Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin

Der zweite Teil über Motti Wolkenbruch (vgl. BP/mp 14/429) setzt nahtlos dort an, wo der erste Teil aufgehört hat. Motti ist verzweifelt. Er lebt in einem Züricher Hotel, da ihn seine Familie verstoßen hat, und ernährt sich fast Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin ausschließlich von Alkohol. Eines Tages wird er von einem Mann aufgespürt, der sich vorgeblich um jüdisch-orthodoxe Menschen kümmert, die von ihrer Familie verstoßen wurden. Er nimmt Motti mit in einen israelischen Kibbuz. Dort merkt er jedoch bald, dass diese kleine Gruppe Verstoßener eigentlich die jüdische Weltverschwörung im Sinn hat. Als dann auch noch ihr Anführer stirbt und Motti noch schnell zu seinem Nachfolger ernennt, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Die bis dahin nur mäßig erfolgreiche Gruppe erlangt durch geschickte Vermarktung ihrer selbst angebauten Orangen weitreichenden Einfluss, sodass schlussendlich sogar Googles Alexa nur noch jüdisches Essen empfiehlt und Israel als das einzig wahre Urlaubsland anpreist. Das wiederum missfällt einer kleinen Gruppe Nazis, die sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs darum bemüht, die Weltordnung aus dem Untergrund heraus und seit neuestem auch durch das Internet nach ihren Vorstellungen umzugestalten. Ärger für Motti ist somit vorprogrammiert. - Der zweite Teil von Motti Wolkenbruchs Abenteuern ist eine Ansammlung von Skurrilität, Witz und beißender Ironie. Meyer greift bekannte antisemitische Verschwörungstheorien auf und entlarvt sie durch seine Ironie als das, was sie sind ¿ nichts anderes als lächerliche Vorstellungen. Dabei gelingt es ihm jedoch sehr gut, auch reale Bezüge herzustellen, wenn er zum Beispiel die Hass-Postings der Nazigruppe an real existierende Aussagen aus den Sozialen Medien anlehnt. Das Buch lässt einen lachend und gleichzeitig nachdenklich zurück. Sehr gelungen!

Anna Heinzle

Anna Heinzle

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin

Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin

Thomas Meyer
Diogenes (2019)

274 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 926387
ISBN 978-3-257-07080-4
9783257070804
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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