Rostige Flügel

Marek Miert ist nach eigener Einschätzung ein "Diskontdetektiv": Expolizist, Einzelgänger, Single, eher raubeinig und von kompakter Körperlichkeit, mäßig erfolgreich, in einem heruntergekommenen Viertel in Harland (Ostösterreich) Rostige Flügel lebend. Mehrere "Fälle" kreuzen seinen Weg: der kauzige Buchhändler mit seinen Recherchen über die NS-Zwangsarbeiter, der brutal Selbstjustiz ausübende Alte, der zynische und Miert zum Spitzel innerhalb der ukrainischen Drogenmafia pressende Polizeichef, der in entwürdigender Abschiebehaft sitzende afghanische Arzt. Kein "who-done-it" prägt das Buch, sondern der scharfe Blick des Detektivs für die trostlose Realität des Prekariats und für die Gleichgültigkeit und Grausamkeit der Gesellschaft, aber auch für die eigenen Stärken und Schwächen. Ein sprachmächtiger, sehr wacher, geradezu reflektierter Krimi, dessen Sozialkritik als schwarzer Humor daherkommt, dessen Gewaltanteile ironisch entschärft werden, dessen harscher Realismus durch Sprachwitz und pointierte Ausdruckweise nahezu leichtfüßig wirkt - kurz: ein verblüffendes, ungewöhnliches und nicht nur als Krimi zu lesendes Buch. Breit empfohlen.

Birgit Karnbach

Birgit Karnbach

rezensiert für den Borromäusverein.

Rostige Flügel

Rostige Flügel

Manfred Wieninger
Unionsverl. (2009)

Unionsverlag-Taschenbuch ; 465 : Metro
251 S. : Ill.
kt.

MedienNr.: 318536
ISBN 978-3-293-20465-2
9783293204652
ca. 9,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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