Maria in der Hafenkneipe

Der Ich-Erzähler dieses kleinen Romans geht an einem regnerisch kalten Novemberabend nach der Arbeit nach Hause. Auf dem Weg bitten ihn drei fremde Matrosen, ihnen den Weg zu einer bestimmten Straße zu zeigen. Auf einem handgeschriebenen Maria in der Hafenkneipe Zettel steht: Kloosterstraat 15, Maria van Dam. Anfangs reichlich unwillig, lässt sich der müde Mann dennoch auf die Fremden ein. Neugierig macht ihn vor allem die Beschreibung der jungen Frau. Sie ist geschickt im Nähen von Säcken, dabei auch noch ausnehmend hübsch und fröhlich. Zudem scheint sie keine von denen zu sein, die in allen Häfen der Welt ihre Liebesdienste anbieten. Doch als sie in der Kloosterstraat ankommen, kennt dort niemand eine Frau mit diesem Namen. Auf der zuständigen Polizeiwache bekommen sie zwar fadenscheinige Hinweise über eine gewisse Maria van Dam, doch auch diese Nachforschungen verlaufen im Sand. Bei ihrer Irrfahrt durch die Nacht kommen sich die vier Männer aber immer näher. Sie tauschen sich über ihre Lebensumstände aus, ihre Arbeit und die Familien, die sie damit ernähren. Sie reden über Gott und die Welt, ihre Religion und den Tod. Als sie nach Stunden auseinandergehen, haben sie die ominöse Frau zwar nicht gefunden, sind aber bei all der erkennbaren Verschiedenheit Freunde geworden. - Ein bemerkenswerter, neu aufgelegter, aber allgemeingültiger Roman über Toleranz in religiöser und politischer Hinsicht, sowie über den Wert gegenseitiger Hilfe und beiderseitigen Vertrauens. Sehr empfehlenswert.

Josef Schnurrer

Josef Schnurrer

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Maria in der Hafenkneipe

Maria in der Hafenkneipe

Willem Elsschot ; aus dem Niederländischen von Gerd Busse
Unionsverlag (2020)

89 Seiten : Illustrationen
fest geb.

MedienNr.: 602717
ISBN 978-3-293-00564-8
9783293005648
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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