regime verhindern lassen, wenn Hitler bei der Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie nicht durchgefallen wäre? Schmitt Adolf H. Zwei Leben nimmt diesen 8. Oktober 1908 als Ausgangspunkt, um zwei parallel verlaufende Biografien zu entwickeln. Einmal den Werdegang Hitlers, für den die Ablehnung an der Kunstakademie nur den Auftakt zu zahlreichen weiteren Demütigungen bildet, zum anderen die Biografie von Adolf H., der mit Ach und Krach angenommen wird. Das Problem an diesem Roman ist nicht der Versuch, Hitler als Mensch darzustellen, der erst durch die Umstände zu dem geworden ist, der er war. Das Problem liegt in der Art der Darstellung. Schmitt erzeugt u.a. durch seinen exzessiven Gebrauch von Adjektiven so viel Pathos, dass seine Figuren schnell ins Lächerliche kippen. Der eine wie der andere Hitler samt Entourage scheinen parodistisch überspitzt zu sein. Wie Schmitts Arbeitsjournal zu entnehmen ist, war es aber wohl keineswegs seine Absicht, eine Karikatur Hitlers zu zeichnen. Schade, dass der guten Idee keine angemessene Umsetzung gefolgt ist. Gut gemeint, aber nicht gut gemacht. (Übers.:Klaus Laabs)

Stefanie Brösigke

Stefanie Brösigke

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Adolf H. Zwei Leben

Adolf H. Zwei Leben

Eric-Emmanuel Schmitt
Ammann (2007)

Meridiane ; 107
507 S.
fest geb.

MedienNr.: 268402
ISBN 978-3-250-60107-4
9783250601074
ca. 24,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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