Balzac

Bescheidenheit wäre das Letzte, was man mit Honoré de Balzac in Verbindung bringen würde. 91 Romane hat er abgeschlossen, 9 Dramen, ca. 90 Roman- und Dramenfragmente, 250 sonstige Texte und unzählige Briefe. Auch sein privater Balzac Lebensstil war alles andere als bescheiden, er tafelte am liebsten in den nobelsten Restaurants, ließ sich die teuerste Kleidung anfertigen, gab Unmengen für sein Mobiliar aus. All das hatte zur Folge, dass Balzac zeitlebens hoch verschuldet gewesen ist. Ohne das Wissen um diese privaten Lebensumstände kann man, so eine der zentralen Thesen von Johannes Willms, auch das literarische Werk von Balzac nicht verstehen. Wie detailliert und meisterhaft Balzac auch die Gesellschaft seiner Zeit beobachtete, karikierte und kritisierte, schrieb er doch im Grunde immer über sich selbst. Und, so eine zweite zentrale These von Willms: Balzac schrieb auch immer gegen seine Mutter, die seine vor Kraft strotzende Vitalität mit einem strengen Erziehungsregiment zu bändigen suchte. Bei der Lektüre dieser Biographie spürt man auch, wie sehr der Autor von der Person und dem Werk Balzacs fasziniert ist. Hier schreibt ein leidenschaftlicher Leser der Romane von Balzac, der es auch schafft, die Leser dieser Biografie dazu anzuregen, selber (wieder) die Werke Balzacs zu lesen.

Carl Wilhelm Macke

Carl Wilhelm Macke

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Balzac

Balzac

Johannes Willms
Diogenes (2007)

366 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 276766
ISBN 978-3-257-06624-1
9783257066241
ca. 24,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li
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