Das Sandkorn

Berlin, Rom und Unteritalien in den Jahren 1914/15: Der Ausbruch des 1. Weltkriegs wird auch für den jungen deutschen Altertumsforscher Jacob Tolmeyn zum Schicksalsjahr. Seine wissenschaftliche Mission, die Bauten der Hohenstaufen Das Sandkorn in Unteritalien zu erforschen, lässt sich bestens vereinbaren mit dem imperialen Selbstverständnis des deutschen Kaisers Wilhelm II, der sich nur zu gern im Glanze des mittelalterlichen Kaisertums Friedrichs II. sonnt. Deshalb Tolmeyns Freistellung vom Militärdienst - jedenfalls bis zum Sommer 1915. Dass Italien den Dreibund verlässt und an der Seite der Alliierten in den Krieg eintritt, bedeutet für Tolmeyn nicht nur das Ende seines Forschungsprojekts, sondern auch das Ende einer bis dahin unerfüllten, nur in Gedanken ausgelebten homoerotischen Beziehung und die Verwicklung in eine folgenschwere polizeiliche Untersuchung, die er selbst in mutwilliger Verzweiflung provoziert hat. - Der Roman verknüpft klug und in bewundernswerter Selbstverständlichkeit die verschiedenen Handlungsstränge und Motive, insbesondere die akribisch recherchierte Reise- und Forschungstätigkeit Tolmeyns, die erotischen Spannungen zwischen Tolmeyn und seinem Assistenten - in einer Zeit in der Homosexualität noch strafrechtliche Konsequenzen nach sich zog - und die raffinierte kriminalistische Vorgehensweise des vernehmenden Berliner Kommissars. Der Roman vermag den Leser zu fesseln - buchstäblich bis zur letzten Seite, wo der Autor in einer furiosen Volte alle Handlungsfäden zu einem überraschend dramatischen Ende verknüpft. Empfohlen!

Helmer Passon

Helmer Passon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Das Sandkorn

Das Sandkorn

Christoph Poschenrieder
Diogenes (2014)

401 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 397192
ISBN 978-3-257-06886-3
9783257068863
ca. 22,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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